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Verurteilt und gleich abgeschoben

Serieneinbrecher Verurteilt und gleich abgeschoben

Mit einem Hubschraubereinsatz hatte die Polizei kurz vor Weihnachten 2015 albanische Einbrecher verfolgt. Auf frischer Tat wurde dabei auch der 20-Jährige festgenommen, den das Jugendschöffengericht am Mittwoch zu einer Bewährungsstrafe verurteilte. Noch am Nachmittag folgte die Abschiebung.

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Sogar mit einem Eurocopter hatte die Bundespolizei Ende 2015 nach den albanischen Tätern gefahndet. Bei der spektakulären Aktion war auch der nun verurteilte 20-Jährige festgenommen worden.

Quelle: Karsten Leng

Kiel. „Hartnäckig und mit Arroganz“ war der zu 16 Monaten Jugendstrafe verurteilte Serieneinbrecher vorgegangen, so die Urteilsbegründung. Zweimal sei der Angeklagte festgenommen worden, zweimal habe er weiter gestohlen. In mindestens sieben Einfamilienhäuser überwiegend im Stadtteil Kiel-Pries war der Ende 2014 nach Deutschland eingereiste Asylbewerber gemeinsam mit zwei Landsleuten eingebrochen. Als dort am 21. Dezember eine Anwohnerin Alarm schlug, war die Polizei gerüstet. Der schon bereit stehende Helikopter startete gegen 19.45 Uhr, die dreiköpfige Besatzung machte die Flüchtenden aus 800 Metern Höhe schnell mittels Wärmebildkamera ausfindig: Zwei Tatverdächtige, darunter der Angeklagte, näherten sich der Flüchtlingsunterkunft Schusterkrug. Der Schmuck, den die Täter unterwegs weggeworfen hatten, ließ sich später seinen rechtmäßigen Besitzern zuordnen.

Zum Diebeszug sei man von einem bei Albanern beliebten Szenecafé zwischen Kieler Hauptbahnhof und Hörn aufgebrochen, so das Geständnis des Heranwachsenden. Der Angeklagte war in einem Preetzer Flüchtlingsheim untergebracht und kam mit der Bahn zum Kieler Treffpunkt. Gegen seine mutmaßlichen Komplizen verhandelt ab 4. Juli das Kieler Landgericht. Die Details musste die Vorsitzende dem Angeklagten mühsam aus der Nase ziehen. Er widersprach sich immer wieder, brachte die Tatorte, die Mittäter und die erbeuteten Wertsachen durcheinander. Nach fast vierstündigem Prozess und der Vernehmung zahlreicher Geschädigter sah das Gericht sieben von elf Einbrüchen als erwiesen an.

Psychische Folgen der Opfer

Die betroffenen Zeugen berichteten von einschneidenden psychischen Folgen und weitreichenden Konsequenzen. So verkaufte ein Ehepaar sein Eigenheim in Friedrichsort, weil sich ihre 81-jährige Mutter am Tatort nicht mehr sicher fühlte.

Nach der ersten Festnahme mit Hubschraubereinsatz war der 20-Jährige mangels Haftgründen wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Eine Woche später geriet er in Jevenstedt in eine Polizeikontrolle. Weil die Beamten noch nichts von dem dortigen Einbruchsversuch wussten, ließen sie ihn laufen. In U-Haft kamen der Albaner und zwei seiner Landsleute erst am 8. Januar, nachdem die Polizei erneut Diebesgut sichergestellt hatte, darunter gravierte Eheringe mit den Jahreszahlen 1915 und 1956. Der Angeklagte will bei den Einbrüchen als jüngster Beteiligter nur Mitläufer gewesen sein. Insgesamt habe er 300 Euro fürs Schmierestehen bekommen.

Nach der Urteilsverkündung überstellte das Gericht den Angeklagten den Mitarbeitern der Ausländerbehörde des Kreises Plön, die im Zuschauerraum warteten. Sie brachten ihn umgehend zum Hamburger Flughafen, wo kurz nach 17 Uhr seine Maschine nach Tirana startete. Sollte der Angeklagte nach Deutschland zurückkehren, muss er mit der Verbüßung der Jugendstrafe rechnen.

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Spektakulärer Einsatz
Foto: Technisch feinstes Gerät: Einen solchen Hubschrauber nutzte die Polizei in Kiel.

Bei einer höchst ungewöhnlichen Einbrecherjagd mit einem Hubschrauber und Wärmebildkamera hat die Polizei am Montagabend zwei Albaner im Kieler Stadtteil Pries/Friedrichsort festgenommen. Die Beamten beorderten den Helikopter der Bundespolizei schon vor Tagen in die Landeshauptstadt.

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