16 ° / 11 ° stark bewölkt

Navigation:
Norden bei Inklusion deutlich überm Bundesschnitt

Studie Norden bei Inklusion deutlich überm Bundesschnitt

Im nördlichsten Bundesland gehen Kinder mit Förderbedarf besonders oft auf eine normale Schule. Dies bescheinigt jetzt auch die Bertelsmann-Stiftung. Doch man dürfe nicht nur die Quote im Blick haben, mahnt etwa die CDU.

Voriger Artikel
Schleusenbau gerät ins Stocken
Nächster Artikel
Schulterschluss für den Ausbau

Schleswig-Holstein ist deutschlandweit in Sachen Inklusion weit vorn: 60,5 Prozent aller Kinder mit Förderbedarf besuchten hier im Schuljahr 2013/14 eine Regelschule, wie die Bertelsmann Stiftung mitteilte.

Quelle: Holger Hollemann/dpa

Kiel/Gütersloh. Schleswig-Holstein liegt bei der Inklusion weit vorn: 60,5 Prozent aller Kinder mit Förderbedarf besuchten hier im Schuljahr 2013/14 eine Regelschule, wie eine am Donnerstag von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichte Studie zeigt. Damit liege Schleswig-Holstein Land deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 31,4 Prozent. Nur in Bremen ist die Quote noch höher. Gleichzeitig ist der schleswig-holsteinische Schüleranteil an Förderschulen deutlich gesunken. „Mit diesen Zahlen schreibt Schleswig-Holstein seine positive Entwicklung auf dem Weg zu einem inklusiven Schulsystem fort“, teilte die Stiftung mit. Die Studienergebnisse lösten im Land eine erneute Debatte über Quantität und Qualität der Inklusion aus.

Nach Ansicht der Stiftungs-Experten ist besonders auffällig, dass die Chancen auf Inklusion im nördlichsten Bundesland auch in höheren Bildungsstufen bestehenbleiben. So liegt der Inklusionsanteil in den Kitas bei 84,3 Prozent (Bund 67 Prozent), in den Grundschulen bei 84,2 Prozent (Bund: 46,9 Prozent) und in den weiterführenden Schulen der Sekundarstufe bei 71,7 Prozent (Bund: 29,9 Prozent). Von den knapp 6400 Förderschülern auf einer weiterführenden Schule gingen allerdings nur gut vier Prozent (Bund: sechs Prozent) auf ein Gymnasium. „Inklusion im Sekundarbereich findet in Schleswig-Holstein also hauptsächlich an den Schulen mit mehreren Bildungsgängen und Gesamtschulen statt“, bilanzierte die Bertelsmann Stiftung.

Die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Heike Franzen, warnte davor, nur auf die Zahlen zu blicken: „Leider sagt diese Quote wie in den Vorjahren überhaupt nichts über das Gelingen der Inklusion aus.“ Ihrer Ansicht nach ist die Qualität der Inklusion in Schleswig-Holstein mehr als verbesserungswürdig. Franzen bedauerte in diesem Zusammenhang, dass Bildungsministerin Britta Ernst das praxisfremde Inklusionskonzept ihrer Vorgängerin Professor Waltraud Wende ohne jede Korrektur übernommen habe.

Auch die Lehrergewerkschaft GEW mahnte, „wir sollten uns durch diese Zahlen nicht blenden lassen“. Der Weg zu einem inklusiven Schulsystem sei richtig, aber die Quote sage nichts über die Qualität der Inklusion aus. „Sie sagt auch nichts über die realen Teilhabechancen von Kindern mit Handicap — ebenso wenig über die teilweise zermürbenden Arbeitsbedingungen für die Lehrkräfte“, sagte der GEW-Landesvorsitzende, Matthias Heidn. Aus Sicht der Gewerkschaft fehlen in Schleswig-Holstein immer noch rund 950 Lehrerstellen, damit der gemeinsame Unterricht hinreichend gelingen kann.

Das Quoten auf dem Weg zu mehr gemeinsamen Lernen nicht alles sind, wird auch in der Koalition gesehen. „Bei der Umsetzung der inklusiven Schule sind wir zwar auf einem guten Weg, vor allem aber in Sachen Qualität und Ausstattung haben wir noch einiges vor uns“, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Anke Erdmann. Ähnlich äußerte sich ihre Kollegin vom SSW, Jette Waldinger-Thiering: „Es gibt noch viele Stellschrauben, die wir feinjustieren müssen. Eine erfolgreiche Inklusion muss mit ausreichend Personal und Mitteln unterfüttert sein — da sind wir dran.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Schleswig-Holstein 2/3