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Prozess um Totschlag in Obdachlosenheim

Sieben Jahre Haft Prozess um Totschlag in Obdachlosenheim

Monate lang streiten sich zwei Flüchtlinge in ihrer Unterkunft. Schließlich eskaliert der Streit. Einer der beiden ersticht seinen Mitbewohner. Nun muss der Täter einige Jahre ins Gefängnis.

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Mit seinem Urteil von sieben Jahren, das unter Einbeziehung einer anderen Strafe zu sechs Jahren, elf Monaten und zwei Wochen gemildert wurde, blieb das Gericht unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Quelle: Christophe Gateau

Lübeck. Der Streit zwischen den beiden Männern schwelte seit langem. Doch im Februar dieses Jahres endete er für einen der beiden tödlich. Ein aus Afghanistan stammender 22 Jahre alter Mann ist am Dienstag vom Landgericht Lübeck wegen Totschlags zu knapp sieben Jahren Haft verurteilt worden. Nach Überzeugung des Gerichts hatte er einen Flüchtling aus dem Irak, mit dem er sich ein Zimmer in der Unterkunft teilte, mit zwei Messerstichen getötet.

Der Angeklagte reagierte erschüttert auf das Urteil. Er hatte im Prozess gestanden, seinen Mitbewohner im Streit angegriffen und ihn auch mit einem Messer in der Hand verfolgt zu haben. Die Stiche auf das Opfer stellte er dagegen als Unfall dar. Er sei gestolpert und auf das am Boden liegende Opfer gefallen, hatte er ausgesagt.

Angeklagte soll sich aufs Opfer gestürzt haben

Das wertete das Gericht als Schutzbehauptung des Angeklagten. „Eine Augenzeugin hat vielmehr ausgesagt, dass der Angeklagte sich förmlich auf das Opfer stürzte, das auf dem Rücken an einer Böschung lag“, sagte der Vorsitzende Richter Christian Singelmann. „Die beiden Männer mochten sich einfach nicht.“ Laut einem Gerichtsmediziner hatte das Opfer zwei Stichverletzungen, eine davon am Hals war tödlich.

Der Angeklagte und das Opfer teilten sich ein Zimmer in der Unterkunft. Weil es jedoch nach Zeugenaussagen ständig Streit zwischen ihnen gab, schlief das Opfer meist bei Bekannten. Am Tatabend hatte das Opfer nur seine Post abholen wollen. Dabei kam es zu einer Schlägerei. Ein Zeuge konnte die Streitenden zunächst trennen, doch das spätere Opfer kam noch einmal zurück und rief dem Angeklagtem etwas zu, was ihn offenbar in Rage versetzte. Der Inhalt des Zurufs blieb unklar. Denn die Männer sprachen unterschiedliche Sprachen und verstanden einander nicht.

Aussage unter Tränen

In seinem letzten Wort hatte der Angeklagte beteuert, dass er die Tat bereue. „Ich habe nicht eine Sekunde daran gedacht, ihn zu töten“, sagte er unter Tränen. Im Laufe der Hauptverhandlung hatte er aber auch gesagt, dass er sich an seinem Opfer rächen wollte.

Mit seinem Urteil von sieben Jahren, das unter Einbeziehung einer anderen Strafe zu sechs Jahren, elf Monaten und zwei Wochen gemildert wurde, blieb das Gericht unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die hatte siebeneinhalb Jahre Haft gefordert. Die Verteidigung hatte eine Haftstrafe von höchsten sechs Jahren beantragt. Beide Seiten wollen noch prüfen, ob sie in Revision gehen wollen.

Von dpa

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