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Jakobskreuzkraut: Risiko für Rinder

Schleswig-Holstein Jakobskreuzkraut: Risiko für Rinder

Ist frisches Jakobskreuzkraut JKK wirklich eine reale Gefahr für Rinder? Ein verendetes Hochland-Rind bei Neustadt hatte die typischen Symptome für eine Vergiftung durch das Jakobskreuzkraut. Eine endgültige Klärung war aber nicht mehr möglich. Deshalb lässt die Stiftung Naturschutz jetzt Schlachtrinder von diversen JKK-Flächen im Land untersuchen.

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Ist frisches Jakobskreuzkraut JKK wirklich eine reale Gefahr für Rinder?

Quelle: Birgit Johann

Kiel/Neustadt. Gleichzeitig starten Mähaktionen, um die Blüte von JKK zu verhindern. Derweil fordern der Landesnaturschutzbeauftragte und der Nabu mehr Aufklärung und Besonnenheit im Umgang mit der Pflanze.

 Bei dem verendeten Rind auf einer Fläche der Stiftung Naturschutz bei Neustadt hatte ein Tierarzt eine schwere Leberschädigung festgestellt. Offen ist die Ursache: Die Schädigung könnte gar nichts mit dem Gift des Jakobskreuzkrauts, den Pyrrolizidin-Alkaloide (PA), zu tun haben. Oder es könnte eine chronische Vergiftung sein, weil das Rind im Winter mit Heu gefüttert wurde, das JKK enthielt. In Heu oder Silage ist die Pflanze weiter giftig, schmeckt aber nicht mehr bitter. Oder es handelt sich um eine akute Vergiftung, weil das Rind die frische, aber bitter schmeckende Pflanze gefressen hat. Das galt bisher als unwahrscheinlich. Untersuchungen von mindestens fünf Rinderlebern sollen nun schnellstmöglich klären, ob Rinder auf extensiv beweideten Flächen tatsächlich durch das frische JKK gefährdet sind, erklärte Walter Hemmerling, Geschäftsführer der Stiftung Naturschutz.

 Für statistisch belastbare Ergebnisse reiche das aber nicht. Deshalb gibt es außerdem eine wissenschaftliche Untersuchungsreihe zur PA-Belastung von Weidetieren an der Kieler Christian-Albrechts-Universität.

 Parallel laufen auf JKK-Flächen, die von Honigbienen angeflogen werden, die Mäharbeiten. Damit kann die bevorstehende Blüte unterbunden und verhindert werden, dass über die Bienen das Pflanzengift in den Honig gelangt. Die Pflanze selbst kann durch das Mähen aber nicht abgetötet werden.

 In Holzbunge haben zwei Landwirte bereits 2014 einen alten Raps- Mähdrescher für den Einsatz gegen Jakobskreuzkraut umgerüstet und erfolgreich eingesetzt. Der Mäher arbeite deutlich effektiver als ein angebauter Kreiselmäher, berichteten die Landwirte. Das Mähgut werden direkt in Schwaden zum Abtransport gesammelt. Der Mäher schone zudem Tiere wie Laubfrösche, Käfer und Insekten. Wichtig ist, dass das JKK-Mähgut komplett abtransportiert und - etwa in Biogasanlagen - unschädlich gemacht wird.

 Der Landesnaturschutzbeauftragte Prof. Holger Gerth und Fritz Heydemann vom NABU Schleswig-Holstein haben dazu aufgerufen, das Mähen nur sehr bedachtsam einzusetzen, weil es dem Naturschutz vielerorts zuwider laufe: „Auf den Flächen sollen sich mit Blütenreichtum, einem Mosaik aus hoher und niedriger Vegetation, aufkommenden Gebüschen ja gerade die Strukturen bilden, die auf herkömmlichen Landwirtschaftsflächen nicht mehr zu finden sind. Diese Vielfalt sollte nicht durch eine Mahd nivelliert und damit zunichte gemacht werden“, sagte Gerth, der selbst Imker ist, seine Bienen aber nicht in der Nähe von JKK- Beständen fliegen lässt.

 Auf konventionell bewirtschafteten Weiden habe das ökologisch bedeutsame Jakobskreuzkraut ohnehin kaum eine Chance: JKK braucht Licht. Wo die Grasnarbe dicht ist, kann es nicht keimen und wachsen. „Deshalb ist das Jakobskreuzkraut typisch für überbesetzte Pferdekoppeln, auf denen die Tiere die Vegetation radikal kurz gefressen und den Boden stellenweise freigescharrt haben“, erklärten Gerth und Heydemann. Extensiv genutzte Naturschutzflächen seien für JKK anfällig, wenn die Böden sandig und zuvor als Acker genutzt worden seien. „Doch eigene langjährige Erfahrungen bestätigen, dass man auch bei extensiver Nutzung mit gezieltem Weidemanagement der Ausbreitung sehr erfolgreich entgegen wirken kann.“

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kiel
Foto: Jetzt geht dem Jakobskreuzkraut an die Wurzel: Seit der Verdacht besteht, dass zwei Rinder auf einer Naturschutzfläche Opfer der giftigen Pflanze geworden sind, spitzt sich die Diskussion zu.

Jetzt geht dem Jakobskreuzkraut an die Wurzel: Seit der Verdacht besteht, dass zwei Rinder auf einer Naturschutzfläche Opfer der giftigen Pflanze geworden sind, spitzt sich die Diskussion zu.

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