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Seeadler mit E 605 vergiftet

Schleswig-Holstein Seeadler mit E 605 vergiftet

Erneut ist ein Seeadler in Schleswig-Holstein vergiftet worden – mit einem Insektizid, das seit 2002 in der EU verboten ist. Es wurde Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Bereits am 13. März hatte eine Frau, die mit ihrem Hund spazieren ging, in einem Wald östlich von Heide in Dithmarschen, den völlig geschwächten Seeadler entdeckt.

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Dirk Fußbahn von der Wildtierhilfe Fiel versuchte, den Seeadler zu retten.

Quelle: Privat

Heide. Das ausgewachsene Männchen lag mit ausgebreiteten Schwingen auf dem Waldboden und litt sichtbar unter Koordinationsstörungen. Die Spaziergängerin nahm das Tier beherzt unter den Arm und brachte es in einer Decke zu Dirk Fußbahn von der Wildtierhilfe Fiel. Fußbahn versuchte, das Tier zu retten. „Doch ich konnte nichts mehr tun. Der Seeadler verendete zwanzig Minuten später“, berichtet Dirk Fußbahn. Da Fußbahn die typischen Anzeichen einer Vergiftung erkannte, informierte er sofort die Untere Naturschutzbehörde.

Der tote Greif wurde zunächst zum Wildpark Eekholt  gebracht und vor dort zum Zentrum für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Göttingen, wo der Seeadler untersucht wurde. Jetzt steht das Ergebnis fest: Todesursache war danach eindeutig das Insektizid Parathion.  Das Gift und seine Abbauprodukte  wurde im Kropf des Seeadlers nachgewiesen. Parathion, das unter dem Handelsnamen E 605 bekannt ist, führt zu Krämpfen, Atemlähmung, Erbrechen und Durchfall und in kurzer Zeit zum Tod. Es gilt auch für Menschen als hochgefährlich. „Der Verkauf und die Anwendung dieses Giftes sind seit 2002 in der EU verboten. Dennoch wird es weiter illegal zum Vergiften von Wildtieren eingesetzt“,  kritisiert Bernd Struwe-Juhl, Geschäftsführer der Projektgruppe Seeadlerschutz, „wir haben den Vergiftungsfall beim Umweltministerium angezeigt und  die strafrechtliche Verfolgung durch die Staatsanwaltschaft Kiel beantragt.

“In Dithmarschen fühlt man sich an zwei andere Vergiftungsfälle im Februar erinnert. Nur etwa 20 Kilometer von dem jetzigen Fundort entfernt hatte ein Spaziergänger im Februar an einem Feld einen Mäusebussard mit Vergiftungserscheinungen gefunden. Das Tier sei noch  handwarm gewesen , erzählt der Finder. Es habe nahe einer Futterstelle  für Fasanen gelegen – in unmittelbarer Nähe eines Hasen, der offenbar als Luder ausgelegt worden war.  Mäusebussard und Hase wurden toxikologisch untersucht. Das Ergebnis bestätigte den Verdacht: Der Mäusebussard war an E 605 verendet. Er hatte offenbar von dem Hasen gefressen, der  Opfer eines Autounfalls geworden und dann aufwändig so mit Gift präpariert worden war, dass es nur durch gezielte Suche entdeckt und analysiert werden konnte. 

Auch ein Hund starb

Nur einen Tag später verendete nah der Fundstelle ein Schäferhund, der dort mit seinen Besitzern ausgegangen war. Alles deutet daraufhin, dass er noch einen Rest des zerruften Hasen aufgenommen hatte, denn auch bei dem Hund wurde dasselbe Gift wie bei Hase und Mäusebussard nachgewiesen. Es wurde Anzeige erstattet, die Ermittlungen laufen noch.  Thomas Neumann von der Umweltstiftung WWF ist sich sicher: „Das istnur die Spitze des Eisbergs. Ich gehe davon aus, dass wir allerhöchstens von zehn Prozent aller Wildereifälle erfahren . “  

Nur einige der bekannten Fälle: 2009 wurde ein Mäusebussard nachgewiesen, der dem Gift Carbofuran zum Opfer gefallen war. 2010 waren nach Angaben des Umweltministeriums mindestens vier Seeadler an Gift gestorben. 2011 wurden allein in Ostholstein drei vergiftete Seeadler nachgewiesen. 2012 fand Thomas Neumann selbst ein totes Seeadlerpaar unweit von Lübeck – es war an dem Gift Carbufuran verendet.  Kurz zuvor waren am Schaalsee 48 tote oder sterbende  Kolkraben und ein Rotmilan gefunden worden. Sie hatten ausgelegtes geschrotetes Getreide gefressen, das mit einem Gift durchsetzt worden war. 2013 wurden in Dithmarschen vier vergiftete Mäusebussarde gefunden – alle waren an E 605 verendet. Im selben Jahr  entdeckte ein Biologe zwei tote Seeadler unter ihrem Horst in Ostholstein mit Vergiftungssymptomen – in der Nähe war eine Windkraftanlage geplant. Im Februar 2015 wurde im Kreis Schleswig-Flensburg ein 140 Jahre alte Eiche mit einem Seeadlerhorst abgesägt. Nach dem Strafgesetzbuch kann Wilderei mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe geahndet werden 

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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