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Seeadler-Horst sorgt für massiven Zeitverzug

Bau der A 20 Seeadler-Horst sorgt für massiven Zeitverzug

Erst der Wachtelkönig, dann die Fledermäuse und nun der Seeadler - Immer wieder werfen seltene Tierarten die Planungen für die Ostseeautobahn A 20 zurück. Dieses Mal um zwei Jahre. Grund ist der Fund eines Horstes — der ist allerdings nicht mehr besetzt.

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Ein Seeadler-Horst im Kreis Steinburg verursacht deutliche Verzögerungen beim Weiterbau der geplanten Ostseeautobahn A 20 in Schleswig-Holstein.

Quelle: Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie

Kiel. Kaum zu glauben, aber wahr: Die Planfeststellung des A20-Abschnitts bis zur Elbe verzögert sich um zwei Jahre, weil nahe der vorgesehenen Trasse ein Adlerhorst entdeckt worden ist. Der Horst am „Baggersee Hohenfelde“ (bei Elmshorn) ist zwar verlassen, nach Öko-Recht aber ein „potenzieller Brutplatz“, für den das Land Schutzmaßnahmen prüfen muss.

„Wir haben nicht den 1. April“, sagte Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) mit einem bitteren Lächeln. Naturschützer hätten den Adlerhorst im September den Behörden gemeldet. Nach der EU-Vogelschutzrichtlinie muss das Land jetzt gutachterlich klären lassen, ob Bau und Nutzung der A20 mögliche künftige Brutpaare stören könnten. Diese Untersuchungen dürften Monate dauern und damit solange, dass einige andere Gutachten etwa zu Brutvögeln aktualisiert werden müssen.

Mit Blick auf den Domino-Effekt kassierte Meyer sein Versprechen ein, für den letzten A20-Abschnitt vor der Elbquerung bis Ende 2015 Baureife herzustellen. Der Planfeststellungsbeschluss soll jetzt „frühestens Ende 2017“ vorliegen und eine Besiedlung des Horstes berücksichtigen. Die Mehrkosten für Gutachten und etwa Lärmschutzwände mochte Meyer nicht beziffern. Er stellte zugleich klar, dass es rechtlich keine Rolle spielt, dass der Horst nach einem offenbar gescheiterten Brutversuch verlassen wurde. Nach Öko-Recht ist der Horst erst verwaist, wenn die Adler in den nächsten drei Frühjahren nicht zurückkehren.

„Wir können uns keine Fehler erlauben“, bilanzierte Meyer mit Blick auf die drohenden Klagen auch gegen diesen A20-Abschnitt. Er ließ zugleich keinen Zweifel daran, dass sich Deutschland bei Großprojekten immer stärker selbst blockiert. Besonders kurios: Der Baggersee, an dem der Horst entdeckt wurde, war erst im Zuge des Baus der A23 entstanden und ist mittlerweile ein Naturschutzgebiet. Probleme bereitete die Tierwelt auch bei anderen A20-Abschnitten: Bei Bad Segeberg stoppt der Bau wegen Fleder- und Haselmaus, im Südosten Lübecks war die Trasse lange wegen Wachtelkönig und Eisvogel nicht vorangekommen.

Im Landeshaus sorgte der Phantom-Adler für heftige Debatten. Hans-Jörn Arp (CDU) forderte Meyer auf, personelle Konsequenzen aus der „unverzeihlichen Schlamperei“ der Planungsbehörde zu ziehen. Sie sei seit Jahren über Seeadler in dem Gebiet informiert gewesen. „Für die grünen Blockierer kommt der Adlerhorst wie gerufen“, lästerte Christopher Vogt (FDP). Andreas Tietze (Grüne) mahnte mit Blick auf die „natursensiblen Gebiete“ nördlich der Elbe, „sich um eine grundsätzlich andere Streckenführung Gedanken zu machen“. Andere Abgeordnete schüttelten über die große Macht des Phantom-Vogels nur den Kopf, zumal in den vergangenen Jahren mehr als 40 reale Seeadler in Schleswig-Holstein von Windrädern oder Zügen getötet wurden.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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