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Ein echter Krimi um Uwe Barschel

TV Ein echter Krimi um Uwe Barschel

Bei der ARD sitzen die Schleswig-Holsteiner am kommenden Sonnabend wirklich in der ersten Reihe. Der Sender widmet den gesamten Abend dem früheren Ministerpräsidenten Uwe Barschel und seinem rätselhaften Tod.

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Legendärer Auftritt: Nach der Affäre gibt Ministerpräsident Uwe Barschel (Matthias Matschke, Mitte) im Landeshaus seine Ehrenwort-Pressekonferenz: „Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe haltlos sind.“

Quelle: ARD

Kiel. In einem Polit-Thriller (20.15 Uhr) wird erstmals gezeigt, wie ein angebliches „Kill-Team“ den CDU-Politiker im Oktober 1987 in einem Genfer Hotel ermordet haben könnte. Eine anschließende Barschel-Doku (23.10 Uhr) beleuchtet neben der Mord-Theorie auch die beiden anderen möglichen Todesursachen, den nach den bisherigen Ermittlungen vermuteten Suizid sowie eine denkbare Sterbehilfe.

 „Die ARD wollte bewusst einen Schwerpunkt setzen“, berichtet Sprecher Bernhard Möllmann. Erst komme der preisgekrönte Thriller „Der Fall Barschel“ und dann nach dem fiktiven Politkrimi die NDR-Doku „Uwe Barschel – Das Rätsel“ mitsamt der „harten Fakten“. Wo der Schwerpunkt liegt, zeigt ein Blick in die Programmzeitschrift. Der Thriller endet nach knapp drei Stunden, die Doku bereits nach 30 Minuten. Das liegt auch daran, dass der NDR-Barschel-Experte Patrick Baab wenig Neues zu berichten weiß – abgesehen von der These, dass Barschel stärker im Waffenhandel mitgemischt und engere Kontakte zur CIA gehabt haben soll als vermutet. Handfeste Belege gibt es weder für das eine noch für das andere.

 Umso spannender ist der Thriller, der realistisch wie explosiv beginnt. Barschels Flugzeug streift im Mai 1987 beim Landeanflug auf Lübeck einen Funkmasten und zerschellt. Einziger Überlebender ist der Ministerpräsident, den Matthias Matschke nicht nur in Mimik und Gestik überzeugend spielt. Wer die Augen schließt, hört Barschel. Top-besetzt sind auch die beiden Hauptrollen, die der investigativen Journalisten David Burger (Alexander Fehling) und Olaf Nissen (Fabian Hinrichs). Sie klären nach der Spiegel-Veröffentlichung über die schmutzige Tricks aus der Staatskanzlei gegen Björn Engholm (SPD) in bester Watergate-Manier die Waterkantgate-Affäre auf. Ihre Hamburger Zeitung ist fiktiv, die Story von Barschels Ehrenwort-Pressekonferenz bis hin zu seinem Rücktritt fast dokumentarisch.

Kriminalpolitische Ausgewogenheit

 Barschels Tod im Genfer Hotel Beau Rivage spaltet das journalistische Dream-Team. Burger glaubt an Mord, Nissen nicht. Dieser Gegensatz zieht sich wie ein roter Faden durch den Thriller und sorgt so lange für eine kriminalpolitische Ausgewogenheit. Burger präsentiert ein Mordindiz nach dem nächsten. Nissen ordnet die Hinweise so ein, dass Suizid oder allenfalls Sterbehilfe möglich bleibt. Aus dem munteren Gekabbel wird schließlich bitterer Ernst. Burger nimmt wie Barschel Drogen, geht fremd, ist besessen von seiner Mordtheorie, lebt und liebt immer stärker in einer Parallelwelt.

 Der Mordtheoretiker entdeckt viele neue Spuren, wobei der Thriller sich sehr eng an die umstrittenen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Lübeck hält. Ob Barschels DDR-Reisen, Agent Mauss oder das U-Boot-Geschäft mit Südafrika, ob Stasi, Mossad oder CIA – in diese und noch viele weitere Richtungen recherchiert Burger. Immer wieder mischt dabei der Bundesnachrichtendienst mit, und fast immer geht es um angebliche Verstrickungen Barschels in den internationalen Waffenhandel. Selbst absurde Spuren werden ausgeleuchtet.

 Wirklich neu ist, dass Regisseur Kilian Riedhof erstmals zeigt, wie ein „Kill-Team“ den früheren Ministerpräsidenten getötet haben könnte, und zwar im Einklang mit den vom früheren Lübecker Chefermittler Heiner Wille ausgemachten Mord-Indizien. Eine Premiere, aber weiterhin kein echter Beleg für eine Mordtat.

 So oder so – der Polit-Thriller dürfte Krimi-Fans mit viel Sitzfleisch in den Bann schlagen und ist für Zeitzeugen der Kieler Affären fast Pflicht. Über das Ende lässt sich streiten. Es ist je nach Sichtweise entweder konsequent oder aber tragisch.

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Ein Artikel von
Ulf B. Christen
Landeshaus-Korrespondent

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Schönberg
Foto: Wegbegleiter Barschels: CDU-Politiker Werner Kalinka (li.) begrüßt den Cheffahrer des ehemaligen Ministerpräsidenten, Karl Heinz Posch. Auch andere Gäste kannten Barschel.

Der Thriller zum „Fall Barschel“ hat gerade in Schleswig-Holstein viele Menschen aufgewühlt. In Schönberg diskutierten am Sonnabend auf Einladung des CDU-Politikers Werner Kalinka mehr als 50 Zuschauer über den Krimi, den die ARD am Vorabend gezeigt hatte.

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