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Schwere Tage auf dem Reiterhof

Nach Missbrauchsvorwürfen Schwere Tage auf dem Reiterhof

Die schweren Missbrauchsvorwürfe gegen einen Reitlehrer aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde haben weitreichende Konsequenzen – nicht nur für Tatverdächtigen und Opfer: Auf dem Reiterhof, den der 45-Jährige bis zum Bekanntwerden der Anschuldigungen betrieb, bangen die Mitarbeiter um ihre berufliche Existenz.

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Kämpfen nach den Missbrauchsvorwürfen gegen den ehemaligen Pächter um das Image des Pferdehofes: Claudia Roemer (von links), Jasmin Karsubbe und Ilka Kreis wollen den Betrieb in Lindau erhalten.

Quelle: Ulf Dahl

Gettorf/Kiel. Die vergangenen Monate, vor allem aber die jüngsten zehn Tage haben Spuren bei Ilka Kreis hinterlassen. Sie wirkt müde, hat tiefe Ringe unter den Augen. Der Reitlehrer habe ihr selbst von den Vorwürfen der Polizei gegen ihn berichtet, sagt die 31-Jährige. Das war Anfang des Jahres. Ein 13 Jahre altes Mädchen, eine Reitschülerin, soll sexuell missbraucht worden sein. Nicht ein Mal – die Staatsanwaltschaft spricht von knapp 20 Vorfällen binnen eines Jahres. Dabei soll es auch zum Geschlechtsverkehr zwischen dem erwachsenen Mann und dem Kind gekommen sein.

 Vorwürfe, die der jungen Frau und Mutter von zwei kleinen Kindern förmlich den Boden unter den Beinen weggerissen haben. Eine Vorahnung oder gar einen Verdacht hatte sie nicht. „Als die Richter den Haftbefehl außer Vollzug setzten unter der Voraussetzung, dass er den Hof nicht mehr betreten darf, habe ich die Geschäfte übernommen“, sagt Ilka Kreis. Ein Gefallen für ihren ehemaligen Partner war dies nicht: Der 31-Jährigen ging es um den Erhalt des Hofes, die Tiere, die Reit- und Pferdefreunde. „Hier ist in den vergangenen vier Jahren etwas aufgebaut worden, das es zu erhalten gilt“, sagt sie, lächelt tapfer. Und letztlich gehe es auch um die Arbeitsplätze der drei Mitarbeiter auf dem Reiterhof. „Um es ganz klar und deutlich zu sagen: Wir stehen hinter dem Betrieb – aber nicht hinter dem ehemaligen Betreiber“, betont Claudia Roemer, eine der betroffenen Helferinnen.

 Als die Anschuldigungen gegen den 45-Jährigen Anfang der vergangenen Woche publik wurden, sei dies ein „Schlag ins Kontor“ gewesen. Nicht nur, dass sich in kürzester Zeit in der Reiterszene und in der Region herumgesprochen hatte, gegen wen sich die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft richten würden. Der Schlag traf die Pächterin des Reiterhofes doppelt hart, nachdem sich einige Mütter und Reitschüler zunächst hinter den Beschuldigten stellten und die Vorwürfe öffentlich zurückwiesen. Diese Äußerungen wollten andere Mitglieder des Reiterhofes nicht akzeptieren. Sie kündigten und wollten ihre Kinder nicht mehr zum Reitunterricht lassen. Und zwar ungeachtet dessen, wie ein mögliches Strafverfahren gegen den ehemaligen Pächter ausgehen wird. „Er hat mit dem Hof nichts mehr zu tun, hat das Grundstück seit Bekanntwerden der Anschuldigungen nicht mehr betreten“, beteuert Ilka Kreis. Ihr größter Wunsch ist es, dass der Betrieb erhalten werden kann. „Natürlich hätten wir alles stehen und liegen lassen können, als die Vorwürfe bekannt wurden, doch das wollten wir nicht“, sagt auch Claudia Roemer. 70 Tiere leben in den Stallungen, weit über 100 Kinder, Jugendliche und Erwachsene kommen auf dem Hof, um Unterricht zu nehmen oder ihre Pferde und Ponys zu bewegen. Ziel sei es, den Hof zu bewahren – „und dann werden wir einen neuen Pächter suchen“, sagt Ilka Kreis. Sie selbst wolle und könne es auf Dauer aber nicht: „Ich habe zwei kleine Kinder und auch noch einen anderen Beruf.“

 Der Reitlehrer befindet sich indes weiter in der JVA Neumünster in Untersuchungshaft. Laut Staatsanwaltschaft sei aber eine Haftprüfung beantragt worden, da ein zweites Mädchen von den Ermittlern nicht mehr als Opfer, sondern nur noch als Zeugin geführt wird. Mit einer Anklageerhebung wegen schweren sexuellen Missbrauchs rechnet Oberstaatsanwalt Axel Bieler Ende November.

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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