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Angst vor Afrikanischer Schweinepest

Schleswig-Holstein Angst vor Afrikanischer Schweinepest

Noch ist die Afrikanische Schweinepest nicht in Schleswig-Holstein. Doch sie kommt immer näher. Wird sie eingeschleppt, drohen Massentötungen von Schweinen, großräumige Sperrbezirke, wirtschaftliche Verluste. Die Ausbreitung stoppen, das ist dann oberstes Gebot.

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Mit einer Tierseuchenübung will sich das Land Schleswig-Holstein gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) wappnen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer (Archiv)

Wahlstedt. Damit im Ernstfall alles klappt, wird in Wahlstedt, Bad Segeberg und Eutin zwei Tage lang die Seuchenbekämpfung geübt.

Auftakt auf Gut Hülsenberg in Wahlstedt: 60 Veterinäre von Kreis und Land, Vertreter von Bauernverband, Landesjagdverband, Landwirtschaftskammer, Feuerwehr und Katastrophenschutz schauen auf eine Landkarte. In der Mitte das Gut Hülsenberg. Dort ist in dem fiktiven Szenario die Afrikanische Schweinepest ASP ausgebrochen. Ein Kreis auf der Karte markiert die Ein-Kilometer Zone um das Gut – die Tötungszone. Dort müssten alle Schweine bei einem ASP-Nachweis sofort getötet werden. Im Umkreis von drei Kilometern ist der Sperrbezirk eingezeichnet. Dort dürfen Schweine weder heraus- noch hineingebracht werden. In dem fiktiven Fall ginge für vier Betriebe mit 8600 Schweinen gar nichts mehr. Schließlich die Zehn-Kilometer-Zone: Hier stünden 35 weitere Betriebe und 19 100 Schweine unter Beobachtung. „Allein der Sperrbezirk wäre schon eine mittlere Katastrophe für die Landwirte“, sagt ein Bauernvertreter.

Was aber, wenn die Schweinepest zuerst bei einem Wildschwein gefunden wird? Auch dann seien die Bauern die Gelackmeierten. Denn es würde um die Fund- oder Abschussstelle ein gefährdeter Bezirk von zehn Kilometern oder mehr eingerichtet. In diesem Bezirk gälten mindestens 12 Monate strenge Regeln für den Transport von Schweinen. Spätestens an diesem Punkt ist jedem Teilnehmer der Übung klar: Es muss alles getan werden, damit diese Seuche nicht ins Land kommt.

Doch einfach ist das nicht, erklärt die oberste Tierseuchenbekämpferin des Landes, Dr. Gabriela Wallner vom Landwirtschaftsministerium. Denn das Virus ist extrem widerstandsfähig. Im Kot infizierter Tiere überlebt es bis zu zehn Tage, in gekühltem Fleisch bis zu 15 Wochen, noch länger in Schinken, Salami oder in blutverschmierter Erde. Und in eingefrorenem Schlachtkörpern sogar viele Jahre. „Es kann also nicht nur von Tier zu Tier eingeschleppt werden, sondern auch über Jagdtrophäen, Jagdmesser, durch Saisonarbeiter oder Touristen, die Fleisch- und Wurstwaren aus ASP-Ländern mitbringen. Es reicht ja ein einziges Wurstbrot, das ein Lkw-Fahrer unbedacht bei einer Pause wegwirft“, erklärt Wallner. Deshalb ist es streng verboten, Speisereste aus osteuropäischen Ländern in der Natur zu entsorgen. Entsprechende Warnplakate werden jetzt an den Rastplätzen der Autobahnen A7 und A20 sowie an den Tank- und Rastanlagen an Autobahnen aufgestellt.

Und wenn ein Verdacht bei einem Wildschwein auftaucht? Wenn Hausschweine hohes Fieber bekommen, apathisch sind, beim Aufstehen blau anlaufen, auf dem Rücken liegend mit den Läufen zappeln? Die Veterinäre üben auf Gut Hülsenberg, wie sie dann die Tiere untersuchen, Blutproben entnehmen und ins Landeslabor Neumünster schicken. Eine zeitaufwändige Prozedur: Im Auto muss eine reine und unreine Zone eingerichtet, alle Hilfsmittel müssen desinfiziert werden. Die Veterinäre müssen duschen und Haare waschen, dann zwei Schutzanzüge, zwei Paar Handschuhe übereinander ziehen und nach der Arbeit alles getrennt entsorgen, Probenmaterial desinfizieren. „Und dann muss man herausfinden, ob in letzter Zeit Tiere dazugekommen oder verkauft worden sind und vor allem wohin“, sagt Veterinärin Dr. Gisela Isa. Fünf Stunden könne das wohl dauern. „Bei mehreren Betrieben stößt man schnell an personelle Grenzen.“

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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