16 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Städte wollen Umlandgemeinden in die Pflicht nehmen

Krach um sozialen Wohnungsbau Städte wollen Umlandgemeinden in die Pflicht nehmen

In Schleswig-Holstein ist ein Stadt-Umland-Krach über den Bau von Sozialwohnungen entbrannt. Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Vertreter der Wohnungswirtschaft warfen den Umlandgemeinden vor, sich auf den Bau von Einfamilienhäusern zu konzentrieren.

Voriger Artikel
Petry stimmt Partei auf Einzug in Kieler Landtag ein
Nächster Artikel
Junger Helfer wurde selbst zum Opfer

„Städte wie Kiel, Flensburg oder auch Lübeck dürfen aber nicht allein gelassen werden“, sagte VNW-Direktor Andreas Breitner.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. „Wenn dort überall nur kleine Blankeneses entstehen, ist das für die Sozialstrukturen in Kiel ein Problem“, sagte Kämpfer. „Sozialer Wohnungsbau kann nicht allein eine Aufgabe der Zentren sein“, ergänzte Flensburgs Bürgermeister Henning Brüggemann.

 Rückendeckung erhielten die Städte vom Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW). „Wir haben es immer nur mit den üblichen Verdächtigen zu tun, wenn es um den sozialen Wohnungsbau geht“, beklagte VNW-Direktor Andreas Breitner auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am Donnerstag im Landeshaus. „Städte wie Kiel, Flensburg oder auch Lübeck dürfen aber nicht allein gelassen werden.“ Der Ex-Innenminister forderte zudem das Land auf, den Sozialbau über eine Sonderregelung im Kommunalen Finanzausgleich zu fördern und für solche Projekte die Grunderwerbsteuer zu senken.

 Ihren Weckruf begründeten Städte und Wohnungswirtschaft mit dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Schleswig-Holstein. Nach Angaben der Regierung gibt es landesweit nur noch etwa 47000 Sozialwohnungen, fast 30000 weniger als zur Jahrtausendwende. In Kiel hat sich die Zahl der Sozialwohnungen binnen zehn Jahren auf 6130 mehr als halbiert. „Wir brauchen bis 2020 wegen des Bevölkerungszuwachses 21000 zusätzliche Wohnungen, darunter mehrere tausend Sozialwohnungen“, rechnete Kämpfer vor. „Die Stadt wird auch wieder selbst bauen, wenn sich für ein Baufeld kein Investor findet.“

 Der Oberbürgermeister kündigte an, auf einem Treffen mit den Umlandgemeinden am Montag für den Sozialwohnungsbau zu werben. Es sei ein Vorurteil, dass günstige Wohnungen „Verwahrlosung und Elend“ bedeuteten. Allein könne Kiel es nicht schaffen. Breitner legte nach. Im Kieler Umland würde nur Kronshagen Sozialwohnungen bauen, aber nur zwölf Einheiten und das auch nur, um eine Auflage für Landesmittel zu erfüllen. Kronshagens Bürgermeister Ingo Sander wies die Kritik als unberechtigt zurück.

 In kleineren Orten wie in Felde wurden zwar Baugebiete ausgewiesen, aber nicht für Sozialwohnungen. Der Gemeindetag forderte die Regierung auf, den Gemeinden beim Wohnungsbau mehr Spielraum zu geben. In der Landespolitik bleiben die Forderungen der Städte und der Wohnungswirtschaft umstritten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3