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Kampf gegen die Bürokratie

Serie: Bauern in Not Kampf gegen die Bürokratie

Hans Stephan Lütje ist ein positiver Mensch. Einer, der lieber anpackt als klagt. Dennoch machen dem Vollerwerbslandwirt in Rade bei Rendsburg – einer von dreien im malerischen 280-Seelen-Dorf am Nord-Ostsee-Kanal – die zunehmenden Dokumentationspflichten zu schaffen.

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Muss zwei Stunden täglich am Schreibtisch sitzen: Bauer Hans Stephan Lütje (46) aus Rade bei Rendsburg.

Quelle: jan

Rade. „Der Schlüssel für die Landwirtschaft ist die nächste Generation, die braucht eine Perspektive“, sagt Lütje, der Vater von vier Kindern ist. Weil sich aber der bürokratische Aufwand seit 1996, als er in elfter Generation den Hof in Rade übernahm, nun vervierfacht habe, macht sich Lütje Gedanken über die Zukunft der Bauern im Norden. Und über die eigene. „Der Strukturwandel“, sagt Lütje, der seit acht Jahren auch Bürgermeister von Rade ist, „wird dadurch beschleunigt. Es wird immer weniger Betriebe und immer größere Einheiten geben, die sich am Markt behaupten können“.

Eine Bürohilfe unterstützt ihn

Ackerbau auf 500 Hektar, mehr als 2000 Schweine in der Mast, eine Biogasanlage: Der 46-jährige diplomierte Agraringenieur hat frühzeitig seinen Betrieb auf drei Standbeine gestellt, um die Ertragslage auch in Zeiten von Preisschwankungen ausgleichen zu können. Derzeit steigen die in den Keller gepurzelten Schweinefleischpreise leicht – Grund ist die auch durch die Fußball-Europameisterschaft erhöhte Nachfrage nach Grillfleisch. Doch nur weil Lütje die Arbeit auf dem Hof straff organisiert hat, ist es ihm überhaupt möglich, die Menge an täglicher Bürokratie zu bewältigen. „Zwei Stunden täglich am Schreibtisch sind das schon“, sagt Lütje. Und vieles sei überreguliert, „im vorauseilenden Gehorsam zu Brüssel“, betont er. Eine Bürohilfe muss ihm jetzt helfen, die täglichen Dokumentationspflichten abzuarbeiten – zusätzliche Kosten, die ein kleinerer Betrieb schwerlich stemmen kann, glaubt Lütje.

Das Beispiel Rade

Sein Vorschlag: Statt verschiedene Adressaten vom Veterinär bis hin zu Landwirtschaftsministerium mit Dokumenten zu versorgen, müsste alles beispielsweise beim Landeskontrollverband gebündelt werden, der Dienstleistungen für die schleswig-holsteinischen Tierhalter erbringt. „Das ist dann wie eine Führerscheinstelle“, sagt Lütje. Eine zentrale Stelle, die alle Prüfdaten an die zuständigen Behörden weitermelden würde, „damit wären wir schon einmal einen Schritt weiter“. Bisher stehe die Überregulierung „in keinem Verhältnis zum Ergebnis“, sagt Lütje.

Beispiel Rade: Acht Vollerwerbslandwirte gab es hier noch vor Jahren, jetzt sind es gerade noch drei. Und wird sein 16-jähriger Sohn später einmal den Hof übernehmen? Lütje sagt: „Er hat schon Lust dazu. Jetzt werden die Weichen gestellt, damit der Betrieb auch eine Zukunft hat.“ Und dann sagt er noch einen Satz: „Wenn sich jetzt nicht einige grundlegende Dinge wie die Bürokratieflut ändern, ist die Zukunft der Landwirtschaft ernsthaft gefährdet.“ Dann würde es keine Nachfolger mehr geben, weil die finanzielle Situation zu unsicher sei. „Eine ganze Landwirtsgeneration“ könne so wegbrechen.

"Brauchen praktikable Lösungen"

Die Folgen würden dann spätestens in 15 Jahren zu sehen sein, wenn ganz viele Höfe leer stünden. Das sei dann nicht mehr reparabel, „dann hat der ganze ländliche Raum ein Problem“. Schon jetzt sei der Trend zu immer größeren Betrieben, zu Kooperationen und Betriebsgemeinschaften ungebrochen – „es wird neue Wege geben“, sagt Lütje. Der Ruf nach finanziellen Hilfen sei hier jedoch nicht der richtige: „Wir wollen nicht klagen, sondern brauchen praktikable Lösungen. Eine Frage bleibt jedoch: Wie lange können wir so noch durchhalten?“

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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