15 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Wo die Einbrecher zuschlagen

Schleswig-Holstein Wo die Einbrecher zuschlagen

Die Fallzahlen sind 2016 in Schleswig-Holstein zwar gesunken, liegen aber im Zehn-Jahres-Vergleich noch auf hohem Niveau. In ländlich geprägten Kreisen wie Plön und Rendsburg-Eckernförde gab es sogar mehr Einbrüche.

Voriger Artikel
Der Mogli unter den Hirschen
Nächster Artikel
Drei Personen im Elbtunnel eingequetscht

In ländlich geprägten Kreisen gab es mehr Einbrüche.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Erstmals seit Jahren ist die Zahl der Einbrüche in Schleswig-Holstein deutlich gesunken: 7711 Fälle registrierte die Landespolizei im vergangenen Jahr – ein Minus von 8,8 Prozent im Vergleich zu 2015. Innenminister Stefan Studt (SPD) spricht von einer „klaren Trendwende“. Das Landeskriminalamt (LKA) macht „intensive Ermittlungsarbeit, verstärkte Präsenz, umfangreiche Präventionsarbeit und eine aktive Öffentlichkeitsarbeit“ für die positive Entwicklung verantwortlich. Zugleich seien mehr Fälle aufgeklärt worden – die Quote stieg von 8,9 auf 11,2 Prozent. Regional aber entwickeln sich die Einbruchszahlen sehr unterschiedlich, wie die Analyse unserer Zeitung auf Basis von LKA-Zahlen zeigt.

Entwicklung der Einbrüche in SH seit 1987
Create your own infographics

Wohnungseinbrüche in SH im Fünfjahresvergleich
Create pie charts

Wohnungseinbrüche in Städten und Gemeinden in SH
Create bar charts

 Vor allem in den Kreisen im Süden des Landes ist die Zahl der Einbrüche 2016 gesunken. Hier war die Landespolizei mit Kontrollen und verdeckten Ermittlungen besonders aktiv. Allein im zuvor von Kriminellen besonders häufig heimgesuchten Kreis Stormarn wurden laut LKA mit 778 Wohnungseinbrüchen über 500 Taten weniger angezeigt als 2015. Gesunken sind die Zahlen auch in den Kreisen Segeberg und Pinneberg sowie im Herzogtum Lauenburg. Dennoch war unter den Kommunen mit mehr als 10 000 Einwohnern in Halstenbek, Rellingen und Ahrensburg, sämtlich in Hamburg-Nähe, die Wahrscheinlichkeit am höchsten, Einbruchsopfer zu werden.

Aus Neumünster wurde der geringste Wert seit fünf Jahren gemeldet

Auffällig ist auch Kiel: 625 Einbrüche in Häuser und Wohnungen wurden 2016 gezählt – ein Minus von 300 Fällen. Aus Neumünster (260 Taten) wurde der geringste Wert seit fünf Jahren gemeldet. Während in Kaltenkirchen und Norderstedt die Zahlen stark stiegen, sanken sie sehr deutlich in Bad Segeberg. Nach oben ging es dagegen in den Kreisen Ostholstein, Plön, Rendsburg-Eckernförde, Dithmarschen, Nordfriesland und Schleswig-Flensburg: Hier wurden 2016 zum Teil deutlich mehr Einbrüche angezeigt. Besonders sticht dabei Preetz hervor, wo mit 51 Taten mehr als doppelt so viele Einbrüche wie 2015 aktenkundig wurden. „Möglich ist, dass die Einbrecher in ländlichen Strukturen ein geringeres Entdeckungsrisiko fürchten und sozusagen dorthin verdrängt worden sind“, sagt Frank Hesse, Landes-Vize der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Das LKA will sich zu Gründen für gestiegene Zahlen in ländlichen Gegenden nicht äußern.

 Neue Konzepte der Polizei hätten Erfolge gehabt, sagt Hesse, „aber angesichts der noch immer immensen Zahlen“ sei es „verfrüht, Hurra zu schreien“. Die jüngste Entwicklung sei der engagierten Arbeit der Beamten zu verdanken, so Torsten Jäger, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, Anlass zur Entwarnung gebe es aber nicht.

 Martin Lämmerhirt, Leiter der Opferschutz-Organisation „Weißer Ring“ in Kiel, sagt: „Eine Trendwende kann ich nicht erkennen, zumal sich an der Aufklärungsquote kaum etwas verändert hat.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3