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So viele Mitglieder wie noch nie

Sozialverband Deutschland im Norden So viele Mitglieder wie noch nie

140000 Schleswig-Holsteiner vertrauen auf die Hilfe des Sozialverbands Deutschland, 17700 Verfahren hat der SOVD im vergangen Jahr für sie geführt, 9,5 Millionen Eur erstritten.

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Torsten Mehrings, Leiter der Rechtsschutzabteilung des SOVD, hat die Lübeckerin Tanja Okunola, 47, in einem langen Rechtsstreit gegen die Deutsche Rentenversicherung vertreten. Jetzt hofft sie, bald in ihren erlernten Beruf zurückkehren zu können.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Chronisches Schmerzsyndrom, Asthma, Depression, Übergewicht: Viele Beschwerden machen Tanja Okunola das Leben schwer. Und sie erschweren der 47-jährigen Lübeckerin die Rückkehr in ihren Job. Weche Odyssee sie bereits hinter sich hat, und wie der Landesverband des Sozialverbands Deutschland ihr beisteht, davon berichtete sie am Freitag auf dessen Jahresbilanzpressekonferenz in Kiel.

Bis vor ein paar Jahren arbeitete Tanja Okunola als Call-Center-Agentin, auf dem Papier saß sie acht, faktisch eher neun Stunden pro Tag mit Headset vor dem Bildschirm. „Eine Pause von acht Minuten pro Arbeitsstunde war zwar angeordnet, musste aber nachgearbeitet werden.“ 2011 war eine Operation für Okunola unausweichlich, die Wirbelsäule musste versteift werden. Weitergehen wie zuvor konnte es danach nicht: Die ausschließlich sitzende Tätigkeit im Callcenter, noch dazu Arbeiten unter ständigem Zeitdruck – Gift für die Gesundheit der ausgebildeten Kauffrau für Wohnungs- und Grundstückswirtschaft. Acht Stunden vor dem PC könne sie nicht durchhalten, drei bis sechs seien das Maximum, erklärten ihre Ärzte. Doch Okunola wollte nach der Reha zurück in ihren Job. Daher riet man ihr, einen Anspruch auf Teilhabeleistungen von der Rentenversicherung prüfen zu lassen, für eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung oder eine Umschulung. Den Antrag darauf reichte sie im April 2012 bei der Deutschen Rentenversicherung ein – vergeblich: Okunola könne ihrer Arbeit ohne Weiteres nachgehen, lautete die Begründung. Für eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen sah die Rentenversicherung nicht sich, sondern den Arbeitgeber in der Verantwortung.

Jeder 20. aus dem Norden ist Mitglied

Wie Okunola ist mittlerweile jeder 20. Schleswig-Holsteiner Mitglied des SOVD. In 370 Ortsverbänden bieten 4000 Ehrenamtliche Unterstützung bei sozialrechtlichen Fragen. 17700 Verfahren hat der SOVD hierzulande im vergangenen Jahr geführt, was sowohl Hilfe bei Anträgen als auch Widersprüche und sozialgerichtliche Klagen beinhaltet. Dabei konnte er mehr als 9,5 Millionen Euro für seine Mitglieder erwirken. Der Landesvorsitzende Wolfgang Schneider zeigte sich sehr zufrieden mit der Entwicklung: „Die Menschen vertrauen uns und nehmen uns als kompetenten Vertreter in sozialrechtlichen Fragen sowie als verlässlichen Interessenvertreter auf sozialpolitischer Ebene wahr. Bei aller Zufriedenheit über die Verbandsentwicklung sehen wir allerdings mit Sorge, dass der Bedarf an Unterstützung in sozialen Beratungsfragen offenbar steigt und es den Menschen zunehmend schwerfällt, soziale Rechte ohne kompetente Unterstützung durchzusetzen.“

Torsten Mehrings, Leiter der Rechtsschutzabteilung, hat Tanja Okunola in den vergangen fünf Jahren im Rechtsstreit mit der Rentenversicherung vertreten: Zweieinhalb Jahre standen sie deshalb vor Gericht. Die begehrten Leistungen wurden ihr erst im Januar 2017 gewährt – ein Beratungstermin am 20. März wird nun zeigen, wie es für die 47-Jährige weitergeht. In den vergangenen fünf Jahren konnte sie nicht arbeiten: „Wegen des laufenden Prozesses gegen die Rentenversicherung wäre ich nicht versichert gewesen.“ Okunola war schon kurz davor aufzugeben. Nun schöpft sie wieder Hoffnung: „Ich möchte in meinen eigentlich erlernten Beruf zurück und hoffe, dass ich dafür Unterstützung bekomme.“

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Ein Artikel von
Isabelle Breitbach
Volontärin

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