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Ein Paar wie aus dem Bilderbuch

Sylter Liebesfilm Ein Paar wie aus dem Bilderbuch

Ein Sylter Liebespaar wird zu Filmstars – über 100 Jahre nach seinem Tod. Der Flensburger Historiker Dr. Joachim Reppmann stieß bei seinen Forschungen auf die Geschichte von Mathilde und Bleik Peters, die Mitte des 19. Jahrhunderts nach Iowa auswanderten. Jetzt wird die Lovestory verfilmt.

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Bis ins hohe Alter waren Thilde und Bleik Peters unzertrennlich. Nur knapp verfehlten die beiden die Goldene Hochzeit. Zu ihrem Bedauern war die Ehe kinderlos geblieben.

Quelle: privat

Sylt. Die Filmwerkstatt Kiel der „Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein“ hat jetzt ein Recherche-Stipendium für die Lovestory zur Verfügung gestellt. Exemplarisch steht das Paar für rund 200000 Schleswig-Holsteiner, die von 1830 bis 1930 ihre Heimat in Richtung Amerika verließen.

Neun Monate lang grub sich Joachim Reppmann in Amerika und auf Sylt durch die Archive – und war von Anfang an hin und weg von den beiden Sylter Auswanderern. „Thilde, wie Mathilde genannt wurde, ist vergleichbar mit Angela Merkel oder Hillary Clinton“, erzählt der 58-Jährige begeistert. „Unter all den demokratischen Revolutionären von 1848 war sie immer einen Hauch brillanter als die besten Boys. Sie war eine Traumfrau, in einer Zeit, als es hieß: Männer machen Geschichte.“

Politik trennt das junge Paar wieder

Norddeutschland im Jahr 1846: Bleik Peters ist gerade 21 Jahre alt geworden, als er die damals 17-jährige Thilde Henningsen kennenlernt. Er hat in Husum ein Zimmer bei ihren Verwandten gemietet. Bereits nach wenigen Wochen verloben sie sich heimlich. Der junge Bleik schwärmt: „Thilde bezauberte durch ihre Liebenswürdigkeit, Bescheidenheit und Anmut. (...) Es war kein Wunder, dass ich innige Liebe für sie empfand.“ Doch die Politik bringt das junge Paar zunächst wieder auseinander. Bleik Peters studiert zwar von 1846 bis 1850 Jura in Kiel, Heidelberg und Flensburg, engagiert sich aber auch politisch. 1848/49 stellt er sich im Freiheitskampf der Schleswig-Holsteiner gegen Dänemark. 1852 besteigt er als gescheiterter 1848er-Revolutionär den Dampfer „Indian Queen“ und macht sich auf den Weg nach Amerika ins Exil. 6135 Kilometer Luftlinie von seiner Thilde entfernt, findet er einen Job als Farmer in Nebraska, dann als Barkeeper in St. Louis.

Seine Verlobte bleibt bei ihren Schwiegereltern wohnen. In dem „Altfriesischen Haus“ in Keitum ist heute das Heimatmuseum untergebracht. Der Vater von Bleik Peters ist damals auf der Insel ein geachteter Kapitän. 1854 packt auch Thilde die Koffer und fährt mit dem Dampfer „Oder“ von Hamburg nach New York. „Nach Umwegen über Detroit und Chicago erreichte sie vier Monate später mit einem letzten halben Dollar im Gepäck Davenport am Mississippi“, erzählt Joachim Reppmann. „Dort, westlich von Chicago, liegt das Zentrum der schleswig-holsteinischen Amerika-Einwanderung.“

"Sehr gemütlich in seinen Geschäften"

Noch am selben Tag eilt ihr Verlobter aus St. Louis herbei. Am nächsten Tag wird geheiratet. Thilde Peters schreibt über die Anfangsjahre: „Mein Peters ist ein lieber guter Hausherr und sehr gemütlich in seinen Geschäften. Wir stehen jeden Morgen um halb sechs auf und gehen um 9 Uhr zu Bette.“ 1857 wird Bleik Peters Notar und startet eine erfolgreiche juristische Laufbahn, die ihn bis zum angesehenen Amt des Friedensrichters führt, schildert Reppmann. Thilde macht sich einen Namen als Lyrikerin, Journalistin und Präsidentin des Davenporter Frauenvereins. „Sie hat viele Artikel und Gedichte in der deutschsprachigen Tageszeitung ,Der Demokrat’ veröffentlicht“, so Reppmann. Bis ins hohe Alter habe sie sich den Geist für Politik, Literatur, Kunst und Kultur bewahrt. Besonders am Herzen liegt Bleik Peters der Schleswig-Holsteinische 1848er Veteranenverein in Davenport, wo er viele Jahre Präsident ist. Im Alter von 73 Jahren stirbt Thilde Peters an einer Lungenentzündung, fünf Jahre später folgt ihr Bleik Peters.

Das Projekt soll die Geschichte des kinderlosen Paars mit neuem Leben erfüllen. Ein Kurzfilm sei in Kürze fertig. Reppmann: „Ich bin sehr optimistisch, dass wir via Filmförderung im Frühjahr 2016 unser Projekt fortführen können. Wir wollen weitere Filme drehen und das Projekt in einen größeren interaktiven digitalen Dialog bringen.“

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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