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Schluss mit dem Wegwerfstrom

Stadtwerke Neumünster Schluss mit dem Wegwerfstrom

Windräder im Land produzieren dreimal mehr Strom, als verbraucht werden kann. Dieser Strom blieb bislang weitestgehend ungenutzt. Jetzt soll eine sogenannte Power-to-Heat-Anlage den Strom in Fernwärme umwandeln. Die Stadtwerke Neumünster (SWN) haben landesweit die erste Anlage in Betrieb genommen.

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SWN-Geschäftsführer Matthias Trunk (von li.), Energiewendeminister Robert Habeck und Tobias Assmann, Geschäftsführer Enerstorage, nahmen gemeinsam die Power-to-Heat-Anlage in Betrieb.

Quelle: hfr

Neumünster/Kiel.  „Die Anlage hat eine Leistung von 20 Megawatt, das entspricht etwa zehn Windkrafträdern“, erklärte SWN-Geschäftsführer Matthias Trunk. Sie soll starke Schwankungen auffangen und Wegwerfstrom vermeiden. Die Anlage steht innerhalb von nur fünf Minuten bereit und kann Fernwärme für rund 20000 Haushalte produzieren. Der Strom wird in einem Elektroden-Kessel in Dampf umgewandelt und ins Fernwärmenetz eingespeist.

 „Langfristig wollen wir die Anlage dauerhaft betreiben, um Kohle als Brennstoff komplett abzulösen“, sagte Trunk. Damit sich das rechnet, müsse aber von Seiten des Bundes die Umlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wegfallen. Die Stadtwerke wollten sich aktiv an der Energiewende beteiligen. „Wir leiden unter den hohen Netzentgelten, die zu Strompreiserhöhungen führen“, sagte Trunk. Durch die neue Anlage könne künftig auch der Strompreisanstieg für die Verbraucher eingedämmt werden.

 Zwei Millionen Euro hat das Münchner Start-up-Unternehmen Enerstorage für den Bau der Power-to-Heat-Anlage in die Hand genommen, sechs Monate währte die Bauzeit. Enerstorage hatte auch die Technik entwickelt. Eine ähnliche Anlage in Flensburg ist nicht direkt ans Fernwärmenetz angeschlossen, sondern Teil eines dezentralen Energiesystems. Die Wärme wird zunächst in einem Speicher zwischengelagert.

 Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) forderte nach Neumünster eine Erweiterung der technischen Möglichkeiten. „Es reicht nicht aus, sich auf Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen zu beschränken“, sagte er mit Blick auf die schwarz-rote Bundesregierung. Deren Verhalten im Zuge der EEG-Novelle sei hasenfüßig und verspiele Zukunft. „Wir brauchen mehr Mut zu Experimenten.“ Der Bund müsse Rahmenbedingungen schaffen, „damit wir testen können, wie die Energiewelt der Zukunft funktioniert“.

 Vorbild für die Landesregierung ist Dänemark, das im Wärmesektor schon heute zu 45 Prozent auf erneuerbare Energien zurückgreift und diesen Anteil bis zum Jahr 2025 auf bis zu 85 Prozent steigern will. Schleswig-Holstein lag im Jahr 2014 bei 13,5 Prozent und will dies bis 2025 auf 22 Prozent steigern.

 Unerwartete Unterstützung erhielt Habeck von der Opposition. „Power-to-Heat kann durchaus eine Ergänzungslösung sein“, sagte die CDU-Abgeordnete Petra Nicolaisen. Jetzt müsse sich die Landesregierung im Bund für weitere Speichermöglichkeiten einsetzen. „Ohne vorhandene Netze wird der Windkraftausbau weiterhin zu hohen Entschädigungszahlungen an die Windanlagen-Betreiber führen.“ Allerdings sei auch die Bundesregierung gefordert.

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