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Der Fall Barschel bleibt ein Rätsel

Schönberg Der Fall Barschel bleibt ein Rätsel

Der Thriller zum „Fall Barschel“ hat gerade in Schleswig-Holstein viele Menschen aufgewühlt. In Schönberg diskutierten am Sonnabend auf Einladung des CDU-Politikers Werner Kalinka mehr als 50 Zuschauer über den Krimi, den die ARD am Vorabend gezeigt hatte.

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Wegbegleiter Barschels: CDU-Politiker Werner Kalinka (li.) begrüßt den Cheffahrer des ehemaligen Ministerpräsidenten, Karl Heinz Posch. Auch andere Gäste kannten Barschel.

Quelle: Frank Peter

Schönberg. Der düstere Politfilm bekam dabei bei Weggefährten Uwe Barschels gute Noten. Ein echter Straßenfeger war das fast dreistündige Doku-Drama zumindest außerhalb Schleswig-Holsteins allerdings nicht. Im Wettlauf um die Quote (Sonnabend, 20.15 Uhr) belegte der Film mit 3,7 Millionen Zuschauern (12,3 Prozent) nur Platz zwei. Gewinner war die RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ (4,25 Millionen, 14 Prozent). Wie viele Zuschauer wann beim Barschel-Film wegzappten, ist offen.

 Klar ist, dass sich am Thriller über die Kieler Affären 1987 und 1993 sowie die mysteriösen Todesumstände Barschels die Zuschauergeister scheiden. Im Kurznachrichtendienst Twitter wurde das Politstück mal als „ganz großes Kino“ oder „saustark“ gefeiert, mal als „Verschwörungs-Schund“ oder „Billig-Porno“ zerrissen. Im Schönberger Hotel „Am Rathaus“ gibt es viel Lob von den Zuschauern, die größtenteils Insider sind. Unter den altgedienten CDU-Mitgliedern sitzen enge Weggefährten Barschels wie der frühere Leiter der Jugendstiftung, Volker Pollehn, oder der Ex-MP-Cheffahrer Karl Heinz Posch. Der Gastgeber, der Plöner CDU-Kreisvorsitzende Werner Kalinka, gehört mit zum Club, war Landtagsabgeordneter unter Fraktionschef Barschel, und legte sich schon 1992 in einem Buch fest. Titel: „Der Fall B. – Der Tod, der kein Mord sein darf“.

"Von Lobbyisten umgebracht"

 Kalinka referiert einige Aspekte der Kieler Affären, versichert, dass „es bis heute keinen Beweis dafür gibt, dass Barschel Auftraggeber“ für die Schmuddelkampagne gegen den damaligen Oppositionsführer Björn Engholm (SPD) war. Fast alle nicken, lassen später in der Diskussion keinen Zweifel daran, dass sie Ex-Medienreferent Reiner Pfeiffer für den alleinigen Schurken halten. „Pfeiffer hat nie bei mir im Auto gesessen“, erzählt Posch. Eine Dame vermutet, dass Barschel „in den schmutzigen Wahlkampf gegen Engholm gezwungen“ und später „von Lobbyisten“ umgebracht wurde. Als eine andere Frau eine schräge Räuberpistole („Die Amerikaner haben keine NSA-Staubsauger“) serviert, bittet Kalinka etwas genervt, „nicht alle möglichen Verschwörungstheorien“ aufzutischen.

 Kalinka hat auf jede Frage eine Antwort. Die Weinflasche? „Beaujolais, 0,7 Liter, 32 Franken“. Der CDU-Politiker deutet zugleich an, dass er längst nicht jede Einschätzung des Lübecker Chefermittlers Heiner Wille teilt. Dessen These, ein Killerteam hätte Barschel zunächst über dessen Füße vergiften wollen, habe „keine zentrale Bedeutung“. Eine Verwicklung Barschels in Waffengeschäfte schließt er aus. Nach zwei Stunden endet die Debatte offen wie der Film: „Wir sind noch nicht am Ende der Aufklärung angekommen.“

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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Foto: Das Team des Films "Der Fall Barschel".

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