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Wie Inseln Wohnraum schaffen

Schleswig-Holstein Wie Inseln Wohnraum schaffen

Auf den nordfriesischen Inseln wollen sie das nicht mehr: Dunkle Straßenzüge im Winter, Feuerwehren mit Nachwuchssorgen, Wegzug von Einheimischen. Die Lösungsansätze für das altbekannte Problem sind vielfältig. Quoten sollen helfen.

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Die Gemeinde Sylt will nun mit einer Quotenregelung für Bauvorhaben dagegen angehen.

Quelle: Ulrich Perrey/dpa

Sylt. Insulaner ziehen aufs Festland, ganze Straßenzüge veröden im Winter, die Immobilienpreise sind horrend - die Umwandlung von Dauerwohnraum in Ferienwohnungen kennt man vor allem auf der Insel Sylt. Seit geraumer Zeit ist sie aber auch auf den kleineren Nachbarinseln Föhr und Amrum zu beobachten.

Die Gemeinde Sylt will nun mit einer Quotenregelung für Bauvorhaben dagegen angehen. Demnach müssten laut Bebauungsplan 40 Prozent der Geschossfläche als Dauerwohnraum genutzt werden. Künftig soll es eine Sondergebietsfestsetzung geben. Diese würde etwa bei Umbaumaßnahmen greifen, die einen Bauantrag benötigen. Diese Regelung, kürzlich zunächst für den Ortsteil Morsum vorgestellt, soll letztlich für die gesamte Gemeinde gelten, zu der auch Westerland und Keitum gehören.

Auch Föhr setzt auf Quoten. Im Hauptort, der Stadt Wyk, habe man schon in den 1980er Jahren bei Bauvorhaben einen Anteil von 60 Prozent für Dauerwohnraum vorgegeben, sagt Bürgermeister Paul Raffelhüschen. Bei Bauanträgen verfahre die Stadt auch heute danach. Werde ein Altbau abgerissen, müsse ein Vertrag geschlossen werden, wonach auch im Neubau ein bestimmter Anteil dem Dauerwohnraum vorbehalten bleibt.

„Das geht nicht anders“, sagt Raffelhüschen. Es dürften nicht ausschließlich Ferienwohnungen entstehen. Auf Föhr seien die Probleme allerdings noch nicht so groß wie beim Nachbarn. „Das sind schon andere Dimensionen auf Sylt“, findet der Bürgermeister. Dennoch: „Das Rad, das auf Sylt dreht, dreht hier auch schon.“ Auch auf Föhr gebe es Bereiche, „die im Winter dunkel sind“, Straßen, in denen nur Ferienwohnungen sind, die in der kalten Jahreszeit leerstehen. Die Quotenregelung könne aber angesichts der hohen Immobilienpreise nur ein Instrument von vielen sein. So wolle die Stadt Wohnungen zu bezahlbaren Mietpreisen anbieten. Die Flächen für den Bau seien vorhanden, in der kommenden Woche wird der Bebauungsplan Raffelhüschen zufolge wohl rechtskräftig.

Auf der noch kleineren Insel Amrum sieht das Bild ähnlich aus. Auch hier gebe es viele Leerstände im Winter, beobachtet Elke Dethlefsen, stellvertretende Bürgermeisterin des größten Inselortes Nebel. „Ganz so dramatisch wie auf Sylt ist es nicht.“ Die Amrumer hätten aber auch anders als die Sylter nicht die Möglichkeit, einfach aufs Festland zu ziehen und zu pendeln — der Weg ist zu weit. Doch der Mangel an Dauerwohnraum wirkt sich bereits aus. So habe etwa die Feuerwehr Nachwuchssorgen. Spenden gebe es zwar, „aber die Manpower fehlt“.

Auch Nebel steuert gegen: Gemeinde- oder kircheneigene Grundstücke würden nur in einem Erbpachtvertrag abgegeben. Ein bestimmter Anteil bei Neubauten muss auf Dauerwohnraum entfallen — meist kämen so auf eine Dauer-Wohnung ein bis zwei Ferienwohnungen, erzählt Dethlefsen.

Für Abhilfe will auch die Wohngenossenschaft Üüs Aran (friesisch für „unser Zuhause“) sorgen. Am 1. September soll der Spatenstich für den Bau von 32 Wohnungen in Wittdün erfolgen. Sechs Millionen Euro werden investiert, berichtet Vorstandsmitglied Ulf Jürgensen. Bezahlbarer Wohnraum für etwa 75 Einheimische soll entstehen, in einer „Top-Lage“ direkt am Kurpark — denn die dörfliche Infrastruktur soll erhalten bleiben, sagt Jürgensen. Um die Jahreswende 2016/17 soll der Bau fertig sein. 80 Prozent der Einheiten sind bereits vermietet.

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