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Sind Konflikte programmiert? Experten uneins

Flüchtlinge Sind Konflikte programmiert? Experten uneins

Ist es zulässig, in Verbindung mit Flüchtlingen über Gewaltproblematik zu sprechen? „Unsere Erfahrungen aus den 90er-Jahren zeigen, dass wir uns nicht so große Sorgen machen müssen, wie es manche Berichterstattung vermuten lässt“, sagt der international renommierte Kriminologe Christian Pfeiffer.

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Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft (Polg) Rainer Wendt spricht beim Themenabend "Gewalt in der Gesellschaft" im Kieler Yacht Club.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. „Die überwiegende Mehrheit dieser Menschen ist ängstlich und will nicht auffallen – außer, wenn die Verhältnisse in den Unterkünften unerträglich werden.“ Das allerdings hält der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, für Augenwischerei.

 Die beiden Fachmänner waren am Mittwoch in Kiel Gäste bei einem parlamentarischen Abend des Landes-Richterverbands und des Beamtenbundes dbb. Bei den jüngsten Vorkommnissen in deutschen Flüchtlingsunterkünften handle es sich „um alles andere als um bloße Rempeleien an der Essensausgabe“, sagte Wendt. „Da geht es um schwere Straftaten, teilweise vorbereitet und mit selbstgezimmerten und mitgebrachten Waffen“. Der Gewerkschaftsvertreter verwies darauf, dass die Politik seit vielen Jahren an Polizei, Justiz und der gesamten Kommunalverwaltung gespart habe. „Die Konsequenzen aus dem schlanken Staat erleben wir jetzt: Reserven sind nicht mehr vorhanden.“ Auch für den Schutz von Flüchtlingseinrichtungen sei viel zu wenig Personal vorhanden.

 Pfeiffer hatte in einem anderen Zusammenhang darauf verwiesen, dass namentlich Privatsender das Böse dramatisierten und auf diese Weise zu einer Verzerrung des Weltbildes beitragen. Er belegte anhand von Statistiken, dass Gewaltdelikte in Deutschland stark rückläufig sind und Deutschland seit 20 Jahren eine Jugend habe, die „noch nie so wenig negativ aufgefallen“ sei. Dazu trage nicht zuletzt die gelungene Integration von Aussiedlern bei. Und das könne man durchaus auf den Umgang mit Flüchtlingen von heute übertragen: Entscheidend sei, ob sich ihre Erwartungen ans neue Lebensumfeld erfüllen und ob Integration gelingt.

 In der Politik bewertet man das Thema unterschiedlich. Axel Bernstein (CDU) bezeichnete die Lage als Besorgnis erregend. „Was wir erlebt haben, werden keine bedauerlichen Einzelfälle bleiben. Täten wir so, als würde alles von allein gut, kämen wir unserer Verantwortung nicht hinterher.“ Lars Harms (SSW) dagegen stellte als Vertreter der Regierungskoalition fest, dass die Diskussion in eine „völlig falsche Richtung“ laufe. „Räumliche Enge löst nun einmal Lagerkoller aus.“ Aber es sei eine Aufgabe von Politik, für bessere Lösungen zu sorgen.

 Ähnlich sah es Burkhard Peters (Grüne). „Grundsätzlich wird mir ganz unwohl, wenn das Thema Flüchtlinge mit Gewalt verbunden wird.“ Man spreche über gestresste, traumatisierte Menschen. Dass diese untereinander Konflikte haben, sei eine von vielen Facetten. „Aber das ist gewiss nicht das Hauptproblem.“

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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