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Sicherer Schulweg ist kein Selbstläufer

Serie Sicherer Schulweg ist kein Selbstläufer

Endlich ein Schulkind! So groß der Stolz bei den meisten Kindern darüber ist, so sicher sorgen sich Eltern auch darum, dass ihr Nachwuchs auf dem Schulweg buchstäblich unter die Räder kommt.

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Zug entgleist in Elmshorn

Kindern fehlt noch das Gespür für die Gefahren des Straßenverkehrs: Beim Herumalbern wird das herannahende Auto oft übersehen.

Quelle: A3512 Roland Weihrauch

Kiel. Wie bewegt sich das Kind sicher im Straßenverkehr? Mit dieser Frage sollten sich Eltern frühzeitig beschäftigen. Am besten schon bei der Schulanmeldung.„Alle Grundschulen haben heute einen Schulwegplan mit den empfohlenen Routen. Diesen Plan sollten Eltern bei der Anmeldung mitnehmen und dann den besten Weg auswählen und mit dem Kind immer wieder üben“, sagt Stephan Steffen von der Zentralstelle Polizeiliche Prävention beim Landespolizeiamt. Wichtig dabei: Der kürzeste Weg ist dabei nicht unbedingt der sicherste! Auf belebten Wegen fühlen Kinder sich oft besser. Manchmal ist auch ein Umweg sinnvoll, wenn das Kind dadurch zusammen mit anderen Kindern gehen kann.

„Kinder lassen sich sehr leicht ablenken, Entfernungen und Geschwindigkeiten können sie in den ersten sechs Jahren kaum einschätzen und auch für ältere Kinder bis zehn Jahren ist das noch schwierig. Ein vorausschauendes Gefahrenbewusstsein entwickelt sich meist erst mit acht Jahren“, erklärt Stephan Steffen. Die Polizei geht daher in die ersten Klassen im Land und übt vor allem das Überqueren von Straßen.

2016 hatten 187 Kinder in Schleswig-Holstein einen Verkehrsunfall, als sie zu Fuß unterwegs waren. 585 verunglückten als Radfahrer und 567 als Mitfahrer im Auto. Wie viele Unfälle davon auf dem Schulweg passierten, wird allerdings nicht erhoben.

„Eltern sind die Verkehrserzieher Nummer Eins und sollten den Kindern schon früh bei alltäglichen Wegen das richtige Verhalten erklären. Kurz vor Schulbeginn anzufangen, das ist definitiv zu spät.“ Steffen, der selbst zehn Jahre in der Verkehrserziehung an Schulen aktiv war, empfiehlt früh das spielerische Üben – etwa bei Rollenspielen in der Wohnung oder draußen auf einer sicheren Fläche.

Im Straßenverkehr selbst sollte ein Training mehrere Schritte haben: Das Überqueren einer Straße sollte zunächst gemeinsam an einer Ampelkreuzung geübt werden.

Ist das Kind sicher, kann es dort allein unter Beobachtung die Straße überqueren. Als Nächstes wird das dann an einem Straßenabschnitt ohne Ampel geübt – erst gemeinsam, dann allein unter Beobachtung. Schließlich wird an einer Straße mit Hindernissen – etwa parkenden Autos – trainiert. Grundsätzlich sollte der Schulweg aber so gelegt werden, dass es an schwierigen Stellen Ampeln gibt oder die Situation für das Kind zumindest übersichtlich ist.

„Vor allem auf dem Land ist für viele Kinder der Schulbus das typische Transportmittel. Aber auch da sollte man ein paar Mal gemeinsam den gesamten Hin- und Rückweg üben“, rät Steffen. Ein neuralgischer Punkt dabei sei, dass das Kind nach der Schule in den richtigen Bus ein- und an der richtigen Haltestelle wieder aussteigt.

Und wie sieht es mit dem Fahrradfahren aus? Kinder müssen bis zum 8. Lebensjahr auf dem Gehweg Radfahren. Sie dürfen es bis zum 10. Lebensjahr. Eltern dürfen mit ihren Kindern auf dem Gehweg radeln. Beim Überqueren der Straße müssen beide absteigen und das Rad schieben. „Das Radfahren erfordert komplexe motorische Fähigkeiten, die sich erst in der Grundschulzeit entwickeln. Dabei gilt: Wer sicher rollert, kann später besser radeln“, sagt der Polizist und rät Eltern, Kinder erst ab dem zehnten Lebensjahr zur Schule radeln zu lassen – und ausnahmslos mit Helm.

Auch wenn Eltern den Schulweg genug geübt haben, können sie Erstklässler die ersten Tage noch begleiten. „Dann ist es aber auch wichtig, loszulassen. Dass Eltern ihre Kinder noch in der 4. Klasse zur Schule bringen und wieder abholen, ist für die Entwicklung und das Selbstbewusstsein des Kindes nicht förderlich“, sagt Steffen.

Das gelte auch für Eltern-Taxis. „Das, was die Sicherheit für das eigene Kind erhöhen soll, führt so immer wieder zu völlig unnötigen Gefahrensituationen vor Schulen.“

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