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Das fast perfekte Abi

Schüler in SH Das fast perfekte Abi

0,7 – besser als alle anderen. Bendix Sibbel (19) aus Eckernförde hat die sensationelle Abiturnote 0,7 bekommen. Im Zeugnis steht trotzdem 1,0. Mehr als „sehr gut“ geht offiziell nicht. Mit 899 von 900 Punkten ist der Jungmannschüler einer der besten Abiturienten Deutschlands und Spitze in Schleswig-Holstein.

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Bendix Sibbel hat Notendurchschnitt 0,7. „Ich freue mich total“, sagt er. „Ich wollte überall in der Prüfung 15 Punkte schaffen.“ Gelernt hat er oft auf seiner Couch.

Quelle: Cornelia Müller

Eckernförde. Bendix Sibbel wirkt besonnen, lächelt freundlich, als er die Tür öffnet. Wie hat er bloß so ein Ergebnis geschafft? „Man muss schon was dafür tun. Ich hatte mir das als Ziel gesetzt“, gibt er unumwunden zu, und dann leuchten seine Augen. „Trotzdem habe ich mich nicht verrückt gemacht.“ Er bittet in sein Zimmer im gepflegten Einfamilienhaus der Eltern. Auf dem Schreibtisch, an dem früher sein älterer Bruder Hausaufgaben gemacht hat, steht eine gerahmte Autogrammkarte von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Gegenüber im Regal hat er eine Bar aufgebaut. Bendix grinst verschmitzt. „Ich feiere gern mit Freunden. Dann mixen wir allerlei Buntes.“ Party machen war also auch vor dem Abi immer drin.

Und was hat es mit dem Minister im Bilderrahmen auf sich? „Ein cooler Typ, der was auf dem Kasten hat“, erklärt er. „Ich würde ihn nicht als Vorbild bezeichnen. Aber er hat mich beeindruckt, auch als Generalsekretär seiner Partei. Für diese Autogrammkarte, die ich nicht persönlich von ihm bekommen habe, musste ich mich ins Zeug legen.“ In die Politik will er später aber nicht, obwohl das in der Familie liegt. Sein Vater Jörg Sibbel ist hauptamtlicher parteiloser Bürgermeister von Eckernförde.

Überall die Bestnote erreichen zu wollen, ist mehr als ambitioniert. Tatsächlich holte Bendix in seinem Profilfach Wirtschaft/Politik sowie in den weiteren zwei schriftlichen Prüfungsfächern Englisch und Mathe sowie in der mündlichen Geografieprüfung 15 Punkte. Mehr geht nicht. Auch im 12. und 13. Schuljahr, die ins Ergebnis eingehen, sahnte er bis auf einen einzigen Kurs mit 14 Punkten Spitzenwerte ab. 15 Punkte sind eine Eins plus, 14 sind die glatte Eins, 13 Eins minus. Nach dem komplizierten Rechenschlüssel kamen für Bendix 899 Punkte heraus. „Dass mir ein Punkt zur Spitze fehlt, ärgert mich nicht“, betont er. Und die Freunde hätten ihn nie als Streber erlebt.

Draußen im Garten kommt er ins Plaudern. „Klare Ziele zu setzen, ist meine Stärke“, analysiert er. „Dann habe ich Ansporn. Ich habe Schule als Job betrachtet.“ Ökonomisches Denken und ergebnisorientiertes Arbeiten haben sich für ihn und seine Mitschüler, die die Schülerfirma Rauteck gegründet haben, auch vor dem Abi ausgezahlt. Mit Flaschenöffnern aus ausgedienten Autogurt-Schließen schreiben sie Erfolgsgeschichte, sogar europaweit in ihrer Liga. Noten-Überflieger Bendix gehörte gleich zum Vorstand. Unternehmenschef ist auch das Zukunftsziel, „möglichst in einer großen Firma“. Mit seinem Abi kann er sich den Platz fürs Studium im Prinzip aussuchen. An der privaten Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung bei Koblenz, die ihn angenommen hat, musste er dennoch eine umfassende Prüfung absolvieren. Die 400 eingeladenen Bewerber dürften alle ein Super-Abi haben.

