16 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Spezialgürtel hilft Sehgeschädigten

Per Vibration Spezialgürtel hilft Sehgeschädigten

Nichts sehen, trotzdem alleine sicher ans Ziel kommen: Ein unscheinbarer Gürtel lässt aus dieser Vision jetzt nicht nur für (fast) Blinde Wirklichkeit werden. Denn dieses Wunderding der Technik könnte auch Wanderern oder Radfahrern gute Orientierungsdienste erweisen. Ein Selbstversuch.

Voriger Artikel
Grote kündigt externe Überprüfung an
Nächster Artikel
Operationen abgesagt - kein Personal!

Susan Wache erklärt Jürgen Küppers den "Feel Space"-Mobilitätsgürtel.

Quelle: fpr: Frank Peter

Boksee. Der Test auf dem Verkehrsübungsplatz des ADAC in Boksee beim Aktionstag „Mobil mit Handicap“ zeigt: Der erste Eindruck ist unangenehm. Es fühlt sich an, als liefen dicke Käfer unter meinem Hemd im Kreis um die Wette. Doch es sind 16 Vibrationselemente in dem Gürtel, die mir die Laufrichtung angeben sollen. Als sich das Orientierungssystem „warmgelaufen“ hat, konzentriert sich das Kitzel-Vibrato irgendwann auf meinen Bauchnabel. „Folgen Sie diesem Signal, das gibt ihnen die Laufrichtung vor“, ruft Praktikant Sascha Schleef mir zu: „Vertrauen Sie einfach Ihrem Bauchgefühl.“ Sehen kann ich durch die „Blindbrille“ nichts.

Und tatsächlich: Der „Feel Space“-Gürtel funktioniert. Das könnte er demnächst auch für Wanderer, Radfahrer oder Fußgänger auf ihrem Weg in einer unbekannten Stadt. Voraussichtlich im Januar 2018 kommt eine neue Version des Navigationsgürtels in einer Stückzahl von rund 300 heraus. Eine speziell entwickelte App (sowohl für Android als auch IOS) leitet die Nutzer dann durch drahtlos übermittelte Bauchnabel-Vibration vom Smartphone ans unbekannte Ziel.

Aber noch hat diese Innovation ihren Preis. Etwa 950 Euro wird das System voraussichtlich kosten. „Aber wir arbeiten daran, dass sich der Preis durch höhere Stückzahlen oder technische Optimierung weiter reduzieren lässt“, erklärt die Hirnforscherin Susan Wache, die „Feel Space“ (übersetzt: fühle den Raum) mit entwickelte und 2015 mit zwei Kolleginnen eine Firma gründete.

Etwa zehn Jahre Forschung waren nötig, um Navigationsinformationen zuverlässig über den Gürtel mit 16 Vibrationselementen, einer Batterie plus Steuerelement mit Platine fühlbar zu machen. „Derzeit ist die Hauptanwendung des Gürtels noch auf einen Personenkreis mit einer Seh- oder Hörbehinderung beschränkt“, berichtet Susan Wache. Ihnen ermögliche „Feel Space“ Mobilität und Orientierung, mindere damit gleichzeitig Risiken im Verkehr.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3