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Kein Abbruch wie jeder andere

Steilküste Schwedeneck Kein Abbruch wie jeder andere

Steter Wandel gehört zum Alltag an der lebendigen Steilküste Schwedenecks. Doch was sich jetzt im Ortsteil Stohl bewegte, hat Lisa Lange (74) noch nicht erlebt. Und sie wohnt immerhin seit sieben Jahrzehnten dort an der Küste, ist jeden Tag mit ihrem Hund am Strand unterwegs.

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Wie eine Mondlandschaft mutet die Steilküste bei Stohl an. Unterspült von stürmischer See, brechen große Abschnitte unter der Last des Regens zusammen.

Quelle: Uwe Paesler

Schwedeneck. Stück für Stück brach in den vergangenen zwei, drei Wochen in Stohl ein etwa 80 Meter langer und acht Meter breiter Abschnitt der Steilküste ab. Sackte samt Wanderweg mehrere Meter hinab, löste weitere Erdlawinen aus: eine Spätfolge von Sturmtief „Axel“ im Januar.

Nun gleicht der Strand links von der hohen Treppe einer bizarr zerklüfteten Mondlandschaft, „Schauen Sie mal – die Brocken dort“, sagt die Stohlerin und zeigt fasziniert auf markante große Lehmklumpen am Hangfuß. „Das ist interessant, das müssen die Leute sehen“, begeistert sie sich. Und in der Tat bleibt hier jeder Spaziergänger stehen. Ganz klein vor der zerklüfteten hohen Wand, beeindruckt von den Naturgewalten. Auch dunkler Mutterboden vom Acker oben rutscht in Lachen hinab. Und überall liegen „Klamotten“ herum – Gesteinsbrocken, die aus der Eiszeit-Erde purzelten.

Lisa Lange dreht hier täglich mit Jasmina, einer lebhaften Deutsch-Kurzhaar-Hündin, ihre Runde. „Einmal über die Kante gucken“, nennt die sportlich wirkende Frau das. Mit ihrem Mann lebt sie in einem Haus in Sichtweite der Ostsee. Dass an der lebendigen Steilküste in Schwedeneck immer mal was abbröckelt, ist normal, weiß sie. Aber das hier – das nicht!

Steilküste bei Schwedeneck ist lebendig

Grundsätzlich ist die Steilküste in Schwedeneck aufgrund ihrer hohen Sandanteile besonders lebendig, erklärt der Geologe Dr. Klaus Schwarzer vom Institut für Geowissenschaften der Kieler Christian-Albrechts-Universität. Die vielen hellen Schichten sind Schmelzwassersande – Spuren von längeren Tauperioden in der Eiszeit und an ihrer gleichmäßigen Schichtung zu erkennen. Der Sand erodiert leichter als der zähe Geschiebemergel, der hier ebenfalls die Küste prägt. Zudem liegt die lange Küste Schwedenecks sehr exponiert.

Besonders bei Nordostwind – so wie Anfang Januar – krachen hier die Wellen mit Wucht aufs Land. Und „Axel“ bescherte der Ostsee immerhin die stärkste Sturmflut seit 2006. Bei Stohl rissen die Wellen damals die unteren drei Meter der viel genutzten – mittlerweile reparierten – Treppe zum Strand weg.

Hier sehen Sie Bilder von der Steilküste in Schwedeneck.

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Von Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck

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