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Heiß, aber nicht rekordverdächtig

September 2016 Heiß, aber nicht rekordverdächtig

So heiß war es in einem September seit Jahren nicht: Mitte des Monats kletterten die Temperaturen auf knapp 30 Grad – durchschnittlich waren es 24,05 Grad in Kiel. Um einen Rekordseptember handelt es sich trotzdem noch nicht.

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Erfrischung gefällig? Bei Temperaturen um die 30 Grad ist eine Abkühlung genau das Richtige.

Quelle: Christian Charisius/dpa

Kiel. Während sich Lebkuchen und Dominosteine in den Supermarktregalen stapeln, wartet der September mit sommerlichen Temperaturen auf. Die höchste Temperatur wurde in Lübeck-Blankensee erreicht: 31,5 Grad zeigte das Thermometer am 13. September. Der Rekord seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Schleswig-Holstein wurde damit allerdings nicht eingestellt. An selber Stelle wurden am 12. September 1919 genau 32,4 Grad gemessen. Deutschlandweit liegt die Spitzentemperatur noch ein gutes Stück höher. 36,5 Grad zeigte das Thermometer vor über 100 Jahren am 3. September 1911 in Jena.

 Die Landeshauptstadt kommt in diesem September nicht annähernd an die Höchstwerte heran. Die Kieler schwitzten am 13. September bei immerhin 29,9 Grad. 0,2 Grad zu wenig für den Rekord. Dieser wurde am 1. September 1983 mit 30,1 Grad in Kiel-Holtenau aufgestellt. Ähnlich warm war der September zuletzt 1999 und 2006.

Denkwürdig schöner September

 Bei einem Tagesmittelwert von 17,3 Grad im September 2006 hält der diesjährige mit 19 Grad gut mit. Wie er letztlich ausfallen wird, bleibt abzuwarten – bis zur Monatshälfte war er jedenfalls denkwürdig schön. Viele Kieler nutzten die hochsommerlichen Temperaturen unter anderem dafür, um noch einmal in der Kieler Förde mit dem Delfin baden zu gehen. Mitte September durchaus nicht selbstverständlich.


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 Dass der diesjährige September „ziemlich außergewöhnlich“ ist, weiß auch Klimaforscher Mojib Latif vom Geomar Helmholtz-Zentrum in Kiel. Der Wissenschaftler rechnet für die Zukunft „immer öfter“ mit derlei Temperaturen. Der September 2016 sei zwar ein Einzelereignis – jedoch zeige der Trend, dass wärmere Temperaturen in allen Jahreszeiten zunähmen. Dieser heiße September sei gewissermaßen ein „Vorgeschmack auf die Zukunft“. Ein Vorgeschmack, der vielen Menschen durchaus gefallen dürfte, denn: „Wir frieren schneller, weil wir uns an die wärmeren Temperaturen gewöhnt haben“, sagt Latif.

 Die Temperatur im September 2016 ist bisher mit durchschnittlich 19 Grad um 5,7 Grad höher als der sonst übliche Wert für den gesamten Monat. Und auch in Schleswig-Holstein liegt er zur Monatsmitte mit 18,4 Grad um 5,1 Grad höher als sonst. Ob es der heißeste September seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 werden wird, konnte Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst (DWD) zur Monatsmitte natürlich noch nicht sagen. Aber „es könnte durchaus sein.“ Es komme nur auf die restlichen Septembertage an.

Ortsrekorde wurden gebrochen

 Selbst wenn dieser September noch kein Rekordmonat ist: Einige Ortsrekorde wurden dennoch eingestellt. In Schleswig-Holstein habe es bereits an rund der Hälfte der Einzelmessstationen neue Spitzenwerte gegeben, sagt Lux. So ermittelte der DWD in List auf Sylt 27,8 Grad. Und auch an vielen anderen deutschen Wetterstationen wurden Rekorde eingestellt. Dabei seien im Norden mehr Ortsrekorde geknackt worden, als etwa in Bayern. Sachsen-Anhalt ist jedoch Spitzenreiter: 34,4 Grad zeigte das Thermometer in Bernburg an der Saale am 12. und 13. September.

 In den kommenden Jahren dürfen wir immer häufiger mit heißen Tagen rechnen. Laut DWD steigen die Temperaturen hierzulande schneller als im weltweiten Durchschnitt. Dabei hat der Klimawandel in den einzelnen Regionen Deutschlands unterschiedliche Auswirkungen. Der Norden kommt wegen seines maritimen Klimas eher glimpflich davon. Berlin, München oder das Oberrheintal müssen hingegen Ende des Jahrhunderts mit einer starken Zunahme von Sommertagen mit über 30 Grad rechnen.

 Mit den heißen Temperaturen um die 30 Grad ist es nun allerdings vorbei. Nach Gewittern zum Wochenende rechnet Diplom Meteorologe Sebastian Wache vom meteorologischen Dienstleister Wetterwelt in Kiel für die kommende Woche mit Temperaturen um die 20 Grad. Kurze Hosen, ärmellose T-Shirts und luftige Kleidchen werden dann wohl nicht mehr zu sehen sein – dicke Pullis und Cordhosen aber auch noch nicht.

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Foto: Sebastian Wache, Diplom Meteorologe aus Kiel: Wenn man sich die Zeitreihen anschaut, sind solche Phasen im September gar nicht ungewöhnlich.

Einen Sommer im Winter und einen Winter im Sommer wird es nicht geben, sagt Sebastian Wache, Diplom-Meteorologe bei Wetterwelt Kiel. Warum der September in diesem Jahr dennoch außergewöhnlich warm ist, hat andere Gründe.

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