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Flüchtlinge reisen nach Kopenhagen

Chaos an der Grenze Flüchtlinge reisen nach Kopenhagen

Chaos an der deutsch-dänischen Grenze: 170 Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und dem Irak, von denen die meisten über Lübeck nach Schweden wollten, sind von der dänischen Polizei im Fährhafen von Rødby festgesetzt worden. Mittlerweile wurde einigen Flüchtlingen die Weiterreise mit einem Zug angeboten.

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170 Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und dem Irak, von denen die meisten über Lübeck nach Schweden wollten, sind von der dänischen Polizei im Fährhafen von Rødby festgesetzt worden

Quelle: dpa

Flensburg. Das sagte ein Polizeisprecher am Mittwochabend der Deutschen Presse-Agentur. Berichte dänischer Medien, dass der Zug sie nach Schweden bringen würde, bestätigte er nicht. Der dänische Reichspolizeichef sprach von einer Weiterreise nach Kopenhagen. Wie es dort für die Flüchtlinge weitergeht, ist noch nicht klar.

Die dänische Polizei sperrte am Mittwoch zeitweise auch die Autobahn bei Padborg. Dort hatten etwa 300 Flüchtlinge, die in Padborg festgesetzt worden waren und sich nicht in Dänemark registrieren lassen wollten, versucht, zu Fuß Richtung Schweden zu marschieren. Die dänische Polizei begleitete sie in Richtung Deutschland zurück. Die Bundespolizei war mit einem Hubschrauber im Einsatz. Dänemarks Integrationsministerin Inger Støjberg verwies darauf, dass sie sich vergeblich um ein Sonderabkommen mit Schweden bemüht habe, um die Menschen in das Nachbarland weiterschicken zu können. Die Autobahn ist mittlerweile wieder freigegeben. Einige Flüchtlinge bewegen sich in Begleitung der Polizei in Richtung Apenrade. Aus der Gruppe konnten - laut Aussage eines dänischen Radiosenders - Einzelne fliehen.

In Rødby drohte ein Flüchtling damit, sich zu verbrennen. Der Fährverkehr von Scandlines geriet aus den Fugen und wurde zeitweise gestoppt. Der Fernverkehr auf der Schiene wurde ab Mittag komplett eingestellt. Auch am Donnerstag fahren keine Züge. Schon in der Nacht zuvor war es zu tumultartigen Szenen in Rødby gekommen. 90 aus Lübeck eintreffende Flüchtlinge verließen den ICE nach Kopenhagen noch freiwillig. Sie wurden in einer nahen Schule untergebracht. Die übrigen Flüchtlinge verschanzten sich zunächst im Zug. Ein Polizeiaufgebot umstellte den Zug, das Schulgebäude wurde abgeriegelt, Journalisten wurde der Zugang untersagt. Der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein sprach von „Internierung“ .

Die Deutsche Bahn bestätigte das Aussetzen des Zugverkehrs auf der Vogelfluglinie auch für Donnerstag. Bereits ab Hamburg werden Züge Richtung Kopenhagen nicht mehr eingesetzt. Die dänische Staatsbahn DSB erklärte, der Zugverkehr sei „auf unbestimmte Zeit“ eingestellt. Die dänische Polizei veranlasste zudem, den Zugverkehr via Flensburg über die Jütland-Route einzustellen. Unterdessen beschlagnahmte die Landespolizei am Nachmittag in Puttgarden einen weiteren Zug Richtung Kopenhagen, der 80 Flüchtlinge an Bord hatte. 54 Menschen folgten nach Verhandlungen dem Angebot, sich mit Bussen in die neue Erstaufnahme nach Putlos (Ostholstein) bringen zu lassen.

Foto: Auf den Ausfall eines Zuges Richtung Fredericia wird am Bahnhof in Flensburg hingewiesen. Die dänische Bahn hat auf Anweisung der Polizei angesichts Hunderter ankommender Flüchtlinge den Zugverkehr zwischen Deutschland und Dänemark komplett eingestellt. Benjamin Nolte/ dpa

Am Abend erreichten weitere Flüchtlinge mit den eintreffenden Regionalzügen den Flensburger Bahnhof.Helfer, unter anderem vom THW, übernahmen die Versorgung der Menschen. Die Landespolizei hatte mehrere Busse im Einsatz und nach erfolgreich unterbreitetem Angebot rund 150 Flüchtlinge in eine Einrichtung des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten gebracht.


Ob fehlende Absprachen zwischen politischer Führung und Polizeiführung zu der verfahrenen Situation geführt haben, wollte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) am Mittwoch nicht sagen. Innenminister Stefan Studt (SPD) erklärte, die dänische Polizei sei vorab über die bevorstehende Ankunft von 170 Flüchtlingen informiert worden. Er forderte die Bundesregierung auf, umgehend mit der dänischen Regierung „ein verbindliches und transparentes Verfahren für die Durchreise und Übernahme von Flüchtlingen“ zu vereinbaren. Schleswig-Holsteins SPD-Chef Ralf Stegner kritisierte: „Die Aussetzung der Reisefreiheit durch die rechtsliberale dänische Regierung ist mehr als besorgniserregend.“ Das Schengen-Abkommen sei ein wichtiges Merkmal des freiheitlichen, geeinten Europas: „Gerade bei den gegenwärtigen großen Herausforderungen brauchen wir gemeinsame europäische Lösungen, keine nationalen Alleingänge.“

Von Curd Tönnemann

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