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Wohnungsnot zum Semesterstart

Kiel Wohnungsnot zum Semesterstart

Rund 6000 neue Studierende starten in diesem Wintersemester an der Fachhochschule und der Uni. Sie müssen nicht nur ihre ersten Stundenpläne zusammenstellen, den Unialltag verstehen und sich mit dem Campus vertraut machen, sondern vor allem erst einmal eines: eine Wohnung finden.

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Günstige Zimmer für Studenten muss man mit der Lupe suchen. Auch zum neuen Wintersemester sind noch nicht alle Erstsemester fündig geworden.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Doch das ist bei den hohen Erstsemesterzahlen gar nicht so einfach. Zwar gibt es in Kiel neun Wohnheime, die jedoch alle bereits ausgebucht sind. Auf der Warteliste stehen mehr als 600 Kandidaten. Grund dafür ist unter anderem der doppelte Abiturjahrgang.

Leonie (21) studiert Pädagogik und Geschichte. Sie ist vor einem Jahr nach Kiel gekommen und hatte Glück. Sie fand pünktlich zum Studienbeginn ein Zimmer. Zum kommenden Semester möchte sie jedoch mit zwei Freundinnen eine neue WG gründen. „Die Suche nach dem einzelnen Zimmer war einfacher,“ erinnert sie sich. Denn für die neue Wohnung waren ihr einige Punkte besonders wichtig. „Sie sollte nah an der Uni sein und in einem Stadtteil liegen, in dem man nachts noch auf die Straße gehen kann.“ Seit Juni haben die drei Freundinnen eine solches Objekt gesucht und mittlerweile auch gefunden. „Die Suche war aber schon frustrierend und mühsam“, sagt Leonie.

"Wohnen für Hilfe"

So viel Glück hatte der angehende Jurastudent Julian (19) aus Bonn bisher nicht. Er hat unerwartet einen Studienplatz in Kiel bekommen und ist jetzt händeringend auf der Suche nach einer Wohnung. Vor allem am Anfang sei er häufig in Panik verfallen. Sein Studium sei daher mitunter nicht das beherrschende Thema in seinem Leben gewesen, obwohl er sich doch so auf den Start freut. „Aber auf der Straße kann ich schlecht wohnen“, sagt er.

Glücklicherweise gibt es für Studierende verschiedene Angebote, die die Wohnungssuche erleichtern sollen. Eines davon, „Wohnen für Hilfe“, existiert seit 2012. In dem Projekt wird privater Wohnraum mietfrei zur Verfügung gestellt. Dabei gilt die Faustregel: Pro Quadratmeter Wohnraum sollten die Studierenden eine Stunde praktische Hilfe im Monat leisten – im Haushalt, im Garten oder als Babysitter. Eine weitere Aktion ist „Deine Couch gegen Wohnungsnot“, die von den Allgemeinen Studierendenausschüssen der Uni und der FH ins Leben gerufen wurde und durch das Studentenwerk unterstützt wird. Es geht dabei vor allem um eine Bleibe für den Übergang: Studierende sollen so die Möglichkeit bekommen, für kurze Zeit auf einem Bett, einer Luftmatratze oder Couch unterzukommen, bis sie etwas eigenes gefunden haben.

Verschärfte Situation im Oktober

Besonders für ausländische Studierende ist es schwer, eine Wohnung zu finden. „Viele Austauschstudierende befinden sich noch im Ausland und müssen von dort aus suchen. Außerdem steht die Sprachbarriere im Weg,“ erklärt Jan Bensien vom International Center der CAU die Problematik. Die meisten ausländischen Studierenden kämen erst Anfang Oktober nach Kiel, sagt er, dann würde sich die Situation noch verschärfen.

Wie angespannt der Wohnungsmarkt ist, verdeutlichte in dieser Woche auch eine neue Studie des Moses-Mendelssohn-Instituts und des Onlineportals WG-Gesucht.de. Darin wurden bundesweit 91 Hochschulstädte mit mehr als 5000 Studierenden verglichen. Kiel kam hier auf den 26. Platz. Damit zählt die Fördestadt noch zur Gruppe, in denen „die Situation auf dem Wohnungsmarkt für Studierende aufgrund einiger riskanter Faktoren genau im Auge behalten werden“ muss, wie es in der Schlussfolgerung der Verfasser heißt.

Trotz der zu erwartenden Rekord-Studienanfängerzahlen unterscheidet sich das neue Semester jedoch nicht grundlegend von den vorherigen, schildert Volker Sindt von Haus&Grund seinen Eindruck. „Der Ansturm ist vor Semesterbeginn erfahrungsgemäß immer sehr hoch“, sagt er. „Studierende finden Wohnraum, aber sie können nicht unbedingt ihre erste Wahl nehmen.“ Sein Appell: Einmal über den Teller- oder besser: den Uferrand zu schauen. Das Ostufer habe ein schlechtes Image – daher gebe es dort Leerstände trotz niedrigerer Mieten. „Der Kiezcharakter ist in Städten wie Berlin oder Hamburg schick“, sagt Sindt. „Außerdem ist Gaarden der sonnigste Stadtteil.“ Außerdem lohnt die Suche nach einer Wohung in den Umlandgemeinden.

 Von Maline Kotetzki

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