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Schutten sorgen für Aufklärung

Nationalpark Wattenmeer Schutten sorgen für Aufklärung

Eng ist es in dem weißen Häuschen, das sich neben dem Leuchtturm von Westerhever duckt. Es beherbergt die kleinste von 30 Info-Einrichtungen im Nationalpark, und nirgendwo ist die Besucherdichte so hoch wie hier.

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Leiter Rainer Schulz (2.v.l.) betreut mit den Freiwilligen Lena Grabherr (li), Elias Aksamski und Linh Che Nguyen die Schutzstation Wattenmeer in Westerhever.

Quelle: Frank Peter

Westerherver. An diesem Nachmittag drücken sich gerade Schulkinder aus Frankreich die Nasen an einem Aquarium platt. „Das da ist der Eisstern, ein stiller Killer“, erklärt Lena Grabherr, „denn er umfasst sein Beute einfach und verdaut sie.“

 Lena Grabherr kommt aus dem Allgäu. Als sie sich für ein freiwilliges Jahr in der Schutzstation Wattenmeer von Westerhever entschied, wusste sie wenig über die Natur hier. „Ich ahnte nicht, dass ich in eines der belebtesten Gebiete der Welt komme. Inzwischen bin ich ein echter Wattenmeer-Fan“, sagt die 19-Jährige. Mit ihren drei Kollegen, die hier ebenfalls ihren Freiwilligendienst absolvieren, will sie diese Faszination an die vielen Besucher der Station weitergeben. Und sie will aufrütteln. Die Schutten, wie die Freiwilligen in den Schutzstationen genannt werden, haben in einer Ecke aufgebaut, welcher Müll das Meer und seine Bewohner vergiftet und erstickt, aber auch als Mikroplastik in Fischen wieder auf unserem Teller landet. Die Reaktion der Besucher? „Die Hälfte findet das erschreckend und will wissen, was man dagegen tun kann. Der anderen Hälfte ist es leider egal“, sagt Schuttin Katharina Winkler aus München.

 Die vier Schutten leben ein Jahr lang unter demselben Dach wie die Schutzstation, sie bieten Wattführungen und Vorträge an, klären aber auch Besucher auf, wenn sie die Wege verlassen, Drachen steigen oder Hunde frei laufen lassen. Damit ergänzen die Freiwilligen perfekt die 15 hauptamtlichen Ranger. Bisher haben 5000 Freiwillige ihren Zivil- oder Bundesfreiwilligendienst, ihr Ökologisches Jahr oder ein Praktikum bei einem der sieben Naturschutzvereine oder beim zentralen Infozentrum Multimar Wattforum geleistet. „Dieses starke Engagement der Naturschutzvereine ist ungewöhnlich und sicher ein Erfolgsfaktor des Nationalparks“, sagt Rainer Schulz, Biologe und Leiter der Schutzstation Wattenmeer in Westerhever.stü

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Foto: Der Leuchtturm Westerhever aus dem Jahr 1906 gehört wie Seehunde und Austernfischer zu den beliebtesten Fotomotiven im Nationalpark. Das Wattenmeer ist ein Touristenmagnet. 17 Millionen Tagesgäste besuchen pro Jahr die Region. Jeder sechste Gast kommt heute vor allem wegen des Nationalparks.

Vor 30 Jahren an der Nordsee: dicker weiße Schaum am Strand, Teer unter den Füßen und in der Luft immer mal wieder Jagdbomber. Dann wurde das Wattenmeer zum Nationalpark – dem größten zwischen dem Nordkap und Sizilien.

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