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Wie sicher sind kleine Kliniken?

Streit um Geburtshilfe Wie sicher sind kleine Kliniken?

Nirgendwo sterben so viele Geburtskliniken wie in Schleswig-Holstein: In 20 Jahren wurden 14 von 36 Geburtskliniken geschlossen – fast 40 Prozent. Geht es nach den Kassen, könnten es noch viel mehr werden. Das Argument: Kleine Kliniken böten viel weniger Sicherheit für Babys als große Zentren. Doch der Forscher, der das vermeintlich belegt, sagt: „Das stimmt so nicht.“

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Jasmin Päsch aus Preetz und ihr Sohn Max fühlen sich in der Preetzer Klinik von Schwester Peggy Neubauer und dem gesamten Team optimal versorgt.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Der Verband der Ersatzkassen (VDEK) hält eine weitere Reduzierung für sinnvoll, auf 12 oder 13 größere Geburtszentren. Man verweist auf die neue Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin. Danach gibt es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen jährlichen Geburtenzahlen unter 500 in Geburtskliniken und einer schlechten Qualität. „Für uns Ersatzkassen bedeutet das, dass wir im Interesse der maximalen Sicherheit von Mutter und Kind für unsere Versicherten auf größere – und damit sicherere – Einheiten setzen. Weniger Standorte bedeutet ja auch, dass diese dann mehr Geburten haben werden. Und Übung macht den Meister – mit Sicherheit!“, sagt Armin Tank, Leiter des VDEK in Schleswig-Holstein.

Der VDEK und die neue Leitlinie berufen sich auf eine Studie, die Dr. Günther Heller vom Aqua Institut mit Kollegen erstellt hat. Danach sterben Neugeborene in Kliniken mit weniger als 500 Geburten im Jahr fast 3,5 Mal so häufig wie in Kliniken mit mindestens 1500 Geburten. „Das war damals tatsächlich das Ergebnis unserer Studie“, erklärt Dr. Heller auf Anfrage. „Doch es betraf Hessen in den 90er-Jahren. Es gilt für Frühgeburten, nicht jedoch für normalgewichtige Neugeborene.“ Die Studie ist damit folglich aktuell nicht mehr aussagekräftig für Schleswig-Holstein. Denn Geburtskliniken sind schon seit 2006 nicht mehr für Frühgeburten und Risikoschwangerschaften zuständig. Diese Frauen müssen an die großen Perinatal-Zentren verwiesen werden.

„Einen Zusammenhang zwischen Qualität und Fallzahl gibt es also nur in der Risikogeburtshilfe“, sagt Dr. Achim Niesel, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe in der Klinik Preetz. „80 bis 85 Prozent der Geburten benötigen aber nicht einmal einen Kinderarzt. Der Regelfall ist immer noch die normale Geburt, und die kann in einer Geburtsklinik stattfinden.“ Unterstützung für diese Bewertung bekommt Dr. Niesel vom Hebammenverband Schleswig-Holstein und dem Elternverein Geburt.

Auch beim Land sieht man offenbar Klärungsbedarf. Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD) soll dem Landtag im Herbst einen Bericht zur Geburtshilfe vorlegen. Dazu wurde das Aqua Institut beauftragt, die Qualität im Land anhand von Daten zu analysieren. Doch daraus wird nichts: Der Gemeinsame Bundesausschuss verweigerte die notwendige Zustimmung. Ohne die bekommen die Forscher keinen Zugang zu den Daten. Nun, heißt es im Sozialministerium, sucht man nach einem anderen Weg.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kommentar

Eine Studie über Geburtshilfe, die längst überholt ist. Aktuelle Daten, die nicht zugänglich gemacht werden. Ja, werden wir hier alle an der Nase herumgeführt?

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