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Böden haben den Stickstoff satt

Wasser Böden haben den Stickstoff satt

Die Belastung für Grundwasser, Gewässer und Luft durch die Landwirtschaft ist noch größer als bisher bekannt. Das zeigt der erste Nährstoffbericht des Landes. „Mehr als Zweidrittel der Landwirte haben sich beim Düngen nicht an die gute fachliche Praxis gehalten“, sagt Prof. Friedhelm Taube, einer der Autoren.

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Besonders betroffen sind Gebiete mit intensiver Tierhaltung und mit vielen Biogasanlagen.

Quelle: Wolfgang Weihs/dpa

Kiel. „Es gibt großen, dringenden Handlungsbedarf, wenn unsere Nachkommen sauberes Trinkwasser haben sollen“, ergänzte Umweltminister Robert Habeck bei der Vorstellung des Berichtes in Kiel.

Mit dem Bericht wurde erstmals erfasst, wie groß die Belastung durch organischen Dünger und Gärreste aus Biogasanlagen tatsächlich ist. Dazu haben Prof. Taube und andere Wissenschaftler der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der Kieler Universität die Daten von 11000 Landwirten ausgewertet. Das Ergebnis ist eindeutig: „Intensive Tierhaltung und der Ausbau der Biogasanlagen haben zu einer besorgniserregenden Umweltbelastung durch Gülle und Gärreste geführt“, sagte Taube und nannte Zahlen.

Habeck will die Landwirte indirekt fördern

Die aktuelle Düngeverordnung schreibt vor: Pro Hektar und Jahr dürfen maximal 60 Kilogramm Stickstoff mehr eingesetzt werden, als in den später geernteten Pflanzen gespeichert werden kann. Tatsächlich beträgt der Überschuss aber 80 Kilogramm, und wenn man auch das Ammoniak berücksichtigt, sogar 118 Kilogramm. „Im Boden kann der Stickstoff kaum noch gespeichert werden. Damit belasten diese Überschüsse fast komplett die Umwelt, also Luft, Gewässer, Böden“, sagte Taube. Das Problem ist vor allem auf dem Geestrücken groß, wo sich auf sandigen Böden intensive Tierhaltungen und Biogasanlagen ballen.

Auch Habeck hält ein Umdenken bei der EU-Förderpolitik für notwendig. Um Landwirten die Abkehr von immer mehr Milch und immer mehr Fleisch zu erleichtern, könnten Bauern mit Geld belohnt werden, wenn sie etwas nicht produzieren. In Schleswig-Holstein will Habeck mit einer Million Euro pro Jahr jene Landwirte fördern, die auf eine boden- und gewässerschonende Düngetechnik umstellen – statt Gülleverteilung über den Prallteller eine gezielte Einarbeitung in den Boden.

Heutige Belastung erst in zehn Jahren wirksam

Und die neue Düngeverordnung, die Deutschland nun nach jahrelanger Verschleppung auf den Weg gebracht hat? Die enthält tatsächlich einige Verschärfungen. Taube und Habeck halten die neue Verordnung dennoch für unzureichend. „Sie wird unser massives regionales Problem nicht lösen“, sagt Taube. Er fordert deshalb von den Landwirten, mineralischen Dünger einzusparen und den organischen Dünger besser untereinander zu verteilen. „Wir müssen aber auch eine breite Debatte darüber führen“, findet Taube, „ob Tierhaltung in dieser Intensität und Konzentration noch sinnvoll sind.“

Was Umweltminister Habeck besondere Sorgen macht: Durch die Überdüngung werden schon jetzt die Nitrat-Grenzwerte für Trinkwasser in 22 von 55 Grundwasserkörpern deutlich überschritten. Das Wasser muss aufwändig mit anderem Wasser vermischt werden, ehe es in die Haushalte fließen darf. „Doch was wir heute da im Grundwasser messen, ist schon vor Jahren auf die Äcker gekommen“, betonte Habeck, „ein bis zwei Meter pro Jahr dringt das Nitrat weiter nach unten vor. Die heutige Belastung werden wir also erst in zehn Jahren im Grundwasser zu spüren bekommen.“

Es könnte ein böses Erwachen geben. Denn fest steht: Die Berechnungen im Nährstoffbericht basieren auf Daten bis 2010. „Seither hat sich das Problem noch vergrößert“, sagt Taube – durch die Gärreste aus den Biogasanlagen, die ökologisch wie Gülle wirken, und durch den Anstieg der Milchkühe um etwa 35000 auf 400000 Tiere.

So verteilt sich der Überschuss auf die Kreise:

Stickstoffüberschuss in Schleswig-Holsteins Böden
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Wir belasten unsere Böden mit Stickstoff und Pestiziden, laugen sie aus mit Monokulturen – alles im Vertrauen auf die Fähigkeit der Böden, sich zu regenerieren. Doch unsere Grundwasserproben zeigen: Diese Fähigkeit ist begrenzt und an einigen Stellen schon überschritten. Nicht nur deshalb ist die Abkehr von der Überdüngung notwendig.

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