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Schleswig-Holstein, Land der Helfer

Ehrenamt Schleswig-Holstein, Land der Helfer

Die Flüchtlingskrise hat in Schleswig-Holstein ein bisher ungekanntes Maß an Bürger-Engagement ausgelöst. Nach einer Umfrage unserer Zeitung sind mindestens 14000 Schleswig-Holsteiner in der Flüchtlingsarbeit regelmäßig aktiv.

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Viele Schleswig-Holsteiner engegieren sich ehrenamlich.

Quelle: Frank Peter (Archiv)

Kiel. Dabei sind viele Helfer in kleineren Initiativen noch nicht berücksichtigt. Ministerpräsident Torsten Albig nennt dieses Engagement einen Segen. Für den Soziologen Prof. Harald Welzer ist es eine Sternstunde der Demokratie.

 „Ich bin für die unermüdliche Arbeit und das Engagement der vielen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Helfer in der Flüchtlingshilfe zutiefst dankbar“, sagt Albig. In den Kirchengemeinden kümmern sich bis zu 5000 Schleswig-Holsteiner um die Menschen, die ins Land kommen. 500 DRK-Helfer engagieren sich. Allein beim Roten Kreuz haben sich weitere 2000 Nichtmitglieder gemeldet, die an die Erstaufnahmen weitervermittelt worden sind. Neben den klassischen Flüchtlingshilfen und Wohlfahrtsorganisationen wie Awo, ASB, Malteser und Johanniter haben sich unzählige Initiativen gebildet. Statistisch erfasst wird das bisher an keiner Stelle. Doch je mehr Gemeinden Flüchtlinge aufnehmen, desto mehr Helferkreise entstehen.

 Oft übersteigt dabei wie in Preetz die Zahl der Bereitwilligen die der Flüchtlinge. Der Freundeskreis Asyl in Altenholz engagiert sich seit langem für Asylsuchende. Dennoch kommen immer wieder neue Helfer hinzu. „Das Engagement ist ungebrochen“, sagt auch Faiza Tahir, Initiatorin von „Kiel hilft Flüchtlingen“. Dort sind rund 1000 Menschen aktiv. Bei der Facebook-Initiative haben sich 13000 Menschen registrieren lassen. Nur eine passive Unterstützung? „Damit setzen sie auch ein politisches Zeichen“, sagt die Kieler Professorin Roswitha Pioch vom Arbeitskreis Migrationspolitik der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft. Auffällig sei, dass nicht nur junge Leute und Rentner helfen, sondern auch viele Berufstätige, die ihr Können einbringen und zum Teil ihren Urlaub opfern.

 „In Deutschland sind viele besorgt, viele indifferent. Das ist normal in einer Krisensituation. Dass sie aber solch großes Engagement für eine Gruppe auslöst – dafür haben wir kein vergleichbares Beispiel. Es gibt eigentlich kein stärkeres Anzeichen dafür, wie gut eine Demokratie funktioniert“, erklärt Professor Welzer von der Uni Flensburg. Wie lässt sich das erklären? Erstens gebe es in Deutschland kaum eine Familie ohne Fluchterfahrung – ein tief verankertes Erbe, das über Generationen fortlebt. „Zweitens“, erläutert der Soziologe, „wollen sich viele Bürger seit den Anschlägen auf Flüchtlingsheime als die Anderen darstellen: Wir sind nicht die Nazis.“ Drittens habe es noch nie eine Jugend gegeben, in der Fremdenangst so wenig verbreitet war. Viertens erlebe man in der Flüchtlingsarbeit, dass man etwas bewirkt. „Solche Selbstwirksamkeits-Erfahrungen gibt es heute nicht mehr oft.“

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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