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Anderthalb Jahre „Haft pur“: Rumänischer Trickdieb bestahl Senioren

Schöffengericht Neumünster Anderthalb Jahre „Haft pur“: Rumänischer Trickdieb bestahl Senioren

Tatort Supermarkt-Parkplatz: Mit der scheinbar harmlosen Bitte um Wechselmünzen für den Einkaufswagen verschaffte sich ein 22-Jähriger Zugriff zu den Geldbörsen von Senioren. Der Trickdieb wurde am Dienstag in Neumünster zu einem Jahr und sechs Monaten „Haft pur“ verurteilt.

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Das Schöffengericht sprach den Angeklagten schuldig: 18 Monate "Haft pur".

Quelle: dpa

Neumünster. Das Schöffengericht erkannte auf besonders schweren Diebstahl in acht Fällen. Schon in Soltau und Hameln hatte der Rumäne mehrmonatige Haftstrafen verbüßt. Von Hannover aus operierten seine gesondert verfolgten Landsleute, schickten ihn und weitere Täter gruppenweise im Pkw bis nach Flensburg und Harrislee.

Dort hielt der Angeklagte, der in Deutschland keinen festen Wohnsitz hat, Ende September 2014 seinen teils hochbetagten Opfern eine Zwei-Euro-Münze entgegen und bat in gebrochenem Deutsch gestenreich um Kleingeld. Bisweilen hielt er zur Verschleierung ein Blatt Papier in der Hand, lenkte die Senioren ab, indem er hinter ihren Rücken zeigte oder einem Komplizen in der Nähe etwas Unverständliches zurief.

Erfolgsquote war sehr gering

Die Erfolgsquote des Trickdiebs bei den elf angeklagten Fällen: keine 40 Prozent. In den meisten Fällen bleib es beim Versuch, weil die Angesprochenen misstrauisch wurden. Zwar öffneten die meisten ihr Portemonnaie, wandten sich aber ab, als er ihnen immer dichter auf die Pelle rückte. Der wollte ihnen angeblich nur die gewünschten Wechselmünzen zeigen. Dass er in Wirklichkeit die Scheine herauszuziehen wollte, räumte der Angeklagte gestern über Dolmetscher ein.

Vor dem Verhandlungssaal warteten Geschädigte auf ihren Aufruf zur Zeugenaussage. Vornamen wie Friedrich, Joseph, Wilhelm, Reinhold und Siegfried zierten die Liste. Einen 89-Jährigen, der am 29. August 2014 in Neumünster bei einem Discounter einkaufen wollte, hatte der Täter unterschätzt: Nachdem er dem Rentner blitzschnell 115 Euro in Scheinen entwendet hatte, schnappte dieser selbst zu und entriss ihm das Papiergeld. Der Angeklagte flüchtete mit mindestens zwei Unbekannten in einem dunklen, in Hannover zugelassenen Wagen.

500 Euro Beute in Flensburg

Die höchste Beute (500 Euro) machte er am 5. September 2014 in Flensburg, wo er einen Mann beim Abheben am Geldautomaten beobachtet hatte. Er verfolgte den 84-Jährigen zum Parkplatz, wedelte wieder mit der Zwei-Euro-Münze herum. Kurz nachdem der Täter mit dem Bündel Scheine die Flucht antrat, bemerkte das Opfer den Diebstahl und rief laut hinterher. Der Angeklagte kam zurück und behauptete, der Wind habe die Scheine weggeweht. Zuvor warf er das Geld unter einen Pkw. 240 Euro bekam der Zeuge mit Hilfe von Passanten zurück. Drei Wochen später bespuckte der Trickdieb in Flensburg einen 81-Jährigen, der ihn verfolgt und zum Handy gegriffen hatte, um die Polizei zu alarmieren.

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