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Tausende Rinder sterben im Meer

Deutsche Frachtschiffe Tausende Rinder sterben im Meer

Zum zweiten Mal binnen weniger Monate ist ein Viehtransporter mit Tausenden Rindern gesunken. An Bord des Frachters „Haidar“ waren 5000 Rinder, die bereits für die Überfahrt nach Venezuela in Boxen geladen waren.  „Das Schiff kennen wir hier noch. Solche Frachter fuhren hier früher regelmäßig“, sagt Jann Petersen von der Kieler Maklerei UCA United Canal Agency.

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Nur einige hundert der 5000 Rinder überlebten in Barcarena das Kentern des ehemals deutschen Frachters „Haidar“. Sie konnten aus ihren Boxen entkommen.

Quelle: Frank Behling

Kiel/Barcarena. Jetzt erwischte es im brasilianischen Hafen Barcarena an der Flussmündung des Rio Para nahe Belem wieder ein Tiertransportschiff. An Bord des Frachters „Haidar“ waren 5000 Rinder, die bereits für die Überfahrt nach Venezuela in Boxen geladen waren. Die meisten Tiere ertranken im Wrack. Der Frachter der libanesischen Reederei Tamar Shipping aus Beirut hat seine Wurzeln in Norddeutschland.

Zuletzt diente es der dänischen Unifeeder-Gruppe. „Damals haben wir es hier bei den Kanalpassagen betreut“, erinnert sich Petersen.

Bis Ende 2012 pendelte das Schiff regelmäßig durch den Nord-Ostsee-Kanal. Es brachte Container von Hamburg, Bremerhaven und Rotterdam in den Ostseeraum.

 Die Bilder aus Brasilien schockieren die Schifffahrtswelt. Das Drama begann Dienstagmorgen. Hafenarbeiter filmten die Katastrophe und stellten die Filme ins Internet. Aus noch ungeklärter Ursache bekam der Frachter noch an der Pier Schlagseite. Während sich die Crew vollzählig retten konnte, gab es für die 5000 Rinder kein Entkommen. Wie in Zeitlupe kippte das Schiff um und sackte schließlich mit dem Heck unter Wasser. Einige Tiere konnten durch die Gitter aus dem Wrack klettern und gelangten in den Fluss. Andere Tiere standen später auf dem Teil des Rumpfes, der noch aus dem Wasser ragte.

 Die Tiere, die überlebt haben, wurden zum Teil an Oberdeck von kleinen Schiffen an Bord genommen. Andere Tiere mussten im Wasser ans nahe Ufer schwimmen. Der Frachter ist schwer beschädigt – möglicherweise sogar ein Totalschaden. Damit endet der Lebenslauf der „Haidar“ 21 Jahre nach der Indienststellung bei der Hamburger Sietas Werft. Die Reederei Freese aus Stade setzte das Schiff zunächst ein. Dann kaufte es die Reederei JR Shipping aus Harlingen. Unter den Namen „Regia“ „Portland Bay“, „Elevation“ und „Perceiver“ war der 116 Meter lange Frachter regelmäßig im Nord-Ostsee-Kanal unterwegs.

 Die Schifffahrtskrise, steigende Umweltvorschriften und immer effizientere Neubauten verdrängen die älteren Schiffe. Schrottreif war die „Perceiver“ Ende 2010 noch lange nicht. Der in Kiel gebaute Antriebsmotor vom Typ MaK 8M552C ist für eine Lebensdauer von bis zu 40 Jahren ausgelegt. Deshalb wurde das Schiff in den Libanon verkauft. Deutsche Frachtschiffe sind dort als Viehtransporter sehr beliebt.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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