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Nach dem Abi in die Welt

Schleswig-Holstein Nach dem Abi in die Welt

12.000 junge Schleswig-Holsteiner haben in diesen Tagen ihre Abitur-Zeugnisse bekommen. Von Studium oder Lehre wollen viele vorerst aber nichts wissen: Sie zieht es in die Ferne, um im Ausland zu arbeiten und die Welt zu entdecken.

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Der Abiturjahrgang 2015 der Käthe-Kollwitz-Schule hat viel vor.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Der große Tag ist gekommen: Nach 13 Jahren betreten 87 junge Frauen und Männer zum letzten Mal als Schüler die Käthe-Kollwitz-Schule in Kiel. „Ein komisches Gefühl“, sagen viele. Erleichterung, Wehmut und Vorfreude mischen sich bei den Abiturienten, die nur einen Festakt später ihre Abschlusszeugnisse in den Händen halten. Viele planen jetzt einen Urlaub, bevor Ausbildung und Semester beginnen. „Von Jahr zu Jahr nehmen sich aber immer mehr Abiturienten gezielt eine lange Auszeit, um ins Ausland zu gehen“, sagt Direktorin Susanne Schütz.

 Einige haben für einen ausgiebigen Urlaub gespart, andere heuern fern der Heimat als Au-Pair an, die meisten kombinieren beides – „Work & Travel“ wird immer beliebter.

 Ob als Tabakernter auf Kuba, Rettungsschwimmer in Australien, Englischlehrer in China oder Fitnesstrainer in New York, „es gibt unzählige Möglichkeiten für junge Menschen aus Deutschland, im Ausland Geld zu verdienen und sich so auf Zeit ein Leben zu ermöglichen, an das man sich immer erinnern wird“, sagt Tanja Kuntz, Geschäftsführerin von „Travel Works“. Das Unternehmen war 2001 eines der ersten in Deutschland, das gezielt jungen Menschen mit Fernweh Auslandspraktika, Au-Pair-Stellen und Jobs vermittelt. „Tatsächlich boomt die Nachfrage seit Jahren kontinuierlich“, sagt Kuntz.

 Statistiken, wie viele junge Menschen gezielt ein Jahr Auszeit im Ausland nehmen, gibt es nicht. 60.000 sollen es bundesweit sein, schätzt die Branche. Tendenz steigend, zumal das deutsche Schulsystem seit Einführung von G8, also dem Turbo-Abitur nach der zwölften Klasse, den jungen Menschen quasi ein Jahr „schenkt“. Für diese Entwicklung spricht auch eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes, nach der zuletzt zwar 12.025 Abiturienten die Schule verlassen haben, sich aber nur 4859 nahtlos noch im selben Jahr an einer Uni einschrieben.

 Dass viele Schulabgänger Zeit für Freiwilligendienste in Uganda oder Hotelpraktika in Portugal nutzen, findet Schleswig-Holsteins Schulministerin Britta Ernst (SPD) gut. „Ein Auslandsaufenthalt erweitert den Horizont und fördert soziale Kompetenzen“, lobt sie. Zudem könnten Sprachkenntnisse vertieft werden, was in einer globalisierten und vernetzten Welt immer wichtiger sei. „Vor allem aber schaut man über den Tellerrand und kann mit etwas Abstand zur Schulzeit seinen weiteren Weg gut planen“, ist Ernst überzeugt.

 Ein Ziel, das auch Nick Jochims und Jan Reimers verfolgen. Die beiden 19-Jährigen, die diese Woche ihr Abitur-Zeugnis an der Käthe-Kollwitz-Schule in Empfang nahmen, starten Ende August gemeinsam einen „Work & Travel“-Trip nach Kanada. „Man ist noch jung, man möchte etwas von der Welt sehen, Erfahrungen sammeln und nicht gleich ins Studium starten“, sagt Jan Reimers. Ganz günstig sei der Auslandsaufenthalt nicht. Die beiden Kieler haben für ihren Traum gejobbt, Zeitungen ausgetragen und Pizza ausgefahren. „Was in Kanada auf uns zukommt, das wird man sehen“, sagt Nick Jochims. Ihrer ehemaligen Schulleiterin Susanne Schütz imponieren die Pläne, die Suche nach Abenteuer und Selbstverwirklichung, ihrer Schüler. „Im vergangenen Jahr sind zwei Abiturienten nach China und Ghana gegangen, die Blogs der beiden lese ich noch heute mit großem Interesse.“ Diese Lektüre sei spannend – auch für alle, die in der Heimat geblieben sind.

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