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Nährstoffbelastung zu hoch

Sorgenkind Ostsee Nährstoffbelastung zu hoch

Über die Flüsse gelangen Nährstoffe in die Ostsee. Sie gilt als eines der am stärksten belasteten Meere. Die Grünen sehen die Landwirtschaft als Hauptverursacher.

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Nicht überall in der Ostsee ist das Wasser so blau wie vor Laboe an der Kieler Förde.

Quelle: Ulf Dahl (Archivbild)

Stralsund. Die Grünen-Bundestagsfraktion fordert angesichts einer starken Belastung der Ostsee mit den Nährstoffen Nitrat und Phosphat eine Schließung von Megaställen. Auch müsse die Düngemittelverordnung zügig novelliert werden. „Der Zustand der Ostsee durch die Nitrat- und Phosphatbelastung ist besorgniserregend“, sagte die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke, am Freitag in Stralsund. Sie bezog sich dabei auf eine Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion.

Von an 45 Stellen genommenen Proben vor der deutschen Ostseeküste waren demnach 30 in einem unbefriedigenden oder schlechten Zustand (18 vor Mecklenburg-Vorpommern, 12 vor Schleswig-Holstein). Beim Nitrat wie auch beim Phosphor würden Grenzwerte teilweise deutlich überschritten.

Hofreiter sieht dringenden Handlungsbedarf

Es gebe dringenden Handlungsbedarf, sagte Fraktionschef Anton Hofreiter. Die Einträge von Nitraten und Phosphaten durch Gülleeinträge aus der Massentierhaltung und der Ausbringung von Kunstdünger müssten gestoppt werden. Die Grünen machten sich am Freitag bei einer Ausfahrt auf dem Strelasund, einem Randgewässer der Ostsee, einen Eindruck von der Belastung durch Nährstoffe.

Die Ostsee mit ihrer Randlage und dem schmalen Zugang zur Nordsee sei ein „gefangenes Meer“, erklärte der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Harald Benke. Die Gewässer von neun Anrainerstaaten fließen in die Ostsee, wobei Deutschland das geringste Wassereinzugsgebiet für die Ostsee hat. In Mecklenburg-Vorpommern weisen 18 von 21 Flüssen einen schlechten oder unbefriedigenden ökologischen Zustand auf. Zu den großen Einleitern von Nährstoffen in die Ostsee gehört nach Angaben von Meeresbiologen des Museums vor allem Polen.

Nach Angaben Benkes führt die hohe Nitrat- und Phosphatbelastung zu einem Wachstum von Algen, die höheren Wasserpflanzen das Licht wegnähmen und deren Wachstum stoppten „Im Greifswalder Bodden legen die Heringe in den Makrophyten ihren Laich ab.“ Sind diese Pflanzen nicht mehr da, würden die Reproduktion der Heringe und die Nahrungskette gestört. Heringe werden von Schweinswalen gefressen, von denen es in der zentralen Ostsee nur noch 450 Exemplare gebe.

Problematisch sei zudem, dass es in der Ostsee nur selten einen Wasseraustausch gebe, was zusammen mit der Sauerstoffzehrung durch die Algen zu größeren sauerstofffreien Zonen führe – sogenannte Todeszonen. Nach Angaben des Thünen-Instituts für Ostseeforschung gab es im Dezember 2014 den ersten großen Salzwassereinstrom seit 2003, den drittgrößten seit Beginn der Messdaten. Ein zweiter großer Salzwassereinstrom folgte im November 2015.

Nicht Landwirtschaft und Tourismus gegeneinander ausspielen

Auch das Landwirtschaftsministerium von MV sieht das größte Problem für die Ostsee in der starken Überdüngung mit Nährstoffen aus Abwässern, der Landwirtschaft und der Luft. Dass die diffusen Einträge aus der Landwirtschaft ein Problem darstellen, sei unstrittig. Entscheidend für das Vermeiden einer Gewässerbelastung sei eine effiziente Düngung, sagte Agrarminister Till Backhaus (SPD). Das Ministerium habe in Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Gewässerschutz intensiviert und 2007 eine Arbeitsgruppe „Diffuse Nährstoffe“ gegründet. Diese Initiative sei bundesweit bislang einmalig. Auch der Bauernverband sei in diese Aktivitäten eng eingebunden.

Trotz des besorgniserregenden Zustandes gibt es nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums Erfolge. So seien die Einleitungen und die Anreicherung von Schadstoffen in die Ostsee rückläufig, was sich positiv auf den Bruterfolg von Seeadlern und deren Rückkehr in das gesamte Ostseegebiet bemerkbar gemacht mache. Auch die Populationen von Robben und Seehunden hätten sich wieder erholt.

Der CDU-Abgeordnete Bernd Schubert warnte davor, Landwirtschaft und Tourismus gegeneinander auszuspielen. „Gerade vor dem Hintergrund, dass der Großviehbestand bei uns im Land sehr gering ist, laufen die Befürchtungen der Grünen ins Leere.“

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