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Warm einpacken und auf Glück hoffen

Sternschnuppen-Nächte Warm einpacken und auf Glück hoffen

Wer in in den kommenden Nächten in den Himmel schaut, könnte ein ganz besonderes Schauspiel erleben: Ab 22 Uhr leuchten nach Angaben von Thomas Schröder (54), ehrenamtlicher Leiter der Kieler Sternwarte, bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde auf.

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In den kommenden Nächten sollen besonders viele Sternschnuppen über ganz Deutschland zu sehen sein.

Quelle: Becker&Bredel/imago

Kiel/Offenbach. Die Chance, zumindest einige zu sehen, sind dieses Jahr besonders groß.

Warum das so ist, führt Schröder auf zwei Gründe zurück: Zum einen störe der Mond mit seiner Leuchtkraft nur wenig, zum anderen quere die Erde auf ihrem Weg um die Sonne die Bahn des Kometen Swift-Tuttle häufiger. Dabei „schmilzt der große schmutzige Schneeball“, beschreibt der Sternenexperte, wenn der Komet auf seinen Umläufen verschiedene Schuttstreifen aus Steinchen, Gas und Eis verliert. Fallen die Trümmer in die Erdatmosphäre, verglühen sie, wobei sich Gas um die Körper bildet. „Was wir sehen, ist das Aufleuchten der Lichthülle, seltener das der Teile selbst“, erklärt Schröder. Im normalen Leben ist er Elektrotechniker, doch die Faszination des Alls hält ihn bereits seit mehr als 20 Jahren in Bann. Die Sternwarte an der Fachhochschule leitet er seit fünf Jahren ehrenamtlich.

Die Zahl der Sternschnuppen ist nicht in jedem Jahr gleich. Denn der Komet Swift-Tuttle, benannt nach seinen beiden Entdeckern, Lewis Swift und Horace Parnell Tuttle, kommt nach Angaben von Astronomen nur rund alle 134 Jahre der Umlaufbahn der Erde besonders nahe – zuletzt 1992 und das nächste Mal 2126. Perseidenströme heißen sie, weil sie aus dem Sternbild Perseus zu kommen scheinen. Im Volksmund werden die Sternschnuppen auch als „Tränen des Laurentius“ bezeichnet, weil sie um den Namenstag dieses Heiligen am 10. August zu sehen sind.

Auch wenn der Himmel weint, ist das Glück nicht fern: Schließlich geht mit jeder Sternschnuppe ein Wunsch in Erfüllung, vorausgesetzt, man verrät ihn nicht. Woher dieser jahrhundertealte Aberglaube kommt, ist bis heute unbekannt. Als eine mögliche Erklärung gilt, dass Menschen in den Sternen einst göttliche Lichtfunken am dunklen Firmament vermuteten. Die über das Nachtblau ziehenden Sternschnuppen interpretierten sie als Dochte, die den Engeln beim Putzen der Himmelskerzen herunterfielen. Und so hoffte man auf göttlichen Beistand oder einen Engel an der Seite, wenn man beim Anblick einer Sternschnuppe einen stillen Wunsch äußerte.

Auch wenn in Norddeutschland die Chancen auf eine freie Perseiden-Sicht vom Wetter her angeblich nicht so gut wie im Süden stehen, rät Schröder in der Nacht zu Sonnabend oder zu Sonntag möglichst am Kieler Stadtrand, wo es dunkel ist, zwischen 22 und 4 Uhr den Himmel zu beobachten. Bei etwa 100 Sternschnuppen pro Stunde sollte es möglich sein, einige von ihnen zu entdecken und manches von der Wunschliste abzuarbeiten. Im vergangenen Jahr, das als kein besonders gutes Perseiden-Jahr galt, konnte Schröder bei Freunden im Schrebergarten am Hasseldieksdammer Weg beobachten, wie es Sternschnuppen regnete.

Wer die Sternschnuppen nicht allein beobachten will, kann am Sonnabend, 13. August, um 19 Uhr (Treffpunkt Kasse am Mediendom) zur Sternwarte der Fachhochschule kommen. Es gebe zwar keine spezielle Perseiden-Veranstaltung, so Schröder, doch die Sternwarte bleibt nach einer Führung und Sonnenbeobachtung für Interessierte noch länger offen.

Perseiden

Erklärung: Perseiden

Die Perseiden haben ihren Namen daher, dass sie scheinbar aus dem Sternbild Perseus kommen, das im Nordosten aufgeht. In diesem Jahr regnet es dank Jupiter besonders viele Sternschnuppen. Denn der Gasriese kreuzt - wie etwa alle zwölf Jahre - die Kometenlaufbahn, erläutert der Astronom Hans-Ulrich Keller aus Stuttgart. Seine Schwerkraft lenkt den Hauptteil der Trümmerstücke, die vom Kometen 109P/Swift-Tuttle stammen, näher an die Erdbahn heran. Die Perseiden gehören mit einer Geschwindigkeit von 216000 Kilometern pro Stunde zu den schnellsten Sternschnuppen.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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