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Rente versteuern - ja oder nein?

„Alterseinkünfte-Rechner“ Rente versteuern - ja oder nein?

Wenn Finanzministerin Monika Heinold im Land unterwegs ist, wird sie immer wieder von älteren Schleswig-Holsteiner gefragt: Muss ich eigentlich meine Rente versteuern? Eine Frage, die auch die Finanzministerin nicht mal eben beantworten kann, denn die Sache ist kompliziert.

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Haben auf Einladung von Finanzministerin Monika Heinold (2. v. re.) den Rechner getestet (von links): Jens-Uwe Ehrlich, Rolf Naumann, Anke Rönnau, Kirsten Jordt, Gerd Brüning und Siegfried Reuter.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Klar ist aber: Immer mehr Rentner sind von der Steuererklärungspflicht betroffen. Ob jemand dazu gehört, das soll der „Alterseinkünfte-Rechner“ beantworten.

 Eigentlich mussten Rentner ab einer bestimmten Einkommensgrenze schon immer eine Steuererklärung abgeben. Doch viele sind davon ausgegangen, dass sie ohnehin nicht steuerpflichtig sind, und haben die lästigen Erklärungen kurzerhand vergessen. Doch seit 2005 muss jeder neue Rentnerjahrgang einen größeren Anteil seiner Bezüge versteuern: Für die, die 2015 in Rente gegangen sind, gilt das bereits für 70 Prozent der Einkünfte. Und: Seit 2008 erfahren die Landesfinanzbehörden von jeder Rente, die in Deutschland ausgezahlt wird. Das Risiko, erwischt zu werden, ist damit massiv gestiegen. Dann wird die Steuer nachträglich für mindestens vier Jahre festgesetzt. Und wenn bei hohen Renten die Steuerpflicht offensichtlich gewesen ist, kann der Betroffene sogar wegen leichtfertiger Steuerverkürzung oder Steuerhinterziehung belangt werden.

 Viele Rentner wollen deshalb abklären, ob sie eine Steuererklärung abgeben müssen oder nicht. Doch sie fühlen sich damit oft überfordert, finden oft nur die pauschale Aussage: Wer als Alleinerziehender maximal 8472 Euro im Jahr hat, braucht keine Steuer zu zahlen. Doch zum Glück haben viele Rentner mehr als jene 760 Euro im Monat. Damit sie selbst herausfinden können, ob sie dennoch um eine Steuererklärung herumkommen, hat Heinold den „Alterseinkünfte-Rechner“ entwickeln lassen. Ob der verständlich und nutzerfreundlich ist – das sollen an diesem Nachmittag Vertreter von Senioren-Union und AG 60plus testen. „Auch der Landesseniorenbeirat hat uns schon Tipps gegeben, was wir noch verbessern können“, erklärt Heinold und zeigt dann, wie der Internet-Rechner funktioniert.

 Wer ihn nutzen will, sollte vorher auflisten, welche Einkünfte er seit welchem Jahr bekommt. Das gilt für die gesetzliche Rente, für Witwenrenten, Erwerbsunfähigkeitsrenten, aber auch Sonderzahlungen, Betriebsrenten, Leibrenten, Einkünfte aus Vermietungen. Alle Einkünfte müssen in das Formular im Internet eingetragen werden. Doch schon beim ersten Eintrag murrt Jens-Uwe Ehrlich von der CDU-Senioren-Union. „Warum steht da ,Basisversorgungsrente 1 und 2’ und nicht Altersrente, Witwenrente – also Begriffe, die die Bürger kennen?“

 Beim Testdurchgang machen die Seniorenvertreter noch weitere Verbesserungsvorschläge. Diese sollen nun geprüft und wenn möglich eingearbeitet werden. Am Ende, nachdem alle Einkünfte und abzugsfähigen Pauschbeträge und Aufwendungen eingetragen sind, wirft der Rechner das Ergebnis aus: Der fiktive Rentner, der 25734 Euro brutto im Jahr erhält, muss eine Steuererklärung abgeben. Allerdings: Müsste der Rentner etwa 1000 Euro im Monat für Pflege im Heim oder zu Hause aufbringen, würde er sofort aus der Erklärungspflicht fallen.

 „Unser Rechner gibt natürlich keine rechtsgültige Auskunft. Er kann nur eine erste Orientierung liefern“, betont Heinold. Dennoch könne das sehr hilfreich sein, findet Kirsten Jordt von der SPD-Arbeitsgemeinschaft 60plus aus Steinbergkirche. Ihr Kollege Siegfried Reuter fände es dennoch bürgernäher, wenn das Finanzamt den betroffenen Rentnern eine Aufforderung zuschicken würde: „Das Finanzamt weiß doch, wie viel Renteneinkünfte man hat und kann einschätzen, ob derjenige eine Steuererklärung abgeben muss.“ Gegenargument der Finanzbehörden: Für eine Beurteilung müsse man auch die Lebensumstände kennen. Solche Briefe werde es daher nicht geben. Fazit: Jeder Rentner muss sich selbst um das Thema kümmern.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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