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Immer mehr Rentner arm

Schleswig-Holstein Immer mehr Rentner arm

Bei immer mehr Rentnern in Schleswig-Holstein reicht die Rente nicht zum Leben: Ende 2014 erreichte die Zahl der Menschen, die im Alter auf Grundsicherung angewiesen sind, einen neuen Höchststand. 

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In Schleswig-Holstein haben Ende 2014 fast 19600 Menschen über 64 Jahren eine Grundsicherung im Alter erhalten.

Quelle: Oliver Berg/dpa

Kiel. Grundsicherung zählt als Indiz für Altersarmut und soll den Betroffenen das Minimum garantieren, das zum Überleben notwendig ist. In Schleswig-Holstein haben Ende 2014 fast 19600 Menschen über 64 Jahren solch eine Grundsicherung im Alter erhalten. Das sind vier Prozent mehr als im Jahr zuvor und die höchste Zahl seit Einführung der Statistik im Jahr 2003. Gegenüber 2009 ist die Zahl der Betroffenen in Schleswig-Holstein damit um 29 Prozent gestiegen, teilte das Statistikamt Nord mit. Besonders betroffen sind Frauen:  61 Prozent der Unterstützten waren weiblich.

14 Prozent der Leistungsempfänger wohnten in Heimen, konnten den Eigenanteil der Kosten nicht aus eigenen Mitteln bestreiten und mussten deshalb Unterstützung vom Staat erhalten. Die große Mehrheit lebte aber mit 79 Prozent noch selbstständig in einer Wohnung, konnte aber nicht allein mit ihrer Altersrente über die Runden kommen und bekamen deshalb Geld aus dem Topf „Grundsicherungsleistung“.

Fast jeder zweite, der im Alter Grundsicherung bekommt, hat schon vorher Armut erlebt und war deshalb auf staatliche Hilfe angewiesen: So bekamen 28 Prozent zuvor Hartz IV und 18 Prozent Sozialhilfe.

Der neue Landesvorsitzende des Sozialverband Deutschland (SoVD), Wolfgang Schneider nennt die Zahlen für alarmierend. „Der Bekämpfung der Altersarmut muss höchste Priorität eingeräumt werden. Ansonsten steuern wir auf eine sozialpolitische Katastrophe zu“, sagte Schneider und forderte die Landesregierung auf, sich im Bund für ein Umsteuern in der Rentenpolitik einzusetzen: Zunächst müsse ein Freibetrag für die gesetzliche Rente bei der Grundsicherung eingeführt werden: „Es kann nicht sein, dass jemand, der sich einen Rentenanspruch von 500 Euro erarbeitet hat, in der Grundsicherung genau so gestellt wird, wie jemand, der gar nicht gearbeitet hat. Außerdem muss die geplante Absenkung des Rentenniveaus auf 43 Prozent bis 2030 verhindert werden.“

Schneider fordert aber auch einen Umbau der gesetzlichen Rentenversicherung zu einer Erwerbstätigenversicherung, in die alle Bürger einzahlen. „Das schafft mehr soziale Sicherheit, stärkt die Solidargemeinschaft und trägt dem Strukturwandel in der Arbeitswelt Rechnung.“

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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