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Die Länge der Ewigkeit und andere Mythen

Tag der SH-Geschichte Die Länge der Ewigkeit und andere Mythen

Versunkene Städte, trotzige Nordfriesen und die untrennbare Einheit von Schleswig und Holstein – die Landesgeschichte steckt voller vermeintlicher Wahrheiten. Die erläutert die Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte (GSHG) am Sonnabend, 11. Juni, auf dem ersten „Tag der Schleswig-Holsteinischen Geschichte“.

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Lever duad üs Slaw – dieser Spruch ziert die Fahne der Nordfriesen. Der Mythos dieses unbeugsamen Volkes hält sich bis heute. Fakt ist jedoch, dass auch die stolzen Küstenbewohner unterwürfige Schreiben an den dänischen König richteten, um Steuern zu vermeiden. Diese und weitere Legenden werden beim ersten Tag der Schleswig-Holsteinischen Geschichte beleuchtet.

Quelle: W. Diederich/grafikfoto.de

Kiel. Der Aktionstag richtet sich an Besucher aller Altersklassen und will – für jedermann verständlich – Landesgeschichte auf neue Weise präsentieren.

„Mythen wecken das Interesse und stellen für viele Menschen ein Faszinosum dar“, sagt Prof. Thomas Steensen, Beiratssprecher der GSHG. „Es gibt viele Mythen, die mit Schleswig-Holstein in Verbindung stehen. Diese wollen wir auf wissenschaftlichem Niveau, aber für alle Besucher verständlich vorstellen.“ Für den erstmals stattfindenden Thementag im und um das Kulturzentrum Hohes Arsenal hat die GSHG den Schleswig-Holsteinischen Heimatbund, das Nordfriisk Instituut, den Landeskulturverband Schleswig-Holstein und das Akademiezentrum Sankelmark ins Boot geholt.

Wirklich auf ewig ungeteilt?

Dass Schleswig und Holstein wirklich „up ewig ungedeelt“ bleiben sollten, und der Halbsatz im Vertrag von Ripen (1460) mit dem Tod des Unterzeichners Christian I. von Dänemark 1491 nicht seine Geltung verlor, ist eine der Legenden. Dieser „Gründungsmythos“ von Schleswig-Holstein sei prägend für die Geschichte des Landes, erklärt Dr. Jens Ahlers, Direktor der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek. „Bis vor einigen Jahren hing das Wappen noch in beinah jedem Wohnzimmer“, sagt er. Dabei sei die lange Karriere der Passage wechselhaft gewesen. Zu Beginn war sie eine von mehreren Forderungen von Klerus und Adel an Christian I. um ihn – den dänischen König – als neuen Landesherren in ein Korsett zu zwingen.

„Später wurde es ein massives Schlagwort in den Schleswig-Holsteinischen Erhebungen und im Krieg von 1864 gegen Dänemark“, erläutert Ahlers. „Es war ein gutes Argument für den politischen Kampf und hatte den Vorteil, dass es auf ein historisches Dokument zurückging.“ In den Auseinandersetzungen von 1848 nutzten es die politischen Kräfte im Tauziehen um die nationale Zugehörigkeit, schließlich war Holstein Teil des deutschen Gesamtreichs und Schleswig dänisches Lehen. Der ursprünglich auf einen dänischen König bezogene Begriff wurde so Teil des Ringens um die Zugehörigkeit der Herzogtümer. Die Frage nach der Endlichkeit des „up ewig ungedeelt“ blieb bis ins 20. Jahrhundert aktuell und spielte auch bei den Grenzstreitigkeiten in den 1920er-Jahren und nach dem Zweiten Weltkrieg eine Rolle.

Von Rungholt, Friesen und Hanse

Der mythische Reichtum und die Machtfülle, aber auch das gotteslästerliche Verhalten der Einwohner spielen in dem Mythos um die untergegangene Stadt Rungholt eine wesentliche Rolle – auch wenn die historischen Erkenntnisse davon abweichen. Der Legende nach haben betrunkene Bauern im Übermut den Pastor genötigt, einem Schwein – das sie zuvor betrunken gemacht hatten – die Sterbesakramente zu gewähren. Aus Rache ließ Gott die Stadt in den Wassermassen der Zweiten Marcellusflut 1362 versinken. Verbrieft ist jedoch, dass die Stadt Rungholt eine für die Zeit beachtliche Größe aufwies.

Der Wappenspruch Nordfrieslands Lewer duad üs Slaw (Lieber tot als Sklave) wird häufig genutzt, um den Stolz und die Unabhängigkeit seiner Bewohner zu versinnbildlichen – was vielleicht etwas überzogen ist. Archivfunde zeigen, dass die Nordfriesen der Obrigkeit längst nicht immer die Stirn geboten haben, sondern manchmal nur keine Steuern zahlen wollten. Trotzdem hält sich der Mythos.

Auch die gern bemühte Supermacht der Hanse – nüchtern betrachtet ein Zusammenschluss niederdeutscher Kaufleute – wird durchleuchtet. Ebenso die glorifizierten Auswanderergeschichten, in denen Schleswig-Holsteiner den amerikanischen Traum leben. Auch der Mythos der sogenannten Stunde Null nach dem Zweiten Weltkrieg hält der wissenschaftlichen Betrachtung nicht stand. Anders als es Teile der Nachkriegsgesellschaft sahen, ging es nicht unbelastet von vorne los.

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Klaus Schlie (CDU).

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