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Kirche besteht auf strikten Feiertagsregeln

Tanzverbot Kirche besteht auf strikten Feiertagsregeln

Immer mehr Schleswig-Holsteiner kehren der evangelischen Kirche den Rücken. Die Zahl der Taufen nimmt ab, und nun debattiert der Landtag am Mittwoch auch noch über die Lockerung des Feiertagsgesetzes.

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Das sogenannte Tanzverbot verbietet an Karfreitag, Totensonntag und Volkstrauertag öffentliche Veranstaltungen.

Quelle: dpa

Kiel. Bischof Gothart Magaard (Schleswig) hat für diese Diskussion „kein Verständnis“: „Es geht lediglich um drei Tage im Jahr, die einen besonderen Charakter haben, indem sie Alltag und Trubel unterbrechen. Sie sind eine Säule unserer Kultur, des Respekts und der Achtung voreinander – und vor unseren Verstorbenen.“

 Das sogenannte Tanzverbot verbietet an Karfreitag, Totensonntag und Volkstrauertag öffentliche Veranstaltungen. Abgeordnete von fünf Fraktionen im Landtag – eine Ausnahme macht nur die CDU – stehen hinter einem Antrag der Piraten, das Versammlungsverbot aufzuheben. In Hamburg gilt das Veranstaltungsverbot nahezu komplett nur am Karfreitag, während am Volkstrauertag ab 15 Uhr und am Totensonntag ab 17 Uhr wieder öffentlich gefeiert werden darf.

 Von Peter Eichstädt (SPD) kommt der Alternativantrag, Veranstaltungen an Volkstrauertag und Totensonntag nur bis 20 Uhr zu untersagen. „Ich möchte das Gesetz gerne an die gesellschaftlichen Realitäten anpassen“, sagt Eichstädt. Für die Abstimmung ist der Fraktionszwang aufgehoben.

 „Besorgniserregend“ findet Gothart Magaard die Mitgliederentwicklung in den evangelisch-lutherischen Gemeinden. Waren 2012 noch 1,44 Millionen Schleswig-Holsteiner registriert, so sank diese Zahl Ende 2014 auf 1,392 von 2,83 Millionen Bürgern.

 Noch liegen für 2015 zwar keine exakten Daten vor, doch die Tendenz scheint sich abgeschwächt zu haben. Susanne Hansen, Pastorin an der Kieler Nikolaikirche, hat für ihre Gemeinde einen ganz anderen Trend erkannt: „Immer mehr junge Eltern entschließen sich, ihre Kinder nicht mehr im Baby-und Kleinkindalter taufen, sondern sie später selbst bestimmen zu lassen.“ Die Statistik bestätigt das: Gab es 2012 in Schleswig-Holstein noch 12241 Taufen, so waren es 2014 nur noch 11386, während gleichzeitig die Zahl der Geburten anstieg. „Den Wunsch mancher Eltern, die Kinder selbst entscheiden zu lassen, respektiere ich“, sagt Gothart Magaard, selbst vierfacher Vater, gibt aber zu bedenken: „Eltern treffen viele Entscheidungen für ihre Kinder, warum also nicht auch diese?“

 Im Hinblick auf 2017, das Feierjahr 500 Jahre Reformation, kündigt Magaard an, dieses Jubiläum intensiv nutzen zu wollen, mit Veranstaltungen und Ausstellungen und gemeinsam mit den Katholiken. „Das ist eine große Chance, die Kirche mehr in den Fokus der Gesellschaft zu bringen“, sagt der Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein.

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