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Das kurze Leben des kleinen Tayler

Misshandeltes Baby Das kurze Leben des kleinen Tayler

Der Fall hat Entsetzen in Hamburg ausgelöst: Ein Baby soll so schwer geschüttelt worden sein, dass es an den Folgen starb. Im Verdacht stehen seine Mutter und ihr Lebensgefährte. Das Jugendamt hatte die Familie betreut.

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Vor dem Wohnhaus des verstorbenen Tayler liegen Beileidsbekundigungen.

Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa

Hamburg. Diese Gewalt war zu viel für seinen kleinen Körper. Am Sonnabend um 19.43 Uhr starb der zwölf Monate alte Tayler in der Uniklinik Hamburg-Eppendorf (UKE) an den Folgen eines schweren Schütteltraumas. Der Verdacht: Mutter Jaqueline B. (22) und ihr Lebensgefährte Michael Q. (26) sollen den Jungen totgeprügelt haben.

Wieder einmal starb ein Kind gewaltsam, wieder einmal stehen die Behörden unter Verdacht, nicht richtig hingeschaut zu haben. Oberstaatsanwalt Carsten Rinio bestätigt die Ermittlungen wegen Kindeswohlgefährdung. Jaqueline B. und Michael Q. wurden in der Wohnung festgenommen und vernommen, dann aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Zur Begründung heißt es: Es gebe keine Voraussetzung für einen Haftbefehl. Dafür sei ein dringender Tatverdacht erforderlich, erklärt Rinio. Auch Flucht- oder Verdunkelungsgefahr bestehe nicht. Eine Obduktion soll nun Klarheit bringen.

Die Mutter rief den Rettungswagen

Mit Krampfanfällen und schweren Hämatomen an Gesicht und Bauch wurde der kleine Tayler am 12. Dezember in das UKE eingeliefert. Jaqueline B., eine 26-Jährige aus Altona-Nord, hatte die Rettungskräfte alarmiert. Zum Tatzeitpunkt soll sie, so berichten es Nachbarn, beim Einkaufen gewesen sein. Michael Q., seit vier Monaten Partner der 26-Jährigen und nicht der leibliche Vater, sei in der Wohnung des Mehrfamilienhauses alleine mit Tayler gewesen. Mit dem Verdacht auf ein Schütteltrauma kam der Junge auf die Intensivstation. Untersuchungen zeigten schwere Hirnblutungen. Eine Woche lang kämpften die Ärzte um das Leben des Einjährigen. Vergebens.

Dabei hätte sein Tod wohl verhindert werden können: Vor drei Monaten wurde Tayler schon einmal ins UKE eingeliefert – mit Prellungen, Quetschungen und einem Schlüsselbeinbruch. Die Mutter sprach von einem Unfall auf dem Trampolin. Das Jugendamt schritt ein, Tayler wurde in den folgenden Wochen bei einer Pflegefamilie versorgt. Der zweite Sohn von Jaqueline B., der sechsjährige Leandro-Leon, lebt schon länger in einem Kinderschutzhaus. Trotz dieser Umstände entschieden Sozialarbeiter im Oktober, dass der kleine Tayler wieder zurück zur Mutter und deren Freund dürfe. Dreimal in der Woche besucht eine Fachkraft des „Rauhen Hauses“, einem Träger der Jugendhilfe, die Familie in Altona.

Sozialsenatorin Leonhard will persönlich prüfen

Auch am 11. Dezember, dem Tag, bevor Tayler in die Klinik eingeliefert wurde, war eine Familienhelferin vor Ort – und entdeckte blaue Flecken im Gesicht von Tayler. Die Betreuerin dokumentierte die Verletzungen, meldete sie aber nicht wie vorgeschrieben dem Allgemeinen Sozialen Dienst oder dem Kinder- und Jugendnotdienst. Warum? Fakt ist: Hätte sich die Mitarbeiterin an die Vorschriften gehalten, hätte der ASD eingreifen und womöglich Taylers Leben retten können. Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) erklärte, der Tod des kleinen Tayler erschüttere auch sie persönlich. Sie will den Fall akribisch prüfen.

Von Carsten Bergmann

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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Hamburg
Foto: Ein einjähriger Junge ist in Hamburg so heftig geschüttelt worden, dass die Ärzte keine Hoffnung mehr haben.

Ein einjähriger Junge ist in Hamburg so heftig geschüttelt worden, dass die Ärzte keine Hoffnung mehr haben. Im Verdacht stehen die Mutter und ihr Lebensgefährte.

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