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Staatsanwaltschaft appelliert an die Opfer

Sexualstraftaten in Kiel Staatsanwaltschaft appelliert an die Opfer

Die Kieler Staatsanwaltschaft macht Druck: Nach den Sexualstraftaten gegen junge Frauen im Stadtteil Wik, die jeweils drei Männer begangen haben sollen, wollen die Ermittler am Donnerstag ein erstes Phantombild veröffentlichen. Oberstaatsanwalt Axel Bieler spricht von einem „besonderen Verfahren“.

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Oberstaatsanwalt Axel Beier: „Uns ist es egal, wer die Täter sind, wir wollen sie nur bekommen.“

Kiel. Nach Informationen unserer Zeitung denken die Behörden auch über die Auslobung einer Belohnung nach. „Uns ist egal, wer die Täter sind, ob es eine oder mehrere Gruppen sind, wir wollen sie nur bekommen“, sagt Bieler. Heute will die Staatsanwaltschaft im Fall der Vergewaltigung einer Studentin im September 2015 ein Phantombild veröffentlichen. Erst auf Nachfrage unserer Zeitung hatte die Polizei öffentlich den Fall eingeräumt und mitgeteilt, dass „mögliche Parallelen“ zu einer versuchten Vergewaltigung am Sonntag vor einer Woche geprüft würden. Eine 20-Jährige war unweit der Bushaltestelle „Elendsredder“ von drei Männern angesprochen worden. Die Angreifer hätten versucht, die junge Frau zu entkleiden, was diese aber durch massive Gegenwehr verhindern konnte. Laut Staatsanwaltschaft beschrieben beide Opfer die Täter als „Südländer“. „Wir werden bereits am Freitag ein weiteres Phantombild veröffentlichen, mit dem im zweiten Fall nach den Tätern gesucht wird“, kündigt Bieler an.

 Die Polizeidirektion Kiel bekräftigt, dass sie in jedem Fall die Öffentlichkeit über die Vorfälle informiert und um Mithilfe gebeten hätte. Dass dies im Fall der Vergewaltigung erst vier Monate später geschehe, sei nicht unüblich. Der Zeitpunkt richte sich nach der Beurteilung des Einzelfalls. Zunächst wurde verdeckt ermittelt. Anders als bislang von der Staatsanwaltschaft erklärt, habe eine DNA-Analyse von Spuren aber bereits drei Wochen nach der Tat vorgelegen, sagt die Polizei. Ein Abgleich mit Datenbanken bekannter Sexualstraftäter habe allerdings keinen Treffer ergeben, erklärt Staatsanwalt Bieler. „Jedes Sexualdelikt beunruhigt die Polizei und jedes Gewaltverbrechen wird intensiv beleuchtet“, sagt Behördensprecher Oliver Pohl. Allerdings: „Die Aussagen der Geschädigten und die Art des Vorgehens sprachen nicht für eine Gefährdung der Bevölkerung.“

 Opferschützer sind anderer Auffassung. Sie informierten vergangene Woche die Polizei über eine „Häufung“, die nachdenklich mache. So bekamen die Behörden Kenntnis von einer weiteren möglichen Attacke im Stadtteil. „Diese soll sich am 2. Januar zugetragen haben, bislang hat das Opfer die Tat allerdings noch nicht angezeigt“, sagt Bieler. Ungewöhnlich sei dies nicht, die Hemmschwelle vieler Opfer sei hoch. „Zusammenhänge lassen sich erst erkennen, wenn sich eine zweite, dritte oder mehrere Taten ereignet haben“, berichtet der Ermittler und appelliert an die Geschädigte, sich dringend zu melden.

 Auch Kiels OB Ulf Kämpfer (SPD) äußerte sich. „Es gibt keine generelle Veränderung der Sicherheitssituation in Kiel, es gibt aber viele Sorgen, die Stadt und Polizei ernst nehmen“, sagte er. Er hoffe, dass die Sexualdelikte bald aufgeklärt werden, so Kämpfer.

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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Phantombild
Foto: Die Polizei in Kiel sucht mit diesen Bildern einen Mann, der an einem sexuellen Übergriff beteiligt gewesen sein soll.

Die Polizei sucht mit einem Phantombild nach einem Mann, der zusammen mit zwei weiteren Tatverdächtigen am 17. Januar 2016 eine Frau im Kieler Stadtteil Wik verfolgt haben soll. An der Straßenecke Wiker Straße/Feldstraße wurde sie hinter einen Sicherungskasten gezogen und gegen ihren Willen angefasst.

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