Bis zum Beginn des zweisprachigen Studiums will er noch viel Zeit mit den Freunden verbringen, Tennis und vielleicht auch Fußball spielen. Auch eine Spontanreise mit Freundin Conni ist drin. „Ins Ausland gehe ich während des Studiums ja sowieso. Also kann ich Ende August gleich voll einsteigen. Ich freue mich drauf“, sagt er strahlend. Dass er stolz auf sich sein kann, weiß er.

So werden die Noten berechnet

In die Abiturnote gehen zu zwei Dritteln Vornoten der letzten beiden Jahre ein. Diese 36 Ergebnisse enthalten alle Punkte in den späteren Abiturfächern sowie alle Ergebnisse im Kernfach, das nicht im Abitur geprüft wird. Maximal sieben Ergebnisse dürfen weniger als fünf Punkte zählen. Erreichbar sind im ersten Block höchstens 600 Punkte. 200 müssen es mindestens sein. Die vier Abiturprüfungsfächer zählen fünffach. 100 Punkte sind das Mindestergebnis im zweiten Block, 300 der Spitzenwert. Alles in allem sind 900 Punkte möglich. Mit 300 Punkten kann man gerade noch bestehen. Für die höchste offizielle Gesamtnote 1,0 müssen Prüflinge mindestens 823 Punkte erzielen. 2015 erreichten in Schleswig-Holstein 111 von 9440 Abiturienten diese Bestnote. Die Daten für 2016 liegen noch nicht vor.

Tolles Abitur statt Hauptschule

Dass das Leistungspotenzial von Schülern manchmal verkannt wird, beweist Kai Jamal Mönnig (19). Trotz Hauptschulempfehlung und Fünfen im Zeugnis ist er heute einer der besten Abiturienten der Peter-Ustinov-Schule Eckernförde. Auf die Note 1,8 ist er stolz.

Kai Jamal sprüht vor Energie. Das war ganz anders, als er in der vierten Klasse die schlechte Nachricht bekam: empfohlen für die Hauptschule. „Ich war todtraurig“, erinnerte er sich an die frustrierenden Stunden. „Meine Freunde durften mindestens zur Realschule. Nur ich sollte nicht.“ „Warum nicht?“, hatte der Zehnjährige die Lehrerin gefragt. Sie antwortete, es sei besser für ihn. Er könne vielleicht später den Realschulabschluss nachholen. Seine Mutter Fatima Mönnig, die aus Marokko stammt, meldete Kai Jamal auf der Peter-UstinovSchule an. Sie war damals Gesamtschule, heute ist sie Gemeinschaftsschule mit Oberstufe.

„Ich kam hier gut mit, aber ich war Durchschnitt“, gibt er lächelnd zu. „Und in der Mittelstufe hatte ich alles mögliche im Kopf, nur keine Schule. Also gab’s schlechte Noten. Das hat mich geärgert.“ Er setzte sich klare Etappenziele: Zuerst keine Fünf mehr, dann keine Vier, keine Drei... „Es klappte und ich wurde selbstbewusster, hatte Spaß am Lernen, war aufmerksam im Unterricht. Da habe ich begriffen, wie man Motivation erzeugt.“ Dem wollte er in der Oberstufe genauer auf den Grund gehen, als er das gesellschaftswissenschaftliche Profil wählte. Heute liegt in seinem Zimmer der Bestseller „Sieben Wege zur Effektivität“ von Stephen R. Covey auf dem Tisch. Er liest ihn schon zum zweiten Mal. „Entspannt sein und ökonomisch arbeiten gehören zusammen“, sagt er mit fester Stimme. „Ich möchte später mal ein Unternehmen leiten und eine teambildende Mitarbeiterkultur pflegen.“ Ab Oktober will Kai Jamal Wirtschaftspsychologie studieren. Seine sehr gute Abinote dürfte ihm die Tür zu einem der wenigen Studienplätze öffnen.

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Ein Artikel von
Cornelia Müller
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