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Im Notfall: Zuerst in die Portalpraxis

Schleswig-Holstein Im Notfall: Zuerst in die Portalpraxis

Die Notfallversorgung soll neu geordnet werden. Portalpraxen an Kliniken sollen rund um die Uhr zur Anlaufstelle bei akuten Gesundheitsproblemen werden. Bisher ist das nicht erlaubt. Doch Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) geht von einem Durchmarsch in Berlin aus: „Aus Not!"

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In der Karte finden Sie Ärzte in Schleswig-Holstein, wenn Sie umgehend behandelt werden müssen, aber nicht lebensbedrohlich erkrankt sind.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Die Notaufnahmen leiden unter Überlastung. Immer mehr Patienten klagen über zu lange Wartezeiten. Immer häufiger wird das Personal verbal oder körperlich attackiert. „Die Notfallaufnahmen sind überlaufen, weil sie auch immer häufiger von Menschen aufgesucht werden, die dort eigentlich nicht hingehören“, klagt Garg. Notfall-Kapazitäten müssten endlich wieder für tatsächliche Notfälle genutzt werden. "Das Problem der Notfallversorgung brennt in allen Bundesländern unter den Nägeln. Wir wollen das Problem endlich lösen", ist der Minister überzeugt.

In dieser Karte finden Sie Ärzte in Schleswig-Holstein, wenn Sie umgehend behandelt werden müssen, aber nicht lebensbedrohlich erkrankt sind - unterteilt in Kinderpraxen und allgemeine Praxen.

Nach einer Studie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung wenden sich 49 Prozent der Bürger direkt an die Notaufnahme, wenn sie nachts ärztliche Hilfe benötigen. 24 Prozent alarmieren den Rettungsdienst. Nur 20 Prozent rufen den ärztlichen Bereitschaftsdienst an - dessen Rufnummer 116117 kennen viele Bürger gar nicht.

Die Folge ist, sagt Garg, eine „unglaubliche Fehlinanspruchnahme“ von personellen Notfallkapazitäten. Für die Krankenhäuser sei das ein echtes Problem, weil die Notfallaufnahmen deutliche Defizite einfahren – in den Unikliniken 2016 betrug es 13,3 Millionen Euro.

In Schleswig-Holstein haben niedergelassene Ärzte deshalb schon vor Jahren Anlaufpraxen an Krankenhäusern oder Medizinzentren für ambulante Notfälle eingerichtet. Doch diese 32 Anlaufpraxen im Land dürfen per Gesetz nur zu bestimmten Zeiten öffnen. Um die Notaufnahmen zu entlasten, müssten sie jedoch rund um die Uhr arbeiten, und das in enger Kooperation mit den Kliniken.

Das soll nun kommen: Garg geht davon aus, dass in etwa einem Jahr das Sozialgesetzbuch V geändert sein wird. Wer dann in die Notaufnahme will, wird zunächst in der Portalpraxis registriert und je nach Behandlungsbedarf in die ambulante oder stationäre Versorgung weitergeleitet. Ist keine akute Behandlung notwendig, wird der Patient an eine Arztpraxis verwiesen. Neben der Gesetzesänderung ist dafür, so Garg, aber eine „auskömmliche, extrabudgetäre Finanzierung“ notwendig.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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