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Von Angeln und Engländern

Schleswig-Holstein Von Angeln und Engländern

Die Queen kommt nach Deutschland! Ein bisschen wie Nach-Hause-Kommen ist das, schließlich gibt es nicht nur verwandtschaftliche Beziehungen. Der Name ihrer Sprache, der Name England — wer hat's erfunden? Ein Stamm aus dem Norden ist verantwortlich.

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Friedrich Dehmel, der Vorsitzende der Deutsch-Britischen Gesellschaft in Schleswig-Holstein, mit dem britischen Union-Jack.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Flensburg. Dichte Hecken, die die Landschaft teilen. Bäume und Sträucher, die fast ein Dach über den Straßen bilden. Und immer die Nähe zum Meer, ein frischer Wind, kühl oftmals, aber weniger regnerisch als das Klischee besagt. Und knorrige Bewohner. Das ist England. Das ist aber auch Angeln.

Angeln, die Landschaft im nördlichen Schleswig-Holstein, zwischen Ostsee, Schlei und Geest gelegen und einst Heimat des gleichnamigen Volksstamms, der mit den Sachsen auf den britischen Inseln zu den Angelsachsen wurde. Im Frühjahr schreckte eine Studie die Briten mit dem Ergebnis auf, dass sie einen großen Anteil ihrer DNA mit den Deutschen teilen — zurückzuführen auf die Angelsachsen. Aber so tief muss man gar nicht gehen, um das offensichtlichste Bindeglied zwischen Angeln und England zu finden. Es ist der Name: Englisch, England — das geht auf die Angeln zurück, die im 5. Jahrhundert nach Britannien einwanderten.

„Die Angeln siedeln an der Ostküste nördlich der Themse, das Kerngebiet ist East Anglia. In der Folge wird Anglii und Anglia zum Namen für Einwohner wie Land“, erläutert Prof. Olaf Jäkel, Geschäftsführender Direktor des Seminars für Anglistik und Amerikanistik der Europa-Universität Flensburg. „Um 600 nennen sich die Könige rex Anglorum. Die Einwohner werden Anglecynn genannt, ihre Sprache Englisc. Um 1000 ist von Englaland die Rede, „Land der Angeln“. Etwas später wird daraus England.“ Den Erstsemestern erzähle er manchmal, in Flensburg studierten sie „sozusagen direkt an der historischen Wurzel alles Englischen.“. Obwohl die Wortverwandtschaft ins Auge fällt, ist sie vielen unbekannt. „Selbst in gebildeten Kreisen gehört sie meiner Einschätzung nach nicht zum Standardwissen“, meint Jäkel.

Das zu ändern ist ein Ziel von Wolfgang Warwel, Vorsitzender des Museumsvereins Süderbrarup. Der kleine Ort im Kreis Schleswig-Flensburg liegt in Angeln und am Thorsberger Moor, einem Opferplatz von „Weltruf“ aus den ersten Jahrhunderten nach Christus, wie das Archäologische Landesmuseum Schloss Gottorf schreibt. Waffen und Goldschmuck wurden gefunden. Der richtige Ort, um die „Abwanderung der Angeln nach Britannien“ aufzuführen — zwei Mal hat Warwel mit 40 Vereinsmitgliedern die Angelner Thorsberg-Festspiele gezeigt, mit dem aus der TV-Serie „Großstadtrevier“ bekannten „Big Harry“ in der Rolle des legendären Angeln-Königs Offa. 2016 geht es weiter.

Warwel legt großen Wert auf historische Genauigkeit. Die Darsteller tragen Mäntel, die Nachbildungen der Moorfunde sind. „Zu 90 Prozent geschichtssicher“ nennt er die Spiele. Das hat auch das Interesse der Nachfahren westlich der Nordsee geweckt: 2014 konnten Warwel und sein Team englische Mitspieler begrüßen, die Festspiele mit 3000 Zuschauern nennen sich nun „international“. „Die Engländer waren begeistert und kommen wieder“, freut sich Warwel. Auch mit Wissenschaftlern aus Großbritannien steht der Verein in Kontakt.

„Ein Traum ist, zu zeigen, dass die Angeln hier sehr stark präsent waren und eine Rolle mit weltweiter Auswirkung erreicht haben“, sagt Warwel. Auch er findet, dass die Verbindung Angeln-England hierzulande viel zu wenig bekannt ist. Die Engländer dagegen,„die sind ganz heiß“.

Schließlich sind die Gemeinsamkeiten — vielleicht aufgrund der DNA? - zwischen den Angelitern und den Engländern immer noch groß, findet Friedrich G. Dehmel von der Deutsch-Britischen Gesellschaft Schleswig-Holstein, die, wen wundert's, in Angeln ihren Sitz hat. „Die Art von Humor, trocken und hintergründig, das nimmt man als Erbe mit rüber.“ Vielleicht seien die Angeliter etwas verschlossener als die Engländer, die — vor allem im Pub — „ein ausgesprochen ausgelassenes Volk“ seien. Kommt Besuch aus England nach Angeln, dann ist der begeistert von der vertrauten Landschaft, hat Dehmel beobachtet. „Oh, it's home away from home!“

Auch wenn die englischen Hecken gepflegter seien als schleswig-holsteinische Knicks, findet Dehmel. Das Interesse der Engländer an ihre Verbindung zu Angeln sei durchaus da. „Ich glaube schon, dass ihnen das noch bewusst ist.“ Auch die angelsächsische Architektur werde sehr gepflegt, Burgen und Kirchen etwa im Osten des Landes. Aber auch umgekehrt ist Interesse da: Dehmel, der mit seiner Frau Jahrzehnte für das britische Goethe-Institut arbeitete, wird den jetzigen Queen-Besuch vom 24. bis 26 Juni in Deutschland mit den Mitgliedern der Gesellschaft im Fernsehen verfolgen, diskutieren und Afternoon Tea reichen.

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Eine Regel lautet: „Versuchen Sie nicht, die Königin oder den Herzog von Edinburgh anzufassen.“ Dieser und weitere Hinweise sollen auf einem Leitfaden stehen, den jene Deutsche von der britischen Botschaft in Berlin erhalten haben, die diese Woche die Gartenparty zu Ehren der Queen besuchen dürfen.

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