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Streit um Honorarkräfte spitzt sich zu

Pflegeheime Streit um Honorarkräfte spitzt sich zu

In der Pflege bahnt sich ein offener Konflikt an. Die Pflegeheime in Schleswig-Holstein sehen sich durch die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, illegal Honorarkräfte zu beschäftigen, zu Unrecht in die kriminelle Ecke gestellt. Ohne Honorarkräfte müsse der Pflegenotstand ausgerufen werden.

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Irini Aliwanoglou, Geschäftsführerin der Pflege Schleswig-Holstein hält Honorarkräfte in der Pflege für rechtlich bedenklich. Die Vorgesetzte von 330 Mitarbeitern fordert eine politische Lösung.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Um das zu demonstrieren, werben Betreiber für eine spektakuläre Aktion: Sie wollen einen Tag auf Honorarkräfte verzichten und die Pflegebedürftigen in Kliniken bringen.

 „Die Stimmung schwankt zwischen Empörung und Verzweiflung“, sagt ein Heimleiter. Deshalb wachse die Unterstützung für die Aktion „Heime in Not“. Sie soll zeigen, was es bedeutet, bei akutem Fachkräftemangel keine Honorarkräfte mehr einsetzen zu dürfen: „Dann bleiben Pflegebedürftige ohne Medikamente, ohne Essen und Trinken, Hygiene oder nachts einfach ohne Aufsicht. Das ist natürlich unverantwortlich und deshalb werden wir sie dann alle ins Krankenhaus bringen lassen“, lautet die Drohkulisse.

 Betreiber von Pflegeheimen und Ambulanten Diensten kritisieren, dass die Razzien in 110 Einrichtungen Ende April ein falsches Bild in der Öffentlichkeit erzeugt haben. „Eine ganze Branche wird unter Generalverdacht gestellt. Doch der vermeintliche Skandal ist nur ein Symptom für die Strukturprobleme in der Pflege“, kritisiert Jan Dreckmann vom Paritätischen, in dem etwa 20 Pflegeeinrichtungen organisiert sind. Es sei strikt abzulehnen, wenn Einrichtungen Mitarbeiter in die Freiberuflichkeit drängen. Oft sei es aber die blanke Not, die Einrichtungen zu Honorarkräften greifen lasse.

 Das bestätigt auch eine Heimleiterin aus dem Kreis Segeberg. „Ich nehme doch keine Honorarkräfte, um Geld zu sparen. Das funktioniert auch gar nicht. Denn mit Zuschlägen und Wegepauschale zahle ich der Agentur oft 50 Euro die Stunde. Das bekommt aber nicht alles die Honorarkraft.“ Eine andere Heimleiterin berichtet, Bewerber wollten oft nur noch Teilzeit arbeiten. „Dann zahlen wir Sozialabgaben, die Kräfte sind krankenversichert und können die übrige Zeit als Honorarkräfte gut hinzuverdienen.“

 Unisono fordern deshalb Träger von der Politik Verbesserungen für die Pflege – das betreffe das Entgelt, die Arbeitsbedingungen und die Wertschätzung. Nur so könnten wieder mehr Menschen für Pflegeberufe gewonnen und dort gehalten werden.

 Patricia Drube vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe sagt, es seien die Arbeitsbedingungen, die viele Fachkräfte in Schleswig Holstein veranlasst hätten, Festanstellungen aufzugeben. Die Gewerkschaft Verdi fordert hingegen wirksame Verbote von Scheinselbstständigkeit. „Wir erleben Scheinselbstständigkeit mittlerweile in allen Bereichen der Gesundheitsbranche. Ursache ist die Ökonomisierung des Gesundheitswesens“, sagt Steffen Kühhirt von Verdi.

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Die Arbeitnehmer um Lohn und soziale Absicherung gebracht, den Sozialkassen Millionen vorenthalten: Klar, das entfacht Empörung, da ruft man gerne: Haltet den Dieb! Doch wer die Pflegebetreiber insgesamt und allein für die Zustände in der Branche verantwortlich macht, der macht es sich zu einfach.

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