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Wie laufen Notaufnahmen richtig?

Streit nach UKSH-Kritik Wie laufen Notaufnahmen richtig?

Lange Wartezeiten, überfordertes Personal: Die Probleme in den Notfallambulanzen sind längst bekannt. Ursächlich sind mindestens zwei Faktoren: eine Unterfinanzierung der Notfallmedizin und Patienten mit Bagatellbeschwerden, die die Notaufnahmen bevölkern und die Versorgung Schwerkranker gefährden.

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Wie werden Patienten hier richtig empfangen und vermittelt? Die Notaufnahme am UKSH in Kiel.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Laut Monika Schliffke, Vorstandvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung, würden immer mehr Patienten selbst ihre Erkrankung als Notfall definieren und dann zu Sprechstundenzeiten statt zum niedergelassenen Arzt direkt ins Krankenhaus gehen. „Dadurch sind die Ambulanzen in den Kliniken überlastet.“ Und es kommt zu der unwirtschaftlichen Situation, dass Spezialisten in Kliniken Patienten behandeln, die beim Hausarzt ebenso gut versorgt wären. Eine kostendeckende Notfallversorgung ist da nicht mehr zu leisten: „Das UKSH erhält für seine Hochschulambulanzen 69,91 Euro pro Fall und für seine Notaufnahmen durchschnittlich 32 Euro pro Fall – benötigt würden aber jeweils 185 Euro, um die Kosten zu decken“, rechnet Sprecher Oliver Grieve vor.

Die Frage ist also, wie man Bagatell- von echten Notfällen trennen kann. Eine Lösung sehen Landesregierung, Krankenhäuser und Kassenärztliche Vereinigung (KVSH) in sogenannten Portalpraxen. Sie sollen an Krankenhäuser angeschlossen und rund um die Uhr geöffnet sein. Jeder Patient, der eine Notfallambulanz aufsucht, würde dort zunächst von einem Arzt angesehen werden. Dieser entscheidet, ob ein Patient stationär aufgenommen, vor Ort ambulant behandelt oder an eine Arztpraxis verwiesen wird. Nur echte Notfälle würden also in der Klinik landen.

Portalpraxen nicht absehbar

Auch wenn sich die Verantwortlichen in Schleswig-Holstein über das Prinzip einig sind: Die Einrichtung von Portalpraxen ist derzeit nicht absehbar. Weder die Finanzierung ist geklärt noch gibt es eine gesetzliche Grundlage. Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD) war mit ihren Bemühungen bisher erfolglos: „Wir haben uns auf Bundesebene intensiv für eine erweiterte rechtliche Grundlage für Portalpraxen eingesetzt und werden dies weiterhin tun.“ In Schleswig-Holstein sei man anderen Bundesländern voraus, so die Ministerin.

Zwar sind in dem seit Januar 2016 geltenden Krankenhausstrukturgesetz die Portalpraxen erwähnt. Aber auf Bundesebene sei der Begriff anders belegt, erklärt KVSH-Sprecher Marco Dethlefsen: „In Berlin versteht man unter Portalpraxen das, was in Schleswig-Holstein die Anlaufpraxen sind.“

Anlaufpraxen als Zwischenlösung

Anlaufpraxen zählen hierzulande zum ärztlichen Bereitschaftsdienst und sind nur dann für die Menschen zuständig, wenn die niedergelassenen Ärzte geschlossen haben: abends, in der Nacht und am Wochenende. Hierher kommen Patienten, wenn ihre Beschwerden so stark sind, dass sie nicht warten wollen, bis die Hausarztpraxis wieder geöffnet hat. 30 dieser Praxen gibt es in Schleswig-Holstein. Sie sind erreichbar unter der zentralen Rufnummer 116117. Und genau in diesen Anlaufpraxen liegt eine mögliche Zwischenlösung. Zumindest nach der Vorstellung von Bernd Heinemann, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag. Er setzt sich dafür ein, dass die Anlaufpraxen zügig in allen Krankenhäusern mit Notfallambulanzen eingerichtet werden. Denn sie würden dort, wo sie schon an eine Klinik angeschlossen sind, bereits jetzt die gewünschte Filterfunktion übernehmen. Dies gelte zwar nur außerhalb der üblichen Praxissprechzeiten, aber gerade abends und am Wochenende seien laut Heinemann die Notfallambulanzen überfüllt.

Einen ganz anderen Vorschlag macht der Gesundheitsexperte der CDU-Fraktion, Karsten Jasper. Er will sich auf Bundesebene auch für die Portalpraxen stark machen, kann sich aber auch eine geringe Selbstbeteiligung vorstellen, die die Patienten zu zahlen haben, wenn sie eine Notfallambulanz aufsuchen. „Dann denken sie vielleicht darüber nach, ob sie in die Notaufnahme kommen, um sich die Wartezeiten beim Hausarzt und den anschließenden Termin beim Facharzt zu sparen.“

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Ein Artikel von
Karen Schwenke
Lokalredaktion Kiel/SH

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UKSH
Foto: Hier wurden die Patienten nicht rasch behandelt: Notaufnahme am UKSH in Kiel.

Nach den KN-Berichten über stundenlange Wartezeiten von Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall in der Notfallambulanz des Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) fordern die Fraktionen im Kieler Landtag eine Optimierung der Notfallversorgung.

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