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Auch nach 150 Jahren sehr gefragt

Seenotretter feiern Jubiläum Auch nach 150 Jahren sehr gefragt

Der Helikopter des Marinefliegergeschwaders Fünf aus Nordholz schwebt vor der Stander Bucht beängstigend nah über dem Laboer Seenotkreuzer „Berlin“.

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Seenotretter im Einsatz.

Quelle: Michael Kaniecki

Laboe. Für Laien ein spektakulärer Anblick, für die Männer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) eine alltägliche Übung für den Ernstfall. Seit 150 Jahren suchen und retten die Helfer der Gesellschaft Menschen, die auf See in Not geraten – bei jedem Wetter. Zum Jubiläum gewährt die Einheit aus Laboe einen Einblick in ihre Arbeit.

 „Vor ein paar Jahren, als die Marineflieger noch in Kiel-Holtenau stationiert waren, haben wir die Hubschrauber-Übung alle 14 Tage gemacht, jetzt höchstens einmal im Monat“, erklärt Michael Müller, Vormann der „Berlin“. Der 47-Jährige kam aus der Handelsschifffahrt vor 19 Jahren zu den Seenotrettern, weil er seine Familie nicht nur alle paar Monate sehen wollte. „Außerdem tut man Gutes, der Job ist abwechslungsreich und jeder Einsatz ist anders.“

 Die Rettungsflieger kommen immer dann zum Einsatz, wenn Personen geborgen werden, die notärztliche Versorgung brauchen. Mindestens 45 Minuten dauert es, bis der Flieger am Einsatzort ist. „Alternativ haben wir zwei Notärzte in Laboe, die vom Hafen aus mitfahren“, so Müller. Das Gebiet des Seenortkreuzers reicht von der Kieler Förde und Nord-Oststee-Kanal bis zur dänischen Grenze.

 Bei geöffneter Hubschrauber-Tür wird ein Seil heruntergelassen und von einem Besatzungsmitglied mit einem Haken geerdet. „Die Spannung, die durch die Rotoren-Bewegungen entsteht, muss aus dem Kabel genommen werden“, erklärt Heinz Herrmann, ehrenamtlicher Seenotretter von der Station Kiel-Schilksee, der bei der Übung dabei ist.

 Das Ganze sieht einfacher aus, als es ist: Helikopter und Schiff müssen die gleiche Geschwindigkeit haben, die Windstärke muss bestimmt werden und dann ist Zentimeter-Arbeit gefragt, damit der Arzt, der sich abseilt, auch sicher auf dem Rettungsboot landet. Umgekehrt können auch Verletzte nach Stabilisierung auf der Trage in den Helikopter gezogen werden.

 Wenn noch kein Notarzt an Bord ist, sind die Seenotretter gefragt, die neben einer Ausbildung in der Nautik oder als Maschinist von der DGzRS zu Rettern weitergebildet werden. „Wenn wir Personen bergen, sprechen wir mit der Seenotleitung in Bremen“, so Müller. Alle Medikamente auf der Berlin sind durchnummeriert und der Notarzt am anderen Ende der Leitung gibt genaue Anweisungen, damit die Person stabilisiert werden und an Land vom Krankenwagen in Empfang genommen werden kann.

 Rund 150 Einsätze im Jahr haben die neun Festangestellten, die abwechselnd jeweils zwei Wochen an Land und auf der Berlin leben, und bei ihren Einsätzen von 25 ehrenamtlichen Helfern unterstützt werden. Alle zwei Tage geht es raus zur Kontrollfahrt. Neben Personenrettung und -suche wird auch bei Schiffsbränden geholfen. „Sehr viele Einsätze haben wir mit Kite-Surfern.“ Wenn das Segel oder das Brett verloren geht, startet die Personensuche. Meistens befinden sich die Surfer aber wohlauf an Land: „Darum plädieren wir dafür, Segel und Brett mit der Rufnummer des Surfers zu beschriften, das erspart eine unnötige Suche.“

 Als die DGzRS am 29. Mai 1865 in Kiel gegründet wurde, war pure Muskelkraft auf Ruderbooten gefragt oder es wurden von Land Seile hinaus geschossen, um Menschen zu retten. Heute sind die Einsatzgeräte auf dem höchsten technischen Stand. Die Anschaffung eines neuen Seenotkreuzers ist geplant. Aber eines hat sich in den vergangenen 150 Jahren nie geändert: Die Seenotretter finanzieren sich ausschließlich aus Spenden und sind auf die freiwilligen Spender und Helfer angewiesen.

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Laboe
Foto: Michael Müller (47,von links), Holger Budig (46), Henry Hildebrandt (53), Jürgen Rupp (49) und Dirk Göttsch (44) arbeiten auf dem Seenotrettungskreuzer „Berlin“ in Laboe.

Geburtstag feiern nicht nur die Seenotretter selbst, sondern auch der Laboer Seenotkreuzer „Berlin“, der am 29. Mai 30 Jahre alt wurde und damit schon fast zum alten Eisen gehört: „Alle 30 Jahre tauschen wir unsere Einsatzboote“, so Vormann Michael Müller.

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