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Nach Übergriffen: Pfeffersprays sind ausverkauft

Angst im Land wächst Nach Übergriffen: Pfeffersprays sind ausverkauft

Das Sicherheitsbedürfnis der Schleswig-Holsteiner wächst. Viele Menschen haben nach den Übergriffen in Köln und wegen der zahlreichen Einbrüche Angst. In vielen Waffengeschäften ist Pfefferspray ausverkauft. Anbieter von Selbstverteidigungskursen melden einen nie gekannten Zulauf.

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Melanie Boeck und Stefan Jöhnk zeigen in der Wing-Tai-Akademie einfache, aber äußerst schmerzhafte Techniken, wie man sich gegen Angreifen wehren kann. Allein ein heftiger Schlag auf das Ohr verwirrt den Gegner, so dass eine Flucht möglich ist.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Der Verband Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler schätzt, dass sich 2015 der Umsatz mit Pfefferspray, Reizgas oder Schreckschusswaffen im Vergleich zum Vorjahr „mindestens verdoppelt“ habe. Die Großhändler hätten Lieferengpässe, weil in ganz Deutschland die Nachfrage sehr hoch sei, so ein Sprecher. „Nach den Vorkommnissen in Köln war bei uns der Teufel los. Donnerstag hatten wir einen Ansturm und sind jetzt ausverkauft“, bestätigte Diana Lukait, Geschäftsleiterin der Firma Clauberg in Kiel. „Die Leute sind einfach verunsichert.

Viele wollen sich in der dunklen Jahreszeit aber auch schützen, falls sie Einbrechern begegnen.“ Lukait betonte, dass Pfefferspray aber nicht gegen Menschen, sondern nur gegen Tiere eingesetzt werden dürfe. Allerdings könne man in Notsituationen alle Gegenstände zur Verteidigung nutzen, die einem gerade zur Verfügung stünden.  Große Sorge hat Tanja Breuer, die mit ihrem Mann das Geschäft besuchte. „In unserer Wohngegend haben wir schon öfters Menschen beobachtet, die Häuser fotografieren und auch mal klingeln, um Sachen zu verkaufen. Vielleicht sind das Einbrecher“, sagte die Kronshagenerin. Die besorgte Mutter denkt aber nicht nur an sich. „Wir haben eine 14-jährige Tochter und schauen jetzt, ob wir ihr etwas an die Hand geben können.“

 Auch in Bad Segeberg gibt es Lieferprobleme. „Der Verkauf ist schon vor Silvester stark angestiegen. Etwa mit dem Einsetzen des Flüchtlingsstroms ging es los“, sagte Händler Rolf Hamann. Bis zum April 2015 habe er zehn Sprays pro Monat verkauft: „Im Juni waren es dann 20, im Juli schon 30.“ Die Kunden seien überwiegend junge Frauen oder Väter, die das Pfefferspray für ihre Töchter besorgten. „Wir sind nicht ausverkauft“, sagte Dirk Johannsen von einem Waffengeschäft in Neumünster. Aber der Absatz sei bei ihm ebenfalls in die Höhe geschnellt: „Wir haben deshalb unsere Bestände deutlich aufgestockt.“

Nachfrage nach Selbstverteidigungskursen

 Rege Nachfrage registrieren die Anbieter von Selbstverteidigungskursen. „Im Dezember stiegen die Anmeldungen um 100 Prozent“, erklärte beispielsweise Stefan Jöhnk von der Wing-Tai-Akademie in Kiel. Viele Frauen wollten Abwehrtechniken lernen, weil sie durch die vielen Flüchtlinge und die Vorkommnisse in Köln verunsichert seien.

„Wir vermitteln, wie man mit Schlägen und Tritten auf Muskeln dem Angreifer Schmerzen bereitet, um dann schnell flüchten zu können.“ Nach etwa einem halben Jahr habe jede Frau Selbstbewusstsein, Körperhaltung, Ausstrahlung sowie Techniken gelernt und damit gute Chancen, einen Gegner abzuwehren.

Tipps der Polizei

 Die Landespolizei appelliert an die Menschen, bei Ausschreitungen nicht wegzusehen und die Beamten über den Notruf zu alarmieren. „Man sollte helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Oft reicht ein lautes Wort oder eine kleine Geste, um den Täter einzuschüchtern“, sagte Ove Fallesen, Sprecher des Landespolizeiamtes.

Wer beispielsweise Überfälle beobachtet, sollte sich später als Zeuge zur Verfügung stellen. In größeren Ansammlungen sollte man sich nicht alleine bewegen, sondern immer in der Gruppe zusammenbleiben. Selbstverständlich sei es auch wichtig, den eigenen Alkoholkonsum zu mäßigen. „Auf jeden Fall muss eine Tat angezeigt werden, damit die Polizei ermitteln kann.“

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