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Wenn es die Ohren sind

Welttag des Hörens Wenn es die Ohren sind

Mindestens 1000 Kinder sind in Schleswig-Holstein schwerhörig oder gehörlos. Die Diagnose „Es sind die Ohren“ löst bei den Eltern oft Hilflosigkeit und viele Fragen aus. Dass sie damit nicht allein sind, das wollten die betroffenen Mütter Cindy Skibbe und Christina Jannsen vermitteln.

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Am Donnerstag ist der Welttag des Hörens.

Quelle: hfr

Kiel. Eineinhalb Jahre arbeiteten sie neben Beruf und Familie an einem Leitfaden für Kiel und den Kreis Plön. Pünktlich zum Welttag des Hörens am Donnerstag ist er jetzt fertig geworden. Auch Christina Jannsen konnte es zunächst nicht fassen, als ihr ein Hals-Nasen-Ohrenarzt eröffnete, ihr zweiter Sohn sei auf einem Ohr mittel- bis hochgradig schwerhörig. „Schwerhörigkeit kannte ich nur von meinem Opa. Ich konnte mir das nicht erklären.“ Die Kielerin erinnert sich an Selbstzweifel und die Frage: Habe ich etwas falsch gemacht in der Schwangerschaft? Sie fühlte sich alleingelassen mit all ihren Fragen, denn einen Ratgeber oder hilfreiche Adressen bekam sie damals nach der Diagnose nicht. „Das waren keine schöne Erfahrungen und änderte sich erst, als ich die Adresse vom Landesförderzentrum Hören in Schleswig herausfand.“

In diesem Punkt war Cindy Skibbe vorbereitet. Die Mutter aus Schwentinental ist selbst schwerhörig, wurde als Kind schon früh im Landesförderzentrum gefördert. Als bei zwei ihrer drei Kinder eine Hörschädigung festgestellt wurde, war für Cindy Skibbe sofort klar, dass die Kinder auch diese Angebote in Schleswig nutzen sollten. Dort besuchen 270 Kinder die Frühförderung und 156 Kinder die Schule. Das Team des Förderzentrums betreut aber 600 weitere hörgeschädigte Kinder in Regelschulen im Land.

"Man ist schnell verzweifelt"

Dabei erklären sie auch Lehrkräften und Mitschülern, dass man meist erst einmal die Aufmerksamkeit eines hörgeschädigten Menschen wecken muss – indem man ihn antippt oder mit dem Fuß aufstampft. Und dass man dann immer das Gesicht zeigen muss, damit er von den Lippen ablesen kann. „Man muss immer auf Visualisierung achten, Gebärdensprache ist da sehr hilfreich. Denn sobald Störgeräusche da sind – also Musik, Verkehrslärm oder mehrere Menschen gleichzeitig sprechen – wird es für schwerhörige Menschen schwierig“, erklärt Lisa Karner, Sonderschullehrerin vom Landesförderzentrum Hören und Kommunikation. In solchen Situationen würden sich Kinder oft zurückziehen. Ihre Kollegin Dorothea Sobottka, die wie Karner die Mütter beim Leitfaden unterstützt hat, rät deshalb zu bunten Hörgeräten: „Die sieht man eher und kann sich besser auf das Kind einstellen.“

Wie schwierig es dennoch für die Kinder ist, weiß Cindy Skibbe aus eigener Erfahrung. „Man ist schnell verzweifelt, weil es so schnell zu Missverständnissen kommt. Und es ist einfach anstrengend, immer alles interpretieren zu müssen.“ Die dreifache Mutter findet es daher wichtig, dass Kinder auch andere Betroffenen kennenlernen und sich nicht alleine fühlen. Neben vielen Informationen und Adressen enthält der Leitfaden deshalb auch Angebote für Kontakte und Austausch.

Wichtig ist den Autorinnen, dass es nicht der erste Leitfaden im Land ist: Der wurde für den Kreis Rendsburg-Eckernförde und Neumünster erstellt und erwies sich als gute Vorlage. Beide Leitfäden sollen den Eltern mitgegeben werden, wenn beim Neugeborenen-Hörscreening eine Auffälligkeit entdeckt und vom Hals-Nasen-Ohrenarzt die Hörschädigung festgestellt wird. Aber auch Pädakustiker, die Kinder mit Hörgeräten versorgen, und Logopäden können die Hefte auslegen. Dank viele Sponsoren kosten sie kostenlos unter www.essinddieohren.de angefordert werden.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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