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Sturmböen, Regen - und dann Sommer?

Wetteraussichten Sturmböen, Regen - und dann Sommer?

So mancher hat diesen Sommer schon abgeschrieben. Doch das sei viel zu früh, sagt ein Wetterexperte. Er macht sogar Hoffnung auf hochsommerliche Tage - nachdem ein Sturmtief über den Norden gezogen ist. Und statistisch gesehen ist der Jojo-Sommer gar nicht so ungewöhnlich.

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Der DWD warnt vor Sturmböen mit Geschwindigkeiten um 65 km/h (18m/s, 35kn, Bft 8) aus westlicher Richtung.

Quelle: Christian Ohde/imago

Kiel/Offenbach. Auch wenn sich viele kaum ohne Jacke aus dem Haus trauen: Die Hoffnung auf strahlende Sonne und Temperaturen um die 30 Grad muss niemand aufgeben. «Jetzt, Anfang August, sollte man den Sommer auf keinen Fall abschreiben», sagte Meteorologe Burkhard Kirsch vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Zwar bleibe es die kommenden Tage wechselhaft, zum nächsten Wochenende hin könne er aber ganz vorsichtig Hoffnung machen.

Mehrere Modelle deuteten an, dass die Temperaturen vom kommenden Sonnabend an mancherorts auf mehr als 30 Grad steigen könnten. «Es deutet sich tatsächlich eine sommerliche Periode an, genaues können wir aber noch nicht sagen», sagte Kirsch. Wirklich seriöse Vorhersagen seien nur etwa drei Tage im Voraus möglich. Generell könne es den ganzen August über und auch im September noch hochsommerlich warm werden. In Kiel und Schleswig-Holstein werden diese Temperaturen vermutlich nicht erreicht. Eine erste Prognose sagt Temperaturen um die 20 Grad vorher. Ein Mix aus Sonne und Wolken wird sich am Himmel zeigen.

Stürmische Böen an der Küste

Am Sonntag war es vor allem im Süden Deutschlands schön mit bis zu 28 Grad. Etwa in Berlin zogen aber immer wieder Wolken durch, mit 22 Grad war es in der Hauptstadt recht frisch, sagte Kirsch. «Und mal zum Vergleich: Vor genau einem Jahr hatten wir beispielsweise im Rhein-Main-Gebiet bis zu 40 Grad.»

Im Süden Bayerns könnte es auch am Montag noch recht schön bleiben, im Norden und vor allem an den Küsten erwartet der Meteorologe aber ziemlich ungemütliches Wetter: «Es wird windig, wahrscheinlich mit stürmischen Böen.» Von Unwettern sei das aber voraussichtlich «weit entfernt». Der DWD warnte am Montag auf seiner Webseite vor möglichen Sturmböen mit Geschwindigkeiten um 65 km/h (18m/s, 35kn, Bft 8) aus westlicher Richtung.

Von Dienstag an wird es dann überall kühler und im Süden Bayerns sehr regnerisch. Ob dann auch Unwetterwarnungen herausgegeben werden müssten, sei noch unklar, sagte Kirsch. Betroffen sei vor allem das Gebiet südlich der Donau. Erst am Sonntag hatte sich die Hochwasserlage in Bayern nach starken Regenfällen in den vergangenen Tagen weitgehend entspannt.

Sturmtief wirbelt Fahrpläne durcheinander

Das Sturmtief „Ella“ hat die Fahrpläne der Fährverbindungen durcheinandergewirbelt. Am Montag ließen die Reedereien Cassen Eils und Rahder ihre Helgoland-Fähren im Büsumer Hafen. Auch die Verbindung Hambug-Helgoland mit dem Katamaran „Halunder Jet“ fiel am Montag wegen des stürmischen Wetters aus.

Die Fährverbindungen im Wattenmeer zu den nordfriesischen Inseln und Halligen sowie in der Elbe waren von Ausfällen zunächst nicht betroffen. Die Schiffe der Wyker Dampfschiffreederei trotzten den stürmischen Winden ebenso wie die Elbfähren Glückstadt-Wischhafen und Brunsbüttel-Cuxhaven.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes greifen Ausläufer des Sturmtiefs mit Kern über der Norwegischen See auf Norddeutschland über. Auf Nord- und Ostsee bläst der Wind dabei mit stürmischen Böen der Stärke acht (um 75 km/h) aus Südwest bis West. In Nordfriesland seien vereinzelt Sturmböen der Stärke neun (88 km/h) möglich, warnten die DWD-Meteorologen.

Der Sommer? Typisch wechselhaft!

Der Sommer ist in Deutschland bisher ganz typisch wechselhaft, vielerorts aber auch ungewöhnlich nass verlaufen. «Die ersten beiden Sommermonate waren sehr abwechslungsreich und unbeständig. Das ist auffällig, aber auch typisch», sagte Meteorologe Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Freitag in Offenbach. Ein sehr heißer und beständiger Sommer wie etwa im Jahr 2003 sei eher die Ausnahme, dennoch hätten stabile Wetter-Perioden mit ein oder zwei freundlichen Wochen am Stück bisher gefehlt. Zu kalt war es aber keineswegs.

Am heißesten sei es in diesem Sommer bislang mit jeweils 36,4 Grad am 24. Juni in Berlin und am 20. Juli im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach gewesen. Die bundesweite Durchschnittstemperatur von 17,3 Grad liegt laut Lux rund ein Grad über dem Soll, das sich aus einer Referenz aus 30 Jahren ergibt. Im Schnitt am wärmsten war es demnach in Waghäusel (Kreis Karlsruhe) mit 19,6 Grad.

Regen-Sollwert bereits erreicht

Der Regen-Sollwert des Sommers ist an etlichen Messstationen bereits erreicht oder überschritten und auch ein neuer Sommer-Regen-Rekord aufgestellt: In Borken in Nordrhein-Westfalen sind im Juni und Juli schon 362 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Bislang lag der Rekord dort bei rund 313 Litern - allerdings im ganzen Sommer. Insgesamt sei der Juni ungewöhnlich nass gewesen. Schuld daran war eine Großwetterlage namens «Tief Mitteleuropa», bei der sich tiefer Luftdruck über viele Tage über Deutschland hält. «Das führte zu den vielen Niederschlägen und feuchter Luft», erklärt Lux.

Nichts auszusetzen hat der Meteorologe hingegen an der bisherigen Sonnenscheindauer: «Da liegen wir derzeit bei 65 Prozent des Solls für den gesamten Sommer. Das ist also genau das, was man nach zwei Monaten erwarten kann.» Wie fast in jedem Jahr war die sonnigste Ecke Deutschlands an der Küste im Nordosten zu finden, wo rund um Rügen und Hiddensee die Sonne gut 540 Stunden lang strahlte.

Nordrhein-Westfalen hingegen schneidet bisher als «trübste Ecke» ab, hier gab es im Juni und Juli viele Gewitter, Wolken und stellenweise hohe Niederschläge. «Dafür ist Duisburg und keineswegs Freiburg, wie oft angenommen wird, im Jahresmittel die wärmste Stadt der Republik. Einfach, weil es dort im Winter nicht so kalt wird», sagte Lux.

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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