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Versuchten Auftragsmord gestanden

Sylt Versuchten Auftragsmord gestanden

Ein Mann wird in einem leerstehenden Haus niedergeschossen. Er überlebt schwer verletzt, erinnert sich an die Tat aber nicht. Er soll Opfer eines Mordkomplotts sein, geschmiedet von seiner Frau und zwei Männern. Sie stehen nun in Flensburg vor Gericht.

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Einer der beiden männlichen Angeklagten sitzt in Flensburg (Schleswig-Holstein) im Saal des Landgerichtes. Drei Angeklagte müssen sich wegen eines geplanten Auftragsmords in Nordfriesland verantworten.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Flensburg/Rantrum. Zwei Männer haben vor dem Landgericht Flensburg gestanden, an einem geplanten Auftragsmord in Nordfriesland beteiligt gewesen zu sein. Initiatorin der Tat sei aber die mitangeklagte Ehefrau des Opfers gewesen, hieß es in Erklärungen, die die Anwälte der beiden Männer am Freitag verlasen. Die 43 Jahre alte Frau schwieg zu Prozessbeginn. Das Opfer des Mordkomplotts überlebte schwer verletzt.

Die Frau habe ihren Mann töten lassen wollen, um an dessen Vermögen zu gelangen, sagte der Staatsanwalt. Sie habe mit einem der Mitangeklagten ein Verhältnis gehabt und mit diesem zusammenleben wollen. Eine Trennung von ihrem Mann sei für die Angeklagte keine Option gewesen, sie habe befürchtet, im Fall einer Scheidung leer auszugehen. Der mitangeklagte 36 Jahre alte mutmaßliche Geliebte soll unter anderem die Tatwaffe besorgt und den 25 Jahre alten Schützen angeheuert haben. Diesem sollen 30 000 Euro für den Mord versprochen worden sein.

Das damals 58 Jahre alte Opfer, ein Immobilienmakler, war am 18. September nach Rantrum zu einem Besichtigungstermin in ein zum Verkauf stehendes Haus gelockt worden. Der 25-Jährige habe sich als Kaufinteressent ausgegeben und sei mit dem Makler aus Husum ins Haus gegangen, sagte der Staatsanwalt. Als dieser sich auf einer Treppe befand, habe der Angeklagte einen Revolver gezogen und fünf Schüsse auf den 58-Jährigen abgegeben. Er traf ihn zweimal in den Rücken. Anschließend habe der Angeklagte das Haus fluchtartig verlassen und den Tod seines Opfers zumindest in Kauf genommen. Der Mann überlebte, hat aber keine Erinnerung an die Tat.

Der jüngere Angeklagte gab in seiner Erklärung zu, die Schüsse abgefeuert zu haben. Er habe im Sommer mehrere Anrufe des 36-Jährigen erhalten. Zunächst habe dieser gefragt, ob er Geld verdienen wolle. Später kam der Auftrag, er solle den tyrannischen Mann einer Frau umbringen. Da er unter chronischem Geldmangel litt, habe er zugesagt. Die Frau habe er nie kennengelernt.

Am Tattag habe er zunächst fliehen wollen, als eine Zeugin ihn vor dem Haus ansprach. Den Rat, die Tat abzubrechen, habe er telefonisch auch von dem 36-Jährigen erhalten. Dann sei aber das Auto des Maklers vorgefahren und er habe gedacht „jetzt oder nie“. Er habe ans Geld gedacht. Er schäme sich sehr für seine Tat und sei froh, dass der Angeschossene überlebt habe. „Ich möchte mich ausdrücklich entschuldigen.“

Der 36 Jahre alte Mittelsmann gab zu, für die Frau die Waffe besorgt und den Schützen angeheuert zu haben. Geplant und initiiert habe aber sie allein die Tat. „Ich habe kein eigenes Interesse an seiner Beseitigung.“ Er bestritt, ein Verhältnis mit der Frau gehabt zu haben. Er habe das Ehepaar 2012 kennengelernt. Die Frau habe unter der Gewalttätigkeit ihre Mannes gelitten, sich ihm öfter anvertraut. „Mir ist bewusst, dass er das Opfer ist.“ Aber seine Gewalt und Verachtung gegenüber seiner Frau waren Ausgangspunkte für die Tat.

Er habe sich auf ihr Bitten umgehört, ob es jemanden gebe, der die Tat ausführen wolle. Er habe auch die Waffe besorgt. Der Tatplan und der Zeitpunkt seien aber von der Angeklagten bestimmt worden. Am Tattag habe er dem aufgeregten Schützen am Telefon gesagt, er solle abhauen und die Tat abblasen. Er bedauere die Geschehnisse zutiefst.

Der Prozess wird am 19. Juni fortgesetzt. Es sind zunächst neun Verhandlungstage angesetzt.

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