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Das Rätsel um die rote Erde

Sediment in der Probstei Das Rätsel um die rote Erde

Als junger Mann entdeckt Eggert Göttsch zufällig in der Probstei eine auffällige rote Schicht in der Erde. Jetzt, im Ruhestand regt der Bio- und Chemielehrer beim Land eine Untersuchung an. Doch das Ergebnis klärt das rote Rätsel nicht, sondern wirft neue Fragen auf.

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Der pensionierte Lehrer ist hartnäckig: Die Ursache der auffällige Messwerte sollte geklärt werden, findet Eggert Göttsch.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Fahren. Vor 46 Jahren hatte sich Eggert Göttsch im Studium unter anderem mit Bodenkunde beschäftigt. Deshalb griff er sofort zu, als er sich bei einem Tiefbauunternehmen als Schaufelmann Geld verdienen konnte. „Bei der Flurbereinigung standen damals damals auch in meiner Heimatgemeinde Fahren die Erdarbeiten für Vorfluter und Vorschächte an. Da habe ich viele interessante Bodenprofile zu sehen bekommen, die ich in den Pausen gezeichnet habe“, erinnert sich der heute 68-Jährige und zeigt die akribischen Zeichnungen in einem alten Notizheft, „aber kein Profil war so auffällig wie dieses hier: In 1,4 Metern Tiefe verlief ein rotes Band, darüber und darunter jeweils ein schmaleres schwarzes.“ Eggert Göttsch merkt sich die Stelle und nimmt sich vor, irgendwann einmal dieser rätselhaften Entdeckung auf den Grund zu gehen.

 Nach seiner Pensionierung kehrt er auf das Feld zurück und sucht erneut nach der Stelle. Zu seinem eigenen Erstaunen findet er das auffällige Bodenprofil wieder, informiert das Landesamt für Landwirtschaft Umwelt und Ländliche Räume (LLUR) und bittet um eine Untersuchung. Daraufhin graben Bodenkundler das Erdreich auf, stoßen wie angekündigt auf den roten Horizont, flankiert von den schwarzen Bändern, nehmen Proben und lassen diese untersuchen. Das Ergebnis zeigt nicht nur wie erwartet im roten Band einen hohen Eisengehalt, sondern auch massiv erhöhte Werte unter anderem von Schwermetallen. „Das hat mich vollkommen überrascht, denn solche Cadmiumwerte kennen wir nur aus dem Elbschlamm und Elbvorland. Normal sind im Boden bis 0,65 Milligramm pro Kilogramm – in Fahren aber wurden 3,03 Milligramm gemessen“, sagt der Pädagoge. Auffällig hoch seien auch andere Werte: „Der Wert von Quecksilber und Zink ist zehnmal so hoch wie normal, Arsen mehr als viermal so hoch, Chrom doppelt so hoch, Kupfer um ein Vielfaches erhöht.“ Außerdem wurden Cobalt, Uran, Nickel und vor allem Molybdän und Vanadium gefunden. Letzteres sind Elemente, die in der Natur nur in gebundener Form vorkommen. „Insgesamt kann ich mir nicht erklären, wie die hohen Werte in dieser Zusammensetzung ohne menschliches Zutun zustande gekommen sein sollen“, sagt Göttsch.

 Auf der anderen Seite hat er aber auch festgestellt, dass der Boden über dem schwarz-roten Band unversehrt ist. „Es kann also dort niemand eingegriffen und etwa belastete Abfälle vergraben haben.“ Im LLUR geht man aufgrund der Abfolge der Bodenschichten deshalb davon aus, dass die gemessenen Belastungen natürlich bedingt sind – und dass sie kein Risiko für die Umwelt und vor allem nicht für das Grundwasser darstellen.

 Doch Eggert Göttsch überzeugt das noch nicht. „Was ist“, so fragt er, „wenn die Quelle der Belastung woanders liegt, wenn nicht doch an anderer Stelle Abfälle entsorgt wurden und die Schwermetalle dann über wasserführende Schichten dorthin gelangt sind, wo sie jetzt gemessen wurden?“ Das könnte zwar auch eine Radiocarbondatierung nicht beantworten. Sie würde aber zumindest klären, wie alt die kohlenstoffhaltigen Schichten tatsächlich sind. „Eine solche Radiocarbondatierung“, sagt dazu der LLUR-Sprecher Martin Schmidt, „wäre zur erdgeschichtlichen Einordnung der Ablagerung aus wissenschaftlicher Sicht interessant, ist aber von Seiten des LLUR nicht vorgesehen.“ Die Ursache der Bodenbelastung bleibt damit weiter ungeklärt.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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